Lohnt sich ein Gartenbrunnen?

Rastatt/Murgtal (red) – Lohnt es sich für Privatleute, einen Gartenbrunnen anzulegen? Damit kann mit kostenlosem Grundwasser gegossen und kostbares Trinkwasser gespart werden.

Viele Hobbygärtner liebäugeln in Trockenperioden mit einem Gartenbrunnen. Das Umweltamt rät ab. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Viele Hobbygärtner liebäugeln in Trockenperioden mit einem Gartenbrunnen. Das Umweltamt rät ab. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Für viele Gartenbesitzer und Hobbygärtner ist es eine verlockende Perspektive: ein Gartenbrunnen. Mit kostenlosem Grundwasser den Garten bewässern und dabei noch das kostbare Trinkwasser sparen. Eine prima Investition, wie viele glauben - doch stimmt das auch?

Das Umweltamt im Landratsamt Rastatt hat nachgerechnet: Zwar verursache das Grundwasser selbst keine Kosten, dafür aber gebe es andere Faktoren, die es zu bedenken gilt: Das Errichten eines Brunnens bedarf der wasserrechtlichen Erlaubnis des Umweltamts, wohingegen die Entnahme des Grundwassers zur Gartenberegnung in aller Regel erlaubnisfrei ist. Über beides ist die untere Wasserbehörde mittels Antragstellung zu informieren, für deren Bearbeitung eine Gebühr von 90 Euro anfällt.

Wasser sollte analysiert werden

Die Bohrung eines durchschnittlichen Brunnens mit einer Tiefe von rund zehn Metern und einem Durchmesser von 125 Millimetern kostet je nach Aufwand mindestens 2.500 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Unterwasser- oder Saugpumpe, die mit 100 bis 1.000 Euro (je nach Leistung und Qualität) zu Buche schlagen, sowie die Kosten für Strom und Wartungs- beziehungsweise Reinigungsarbeiten an Brunnen und Pumpe.

Zusätzlich empfehlenswert ist eine Grundwasseranalyse, für die, je nach Parameter, zwischen 30 bis 120 Euro anfallen. Denn ein hoher Eisen- und/ oder Mangan-Gehalt macht das Grundwasser für die Gartenbewässerung unbrauchbar. Dies kann zu einer schnellen „Verockerung“ des Brunnens und der Pumpe führen und Wege und Wände unschön einfärben. Aber auch bei anderen Grundwasserverunreinigungen – wie aktuell die PFC-Problematik in vielen Teilen des Landkreises zeigt – ist die Verwendung des unbehandelten Grundwassers in den betroffenen Gebieten nicht zu empfehlen. So ist die Analyse auf PFC beispielsweise recht kostspielig und nur von begrenzter Aussagekraft.

Brunnen rechnet sich im Schnitt nach 20 Jahren

Dem gegenüber steht ein Preis bei Trinkwasser von unter drei Euro pro Kubikmeter. Je nach Bodenart sind zehn bis 20 Liter pro Quadratmeter ein- bis dreimal die Woche erforderlich. Das wären dann für eine Rasenfläche von 50 Quadratmetern maximal 3.000 Liter wöchentlich, rechnet das Umweltamt vor. Die Beregnungssaison geht von April bis September, also 24 Wochen. Wenn man davon in der Hälfte dieser Zeit beregnen müsste, wäre das eine Beregnungsmenge von 36 Kubikmetern pro Jahr. Der Wasserversorger würde für diese Wassermenge 108 Euro in Rechnung stellen. Als Vergleich: Eine einzelne PFC-Analyse ist etwa doppelt so teuer.

Das heißt, allein für die Baukosten eines Brunnens könnte man mindestens 20 Jahre lang mit Trinkwasser den Garten beregnen. Daraus ergibt sich laut Umweltamt, dass eine Gartenbewässerung mit Trinkwasser aus der Leitung, vielleicht ergänzt durch gesammeltes Regenwasser, eine sichere und nicht wirklich teure Alternative zum vermeintlich kostenlosen Grundwasser aus dem Gartenbrunnen darstellt.

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Erstellt:
28. August 2020, 16:00 Uhr
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