Lesetipps der Lokalredaktion Rastatt

Rastatt (red) – Anlässlich des „Welttags des Buches“ sind Redakteure der Lokalredaktion Rastatt ihre Schränke und Regale durchgegangen und haben ihre liebsten Schmöker ausgepackt, um sie vorzustellen.

Anja Groß (links) und Daniel Melcher. Foto: Mauderer

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Anja Groß (links) und Daniel Melcher. Foto: Mauderer

Lesestoff zum Nachdenken

von Anja Groß

Im August 2009 veröffentlichte der Strafverteidiger Ferdinand von Schirach „Verbrechen“, das 61 Wochen auf der Spiegel-Bestseller-Liste stand und auch verfilmt wurde. Die elf Kurzgeschichten, die auf wahren Begebenheiten aus seiner Kanzlei basieren, zeigen, wie vermeintlich einfache Rechtsfragen mit großen anderen Fragen verbunden sind – Schuld, Sühne, Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe, Hass. Und dass es mitunter schwerfällt, eindeutige Antworten auf diese Fragen zu finden. Rechtsprechung ist nicht immer gleichbedeutend mit Gerechtigkeit, denn sie betrachtet vor allem Fakten, (be)urteilt nach Beweisen und Indizien, und sieht weniger die menschlichen Hinter- und Abgründe.

Schirach wirft mit seiner klaren, schnörkellosen Erzählkunst philosophische Fragen auf, ohne zu philosophieren. Denn die Antworten muss jeder Leser für sich selbst finden. So bietet „Verbrechen“ neben spannender Unterhaltung auch viel Nachdenkenswertes. Ein roter Faden zieht sich dabei durch alle Geschichten: Egal wie monströs ein Verbrechen erscheinen mag – ein Mensch ist doch immer ein Mensch.

Ferdinand von Schirach: „Verbrechen“, Verlag btb.

Papierpaläste und Sprüheis-Inseln

von Nora Strupp, Volontärin

Koffer packen, sich ins Flugzeug setzen und ab in den Urlaub, um fremde Länder und neue Kulturen zu entdecken – was vor wenigen Wochen noch selbstverständlich schien, ist seit Corona unmöglich geworden. Fernwehgeplagten bleibt deshalb im Moment nur, sich auf eine gedankliche Reise zu begeben. Auf eine solche schickt einen Alastair Bonnetts faszinierender Bestseller über geografische Kuriositäten. „Die seltsamsten Orte der Welt“ handelt von 47 außergewöhnlichen Plätzen und Gegenden, deren Existenz kaum vorstellbar ist, scheint die Erde in Zeiten von Google Earth doch bis in den letzten Winkel erforscht. Bonnett nimmt den Leser mit auf eine Tour zu verloren gegangenen Orten wie die Phantominsel „Sandy Island“ zwischen Australien und Neukaledonien, die zwar in verschiedenen Karten verzeichnet ist, jedoch gar nicht existiert, zu Gebieten, die keiner haben will, zu unterirdischen Städten in Kappadokien oder einer Sprüheis-Insel in der kanadischen Beaufortsee. Nach der Lektüre dieses Buches werden selbst erfahrene Weltenbummler erkennen, dass es noch sehr viel Exotisches zu entdecken gibt.

Nora Strupp. Foto: ml

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Nora Strupp. Foto: ml

Alastair Bonnett: „Die seltsamsten Orte der Welt“, Verlag C.H. Beck.

Genial-verrücktes Abenteuer

von Daniel Melcher

Spannend, lustig, fantasievoll, überraschend: Matt Ruffs Roman „Fool on the Hill“ (der Narr auf dem Hügel) steckt so voll überbordenden Ideen, dass er sich als Mischung aus Abenteuer-/Fantasyroman und Parodie eigentlich jeder Genre-Einordnung verweigert. Und eine Inhaltsangabe auf nur wenigen Zeilen praktisch unmöglich macht...

Es kommen vor: Ein Autor, der Geschichten nicht nur schreibt, sondern wahr werden lässt, ein Schriftsteller, der vom Lügen lebt, Studenten, Kobolde, Hunde, Katzen, unbeseelte Dinge und mehr. Geschehnisse werden in Gang gesetzt, die schließlich in einen Showdown zwischen Gut und Böse münden. Und dabei werden auch noch Themen wie Rassenhass und Vorurteile behandelt. Klingt verrückt? Ist es auch. „Fool on the Hill“ spielt und funktioniert auf vielen Ebenen, Anspielungen auf Literatur und Mythen inklusive. Wer sich darauf einlässt, darf mit einer fantastisch-absurden Lese-Reise und unvergesslichem Kopfkino rechnen.

Matt Ruff: Fool on the Hill. dtv Literatur, Taschenbuch.

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Erstellt:
23. April 2020, 10:25 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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