Landwirt kommt wohl glimpflich davon

Rastatt (rjk) – Nach den Baumrodungen in Förch liegen jetzt die Prüfungsergebnisse des Landratsamts vor. Der Landwirt, der im Februar zehn Streuobstbäume gerodet hat, kommt wohl glimpflich davon.

Ersatz in gleicher Größe: Darauf pocht der Rastatter NABU-Chef Karl-Ludwig Matt. Hier steht er vor einem Apfelbaum, der dem im Februar gefällten Baum sehr ähnlich sieht. Foto: Erwin Hars/Nabu

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Ersatz in gleicher Größe: Darauf pocht der Rastatter NABU-Chef Karl-Ludwig Matt. Hier steht er vor einem Apfelbaum, der dem im Februar gefällten Baum sehr ähnlich sieht. Foto: Erwin Hars/Nabu

Von unserem Mitarbeiter Ralf-Joachim Kraft

Die Kreisverwaltung hat nur bei drei von zehn gefällten Bäumen (sechs davon im Landschaftsschutzgebiet) einen Verstoß feststellen können. Das bestätigt Benjamin Wedewart, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, auf Nachfrage. Wie unsere Zeitung berichtete, hatte die NABU-Ortsgruppe Rastatt am 22. Februar diesbezüglich Anzeige beim Landratsamt erstattet.

„Bei den vier Bäumen, die außerhalb des Landschaftsschutzgebiets gefällt wurden, handelt es sich nicht um Landschaftselemente im Sinne der Cross-Compliance-Vorgaben“, teilt Wedewart mit. „Somit stellt deren Rodung keinen Cross-Compliance-Verstoß dar.“ Bei „Cross Compliance“ geht es um EU-Agrarzahlungen, die an Verpflichtungen im Bereich Umwelt-, Natur- und Tierschutz gebunden sind. Für diesen Teil der Prüfung zuständig war das Landwirtschaftsamt.

Um die sechs Bäume, die innerhalb des Landschaftsschutzgebiets gerodet wurden, kümmerte sich derweil die Untere Naturschutzbehörde, die ihre behördlichen Ermittlungen zum Schutzstatus der Bäume ebenfalls abgeschlossen hat. „Bei drei Fällungen gehen wir von einem Verstoß gegen die Landschaftsschutzgebietsverordnung aus, da wir die Bäume als landschaftsprägend einordnen“, berichtet der Sprecher der Kreisbehörde. Ziel sei jetzt eine naturschutzrechtliche Wiederherstellungsanordnung. Diese sehe vor, dass als Ersatz neue Bäume gepflanzt werden. „Ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren streben wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht an.“

Unabhängig von den Prüfungsergebnissen der Behörden hatte die NABU-Ortsgruppe als Pächterin des im Landschaftsschutzgebiet liegenden Flurstücks „Vogel- und Insektennährgehölze“ angekündigt, Ersatzansprüche geltend zu machen. „Und daran halten wir fest“, bekräftigt der Ortsgruppen-Vorsitzende Karl-Ludwig Matt. „Wir möchten für den gerodeten Apfelbaum nahe Schloss Favorite keinen Ersatz in Form einer kleinen Pflanze, sondern einen Baum in gleicher Größe“, verweist er auf den hohen Nutzwert, den gerade auch alte Bäume für Insekten hätten.

Solche Bäume liefere die Nürnberger Firma Opitz, die sich auf die Verpflanzung von Großbäumen spezialisiert habe. Die Kosten für Pflanzung inklusive Anlieferung beziffert Matt auf 11.800 Euro. Zum Besprechungstermin am 12. April teilt er mit, dass dieser sachlich und konstruktiv verlaufen sei. An dem Treffen teilgenommen hatten unter anderem die Leiterin des Landwirtschaftsamts, Andrea Ganter, und der Leiter des Amtes für Baurecht, Klima- und Naturschutz und öffentliche Ordnung, Sébastien Oser.

Bei dem Ortstermin ging es auch um die mögliche Einführung eines Ackerfeldbaum-Katasters. Ein solches wäre „ein Novum in Baden-Württemberg“, betont der Rastatter NABU-Chef, der sich seit Jahren für den Schutz dieser Bäume einsetzt und in dieser Sache nicht lockerlassen wird, wie er sagt. Daher strebe er jetzt „einen großen Runden Tisch“ mit den Großlandwirten rund um Förch und dem Bauernverband an. Schon vor Jahren habe er einen solchen vorgeschlagen. „Er ist mir aber immer wieder verweigert worden.“ Als Mediatoren hat Matt die genannten Amtsleiter aus der Kreisverwaltung im Visier.


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