Lehrer brauchte zum Überleben mehrere „Nebenjobs“

Durmersheim (red) – Der Arbeitskreis Heimatpflege hat die Entwicklung des Schulwesens in Durmersheim und Würmersheim in den vergangenen 300 Jahren aufgearbeitet.

Das ehemalige Durmersheimer Schulhaus. 1913 wird eine neue Schule eröffnet und bezogen. Foto: Arbeitskreis Heimatpflege Durmersheim

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Das ehemalige Durmersheimer Schulhaus. 1913 wird eine neue Schule eröffnet und bezogen. Foto: Arbeitskreis Heimatpflege Durmersheim

Aus der Zeit vor dem 30-Jährigen Krieg (1618-1648) sind keine Hinweise auf Schulunterricht in Durmersheim und Würmersheim vorhanden. 1672 wird in Durmersheim erstmals von einem Lehrer Jakob Kayser berichtet, der in den Wintermonaten die Kinder wahrscheinlich in seiner Wohnung unterrichtete. Seine Bezahlung war mehr als bescheiden, leben konnte er nur von mit seinem Amt verbundenen Naturalien und von (wie man heute sagen würde) Nebenjobs wie Mesner- und Orgeldienst, die ihm zum Beispiel für eine Hochzeit „ein Stück Brot, einen Brocken Fleisch und einen Krug Wein“ einbrachten. Lehrer Kayser unterrichtete zu der Zeit auch die Kinder aus den 13 Würmersheimer Familien, die den 30-Jährigen Krieg überlebt hatten. Die Schule in Würmersheim muss im Krieg schwer beschädigt und unbenutzbar geworden sein. 1700 wird von Reparaturarbeiten am Schulhaus berichtet, sodass man annehmen kann, dass danach die Würmersheimer Kinder wieder vor Ort zur Schule gehen konnten. Ein eigenes Schulhaus in Durmersheim ist erstmals im Ortsplan von 1763 als „der Gemeind Schul und Hirtenhaus“ festgehalten. Es stand an der Ecke Ritterstraße/Thomasstraße, im dazu gehörenden Grundbuch wird es als „der Gemeind Durmersheim gehörig“ beschrieben. Sein Baujahr ist nicht bekannt. Während 1672 in Durmersheim 30 Familien mit ungefähr 150 Personen lebten, nahm die Einwohnerzahl in den ersten 60 Jahren nach dem 30-Jährigen Krieg wieder bis auf über 700 zu. Mit diesem Anstieg wuchs auch die Anzahl der Kinder. Als das Schulhaus zu klein wurde, kaufte die Gemeinde 1814 für 1.250 Gulden das dahinter liegende ehemalige Försterhaus in der Kriegstraße. Zu der Zeit musste auch ein zusätzlicher Hilfslehrer eingestellt werden.

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Erstellt:
7. Januar 2021, 14:00 Uhr
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