Nach Nervenzusammenbruch durch alle Raster gefallen

Rastatt (mak) – Eine junge Frau aus dem südlichen Landkreis, die anonym bleiben möchte, ist durch eine psychische Erkrankung unvermittelt zur Hartz-IV-Empfängerin geworden.

Mitten im Arbeitsleben und dann innerhalb kürzester Zeit Hartz-IV-Empfängerin: Für eine junge Frau aus dem südlichen Landkreis ist dies Realität geworden. Foto: dpa/Ralf Hirschberger

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Mitten im Arbeitsleben und dann innerhalb kürzester Zeit Hartz-IV-Empfängerin: Für eine junge Frau aus dem südlichen Landkreis ist dies Realität geworden. Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Von Markus Koch

Eigentlich wollte die Mittzwanzigerin am 1. Februar eine neue Arbeitsstelle antreten. Doch bevor sie am besagten Tag von zuhause losfahren konnte, erlitt sie einen Nervenzusammenbruch. Bei ihrem bisherigen Arbeitgeber hatte sie gekündigt, beim neuen war sie noch nicht beschäftigt – ein Grenzfall, der nicht nur ihre Krankenkasse, sondern auch die Arbeitsagentur herausforderte. „Ich wollte mich beruflich neu orientieren“, erläutert die Groß- und Außenhandelskauffrau im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt den Grund für ihren Arbeitsplatzwechsel. Doch dann kommt am 1. Februar auf einmal alles völlig anders als geplant. Nach dem Nervenzusammenbruch am Morgen bringen sie ihre Eltern, in deren Haus sie eine eigene Wohnung hat, zum Gunzenbachhof nach Baden-Baden. Doch in der psychiatrischen Klinik wird die junge Frau abgewiesen. Bereits am Nachmittag folgt der zweite Nervenzusammenbruch. Als am nächsten Tag der dritte erfolgt, gehen die Eltern mit ihr zum Hausarzt, der eine Einweisung anordnet. Bis Mitte März wird die junge Frau daraufhin im Gunzenbachhof behandelt. Doch sie benötigt anschließend weitere Unterstützung und wird seither ein- bis zweimal in der Woche von einer Psychotherapeutin behandelt. Ihr geht es etwas besser, doch sie steht nach wie vor auf der Warteliste für einen Platz in der Tagesklinik des Gunzenbachhofs: „Dort gibt es nur ein Dutzend Plätze“, sagt sie. Voraussichtlich sechs bis acht Wochen wird die ambulante Behandlung dort dauern. Da die Mittzwanzigerin aufgrund ihrer Erkrankung in keinem Beschäftigungsverhältnis steht, ist zunächst unklar, ob sie Anspruch auf Krankengeld hat. Auch bei ihrer Krankenkasse muss intern erst geklärt werden, wer für so einen ungewöhnlichen Fall zuständig ist und wie sie weiter versichert wird. „Ihre Krankenkasse hat eigens eine Task Force gebildet“, ergänzt der Vater. Nach eingehender Prüfung kommt die Krankenkasse zu dem Schluss, dass sich die junge Frau für 206 Euro im Monat freiwillig versichern muss. „Eigentlich wollte ich mich selber um das alles kümmern, aber ich konnte es einfach nicht“, zeigt sie sich dankbar über die Unterstützung ihrer Eltern.

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Erstellt:
27. April 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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