Es waren Rastatter, die verschleppt wurden

Rastatt (sl) – Eine Sonderausstellung über Judendeportation nach Gurs ist zurzeit im Stadtmuseum Rastatt zu sehen. Die Exponate lassen die Ereignisse von damals ganz nah erscheinen.

Auf einem Plan der Rastatter Innenstadt lässt sich nachvollziehen, wo Juden lebten, die 1940 abgeholt wurden. Vor den Häusern liegen heute Stolpersteine. Foto: Frank Vetter

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Auf einem Plan der Rastatter Innenstadt lässt sich nachvollziehen, wo Juden lebten, die 1940 abgeholt wurden. Vor den Häusern liegen heute Stolpersteine. Foto: Frank Vetter

Von BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

Ziemlich weit weg erscheint den Nachgeborenen 80 Jahre später das Leid jener Menschen, die 1940 aus dem deutschen Südwesten ins französische Lager Gurs deportiert wurden. Und dann steht man plötzlich im Rastatter Stadtmuseum vor einem großen Stadtplan mit dem bekannten Straßenmuster der Barockstadt, um zu erkennen: Die abtransportierten Juden wohnten vielleicht direkt in deiner Nachbarschaft. In derselben Straße, im selben Haus sogar. Da ist Geschichte plötzlich ganz nah.
Rastatt ist nicht die einzige Stadt in Baden, die zurzeit eine vom Haus der Wannseekonferenz Berlin erstellte Wanderausstellung über die Deportation südwestdeutscher Juden nach Gurs in der Zeit der Naziherrschaft zeigt. Doch hier haben sie zwei neue Mitarbeiter des Fachbereichs Museen mit Dokumenten aus dem Stadtarchiv erweitert, die von den Ereignissen in Rastatt selbst erzählen. Eine klare Aufwertung ist den Historikern Christian Fäßler vom Stadtarchiv und Chris Hirtzig vom Stadtmuseum da gelungen. Denn je weniger Hochbetagte es gibt, die noch aus eigenem Erleben von der Zeit der Naziherrschaft berichten können, desto abstrakter wird die Erinnerung.

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