Vergangenheit mit Zukunft

Durmersheim (sl) – Sogar die Generation „Fridays for Future“ könne hier noch etwas über Nachhaltigkeit lernen, sagte Regierungspräsidentin Sylvia Felder bei einem Besuch des Hardmuseums Durmersheim. Es wurde mit dem Preis „Heimatmuseum hat Zukunft“ ausgezeichnet.

Museum zum Anfassen: Sylvia Felder mit Gerhard Weber und Willi Coerdt (rechts) vom Arbeitskreis Heimatpflege in der Küche des Durmersheimer Hardtmuseums. Linkenheil

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Museum zum Anfassen: Sylvia Felder mit Gerhard Weber und Willi Coerdt (rechts) vom Arbeitskreis Heimatpflege in der Küche des Durmersheimer Hardtmuseums. Linkenheil

Knarrende Dielen, der Duft von warmem Holz, und jede Menge Hausrat aus Uromas Zeiten: Wer das Hardtmuseum in der Durmersheimer Ritterstraße besucht, der kann sich sprichwörtlich in die Tage um 1900 zurückbeamen. Ganz so wie Regierungspräsidentin Sylvia Felder es gestern getan hat. Die sehenswerte Sammlung in dem malerischen Fachwerkhaus lernte sie gründlich kennen. Anlass war der zweite Preis im Wettbewerb „Heimatmuseum hat Zukunft“, der im Mai nach Durmersheim gegangen war (wir berichteten). Den ersten holte sich die Geiserschmiede in Bühlertal, die Felder ebenfalls gestern besucht hat.

Sehr viel zu gucken gibt es im Hardtmuseum. Und trotzdem macht die Ausstellung einen aufgeräumten Eindruck. Das ist dem Arbeitskreis Heimatpflege zu verdanken, der das große Sammelsurium in den vergangenen Jahren auf die interessantesten Stücke verschlankt und die Vitrinen übersichtlicher bestückt hat.

Zweifel am alltäglichen Luxus

Den ganz besonderen Charme des Museums machen die liebevoll mit Antiquitäten aus Durmersheimer Familien eingerichteten Wohn- und Wirtschaftsgebäude des einstigen Bauernhauses aus. Hier könnte, wie Sylvia Felder feststellte, sogar die Generation „Fridays for Future“ noch etwas über Nachhaltigkeit lernen. Die Frage, ob aller Luxus, an den wir uns im Alltag gewöhnt haben, wirklich nötig ist, drängt sich förmlich auf. Insofern könne man durchaus von der Vergangenheit für die Zukunft lernen, resümierte die Politikerin. Auch aus den Fehlern, denn natürlich werden die Themenfelder Weltkriege und NS-Zeit im Museum nicht ausgespart. Schwerpunkt ist neben dem Wohnen und Arbeiten um 1900 indes die Volksfrömmigkeit. Das ist naheliegend, denn die Wallfahrtskirche Maria Bickesheim liegt quasi vor der Haustür. Bei so manchem Utensil fragt sich der nicht ganz so Fromme, was das denn eigentlich sein soll. Neben den übersichtlich gehaltenen Texten in den Ausstellungsräumen geben die Ehrenamtlichen vom Arbeitskreis gerne und humorvoll Auskunft. Fast 120 Mitglieder gibt es, erklärt Vorsitzender Josef Tritsch. Der harte Kern, der regelmäßig zum Einsatz erscheint, sei aber deutlich kleiner, fügt er bedauernd hinzu. Und auch dass der Begriff „Vereinsjugend“ relativ ist, kann man vom Arbeitskreis lernen, sind doch die drei jüngst eingetreten Neumitglieder auch schon über 60. Na und? Felder jedenfalls animiert fitte Jungrentner dazu, sich zu engagieren.

Arbeitskreis pflegt gute Beziehungen

Der Arbeitskreis pflegt übrigens gute Beziehungen zur Nachbarschaft wie etwa den Bewohnern der Senioreneinrichtung nebenan. Bei manchen der betagten Herrschaften regen sich beim Betrachten der alten Alltagsdinge Erinnerungen an ihre Jugend. Aber auch eine deutlich jüngere Gruppe aus dem nahen Flüchtlingsheim in der Pilgerstraße führten die Ehrenamtlichen vor wenigen Tagen erst durchs Museum. Gut besucht sind zudem Publikumsangebote wie Dialekt- oder Krimiabende. Bürgermeister Andreas Augustin jedenfalls ist stolz auf den Arbeitskreis und das Museum, das sich in Gemeindebesitz befindet.

Der Wettbewerb „Heimatmuseum hat Zukunft“ wird alle vier Jahre ausgerichtet. Er löste den Preis „Vorbildliches Heimatmuseum“ ab, mit dem das Hardtmuseum schon 2011 ausgezeichnet wurde. Mit dem Preisgeld von 1500 Euro will der Arbeitskreis den Kräutergarten des Hardtmuseums neu anlegen, eventuell mit Hochbeeten, freut sich Josef Tritsch schon jetzt. Geöffnet ist das Hardtmuseum in der Ritterstraße 16 immer am ersten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr. Im August und Januar bleibt es geschlossen.

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Erstellt:
30. Juli 2019, 00:00 Uhr
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