Seniorenheim und Vereine ganz oben auf der Agenda

Steinmauern (mak) – Toni Hoffarth, der seit 2019 für die CDU im Gemeinderat sitzt, tritt bei der Bürgermeisterwahl in Steinmauern als parteiloser Bewerber an. BT-Redakteur Markus Koch befragte ihn.

Toni Hoffarth will sich für ein generationenübergreifendes Miteinander und gute Vereinsförderung einsetzen. Foto: pr

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Toni Hoffarth will sich für ein generationenübergreifendes Miteinander und gute Vereinsförderung einsetzen. Foto: pr

Von Markus Koch

Der Wahlkampf im Flößerdorf ist in vollem Gange. Toni Hoffarth, der seit 2019 für die CDU im Gemeinderat sitzt, tritt als parteiloser Bewerber an. Der 34-jährige Betriebswirt hat bislang zwei Bürgergespräche im „Buon Gusto“ angeboten und war mit einem Infostand bei den Hoperwiesen präsent. Daneben wurden an die Haushalte in Steinmauern Flyer verteilt, zu deren Inhalt BT-Redakteur Markus Koch einige Fragen gestellt hat.

BT: Herr Hoffarth, Sie sind studierter Betriebswirt mit Erfahrung im Finanzcontrolling, haben jedoch keine Ausbildung im Verwaltungsbereich. Ist dies für Sie im Falle einer Wahl kein Problem?

Toni Hoffarth: Das sehe ich nicht als Problem. Mein BWL-Studium ist eine seriöse Basis, da die meisten Themen einer Kommune mit Finanzen zu tun haben. Weiterbildungsseminare in verwaltungsspezifischen Themen werde ich selbstverständlich wahrnehmen. Darüber hinaus arbeiten im Rathaus kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung. Neben der Fachkompetenz spielt aus meiner Sicht die soziale Kompetenz eine wichtige Rolle. Hierbei zähle ich zum Beispiel Teamfähigkeit, Aufgeschlossenheit, Kommunikationsfähigkeit und Empathie zu meinen Stärken. Die sehr vielen positiven Gespräche und Rückmeldungen der letzten Wochen zeigen mir, dass ich bei den Bürgerinnen und Bürgern mit meiner Art und meinen Ideen gut ankomme.

BT: Sie werben in Ihrem Flyer dafür, über Ratsbeschlüsse schneller und transparenter zu informieren. Wie soll dies konkret aussehen? Gab es diesbezüglich Ihrer Einschätzung nach bislang ein Defizit?

Hoffarth: Die in öffentlicher Sitzung gefassten Ratsbeschlüsse müssen der nicht anwesenden Bürgerschaft elektronisch zugänglich gemacht werden. Ein gutes Beispiel ist die Stadt Baden-Baden. Hier werden die Kurzbeschlüsse auf der Homepage kurz und knapp dokumentiert – zeitnah nach der Sitzung. Dies ist in Steinmauern bislang nicht der Fall. Generell gibt es bei der digitalen Informationsbereitstellung und der Kommunikation Optimierungsbedarf. Die Menschen, beispielsweise die Eltern der Kindergartenkinder, fordern dies zu Recht.

BT: Sie möchten die Vereine fördern. Wie wollen Sie dies über den jährlichen Zuschuss der Gemeinde hinaus realisieren?

Hoffarth: Die Vereine sind sehr verschieden und haben somit ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Diese Frage kann also nur im Dialog mit den Vereinen beantwortet werden. Daher gilt auch hier die Devise: Zuhören und die Anregungen ernst nehmen, anstatt fertige Lösungskonzepte zu präsentieren. In diesem Prozess befinde ich mich bereits mittendrin.

BT: Sie wollen sich für Initiativen gegen die Vereinsamung von älteren Menschen einsetzen. Was schwebt Ihnen diesbezüglich vor?

Hoffarth: Das Thema ist so wichtig wie vielschichtig. Das soziale, generationenübergreifende Miteinander in einem kleinen Dorf wie Steinmauern hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Ohne die Lebensleistung der älteren Generation wäre Steinmauern nicht das, was es heute ist. Auch hier gilt es, den Dialog mit den älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu suchen, um mehr über deren Bedürfnisse zu erfahren. Fakt ist, hier gibt es nicht die eine tolle Initiative. Es ist die Summe aus vielen kleinen Dingen. Im Übrigen wird hier in Steinmauern schon viel getan, nicht zuletzt vom Seniorentreff. Neben der Realisierung eines Seniorenwohnheims und weiteren gemeinsamen Aktivitäten würde ich gerne öffentliche Orte der Begegnung schaffen, die für alle Generationen gleichermaßen attraktiv sind.

BT: Die Taktung des Busverkehrs zum Rastatter Bahnhof soll laut Ihrem Flyer verbessert werden. Wie wollen Sie den Kreistag, der anhand der Kundenfrequenz über die Taktung von Bussen entscheidet, davon überzeugen?

Hoffarth: Das ist korrekt. Das Thema Umweltschutz nimmt in der Gesellschaft zu Recht einen immer höheren Stellenwert ein. Während in den Medien permanent über die Reduzierung des Individualverkehrs und mehr Elektromobilität gesprochen wird, wird in Steinmauern der ÖPNV ausgedünnt. Das passt nicht zusammen. Die wenigen Busse, die durch Steinmauern fahren, haben zum Beispiel immer die gleiche Kapazität. Mein Ansatz: Höhere Bustaktung mit kleineren, flexibleren Bussen. Zusätzlich müssen wieder mehr der bereits existierenden Bushaltestellen angefahren werden. Speziell für ältere Menschen ist es nicht zumutbar, 800 Meter oder mehr zur nächsten Bushaltestelle zu gehen.

BT: Die Integration von Flüchtlingen ist Ihnen ein Anliegen. Was müsste in dieser Hinsicht in Steinmauern noch verbessert werden?

Hoffarth: Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Positive Beispiele in Steinmauern sind das Fahrrad-„Schöpfl“ sowie die Integration von Flüchtlingen im Fußballverein. Allerdings gelingt die Integration nur dann, wenn dies maßvoll und im Dialog geschieht. Es müssen auch die verständlichen Bedenken und Ängste der Bürgerinnen und Bürger gehört und ernstgenommen werden. In letzter Konsequenz gelten im Übrigen für Flüchtlinge dieselben Regeln wie für alle anderen auch. Integration gelingt nur, wenn beide Seiten ihren Teil dazu beitragen.

BT: Neue Arbeitsplätze im Ort und das Angebot von „shared workspace“, also Arbeitsplätze, die von mehreren geteilt werden, sind Ihnen wichtig. Welche Art von Unternehmen möchten Sie nach Steinmauern locken und wo könnte es geeignete Standorte geben?

Hoffarth: Es geht um Unternehmen mit Ertragskraft und einem soliden, zukunftsfähigen Geschäftsmodell. Geeignete Standorte gibt es im aktuellen Gewerbegebiet, wobei auch eine Erweiterung des Gewerbegebiets durchaus denkbar ist. Nur wo Arbeits- und Ausbildungsplätze vorhanden sind, finden Menschen ein Umfeld vor, in dem sie sich wohlfühlen. „Shared Workspace“ wird zukünftig immer wichtiger, da immer mehr Menschen aus dem Homeoffice arbeiten möchten und dies auch dürfen. Allerdings hat nicht jeder ein Büro zu Hause und am Wohnzimmertisch mit zwei spielenden Kindern lässt sich nicht gut arbeiten. Daher der Gedanke, in der Nähe des Wohnorts einen Arbeitsplatz zu schaffen, der flexibel von mehreren Menschen genutzt werden kann.

BT: Können Sie zwei Leuchtturm-Projekte benennen, die Sie im Falle einer Wahl in Ihrer ersten Amtszeit umsetzen wollen?

Hoffarth: Es ist mir besonders wichtig, Strukturen zu schaffen, um der älteren Generation ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, damit sie auch im Alter nicht aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen wird. Steinmauern braucht daher ein Seniorenwohnheim für Menschen mit höherem Pflegebedarf sowie Angebote für betreutes Wohnen und Kurzzeitpflege zur Entlastung pflegender Angehöriger. Darüber hinaus möchte ich die Erweiterung des Neubaugebiets „Breithölzer-Waldäcker“ in Verbindung mit der Entlastungsstraße umsetzen und mich für ein verschärftes Tempolimit im Ort einsetzen, nicht zuletzt, um den Schulweg und den Gang in den Kindergarten sicherer zu gestalten.

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Erstellt:
15. Oktober 2020, 13:05 Uhr
Lesedauer:
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