„Rätschen“ in Oberndorf diesmal von zu Hause aus

Kuppenheim (red) – Um auch in diesem Jahr die Tradition wenigstens nicht vollständig zu vernachlässigen, soll in Oberndorf in diesem Jahr an Ostern von zu Hause aus „gerätscht“ werden.

Rätschen und klappern werden die Oberndorfer dieses Jahr auf Balkonen oder an offenen Fenstern. Foto: Philipp Weber

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Rätschen und klappern werden die Oberndorfer dieses Jahr auf Balkonen oder an offenen Fenstern. Foto: Philipp Weber

Wie Palmstrauß, Pfingstträg und Kräuterbusch gehört „das Rätschen“ zum Oberndorfer Brauchtum. Die Beschränkung von sozialen Kontakten macht dieses Jahr aber den Zug der Rätscher durch Oberndorf zu einem schier unmöglichen Unterfangen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Normalerweise ziehen ab Gründonnerstagabend alle Kinder und Jugendlichen, die sich beteiligen möchten, mit ihren Rätschen und Klappern durch den Ort. Sie ersetzen damit traditionell die Kirchenglocken ersetzen, die bis zur Osternacht nicht mehr läuten. Am Ostermontag gehen die Rätscher dann von Haus zu Haus und bitten mit folgendem Spruch um eine kleine Gabe für ihre Mühen: „Wir haben gerätscht und gerasselt für unseren Herrn Jesus Christus im Grab und bitten um eine kleine Gabe. Nicht zu groß und nicht zu klein, dass sie passt in unser Körbelein.“

Die so gesammelten Gaben werden anschließend von den „Teilern“, das sind die ältesten Kinder und Jugendlichen, die mindestens im Jahr zuvor beim Rätschen und beim Pfingstträg dabei waren, aufgeteilt. Dabei wird die jeweilige Anwesenheit beachtet, es werden zudem „Hättle“ für leichte und „der Bock“ für schwere Regelmissachtungen angerechnet.

In diesem Jahr soll die Tradition des Rätschens aber trotz Corona-Pandemie weitergehen, nur auf eine etwas andere Art und Weise, heißt es in der Mitteilung weiter: Alle Bewohner von Oberndorf, die eine Rätsche oder Klapper zuhause haben, sind eingeladen, sich von ihrem Balkon, einem Fenster oder der Haustür aus zu den angegebenen Zeiten durch eine Minute Rätschen oder Klappern am diesjährigen „Rätschen“ zu beteiligen: Am heutigen Gründonnerstag um 18 Uhr, an Karfreitag um 6, 12 und 18 Uhr sowie am Karsamstag schließlich um 6, 12 und 18 Uhr.

Auf diese Weise soll damit auch in Corona-Zeiten bewusst ein Zeichen für eine traditionsbewusste und solidarische Dorfgemeinschaft gesetzt werden.

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Erstellt:
9. April 2020, 17:00 Uhr
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gottfried 11.04.202010:48 Uhr

sollte man zum rätschen die kippa abnehmen?


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