Erfolgreiche Hilfe für Projekte in Indien

Durmersheim (red) – Der Verein „Indischer Regenbogen“ aus Durmersheim unterstützt Halb- und Vollwaisen, hauptsächlich Mädchen, in den Häusern der Schwestern vom katholischen Fatima-Orden in Indien. Zudem wurde in Assam ein Haus für 36 geistig und körperlich behinderte Kinder gebaut, um sie von der Straße zu holen. Es wurden Hauswirtschaftsschulen für junge Frauen errichtet, die von ihren Familien verstoßen wurden.

Alexandra Nowack besucht das Grihini-Center in Assam. Foto: privat

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Alexandra Nowack besucht das Grihini-Center in Assam. Foto: privat

Der Verein „Indischer Regenbogen“ aus Durmersheim initiiert und unterstützt mit Spendengeldern seit seiner Gründung 2010 verschiedene Hilfsprojekte vor allem für benachteiligte Frauen und Mädchen in Indien. Vereinsgründerin Alexandra Nowack und ihr Mann reisen selber immer wieder in das Entwicklungsland, um nach ihren Projekten zu schauen und die Hilfsgelder zu verteilen. Vom 22. Februar bis 18. März war das Ehepaar wieder vor Ort. Die Durmersheimerin berichtet, dass viele Kinder, die vom Indischen Regenbogen betreut werden, positiv auf Corona getestet wurden. Auch Fatima-Schwestern lägen schon in Krankenhäusern.

Zuerst ging es ins Grihini-Center in Assam. Das Projekt hat der Verein vor vier Jahren ins Leben gerufen. Dort wird benachteiligten Mädchen, von den Ehemännern oder Familien ausgestoßenen und durch Gewalt und Missbrauch getroffenen jungen Frauen von den Fatima-Schwestern eine Ausbildung ermöglicht. Getragen werden die Kosten durch Spendengelder des Vereins. Die 19 jungen Frauen und Mädchen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren waren nach zwei Jahren mit ihrer Ausbildung fertig.

Fatima-Schwestern auch für Aufklärung verantwortlich

Zu den Lerninhalten, die die Fatima-Schwestern vermittelten, gehörten auch die Bedeutung von Werten, sexuelle Aufklärung, die Verantwortlichkeit der Erziehung von Kindern, gesunde Ernährung und Nutzung von nachhaltigen Ressourcen im eigenen Dorf. Manche von ihnen gehen nun bei unterschiedlichen Firmen arbeiten, andere kehren in ihre Dörfer zurück, berichtet Ale-xandra Nowack. Mehrere dieser jungen Frauen können mit einer vom „Indischen Regenbogen“ gekauften und gespendeten mechanischen Tretnähmaschine eine kleine eigene Schneiderei eröffnen und so selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Nowacks besuchten gemeinsam mit Patenkindern des Vereins, denen ein Schulbesuch ermöglicht wird, auch deren arme Familien auf dem Land. „Hier hatte keiner Angst vor Corona. Was wir hier sahen, war viel schlimmer“, schreibt die Durmersheimerin: „Holzhütten, viel schlimmer und schlechter als unsere Hundehütten. Überall offen, sodass die Menschen in der Nacht Angst vor wilden Tieren und giftigen Schlangen haben müssen. Kein Wasser. Der Boden so trocken, dass nichts wachsen kann, um sich selbst zu versorgen.“ Höhepunkt des Ausflugs war für die Kinder der Stopp an einem Straßenkiosk, wo alle Tee und ein süßes Teilchen bekamen. „Den Kindern diese Freude zu bereiten, hat uns pro Person 14 Cent gekostet“, berichtet Nowack.

Projekt „Unsere kleine Farm“ erfolgreich

Im Boardinghouse in Baksa überzeugte sich das Ehepaar vom Erfolg des dortigen Projekts. Die vom Verein gekaufte Ziege Lilly hat schon vier Zicklein auf die Welt gebracht. Kuh Minu hat im Spätsommer das Kälbchen Binu entbunden. Minu gibt am Tag rund zehn Liter Milch. Sechs Liter behalten die Fatima-Schwestern für die Kinder im Haus und der Rest wird verkauft. Das bringt im Jahr einen Erlös von rund 500 Euro – Geld, das wieder für die Kinder verwendet werden kann, freut sich Nowack. Wenn Binu demnächst ebenfalls Milch geben kann, könne diese komplett verkauft werden. Die vom „Indischen Regenbogen“ gekauften Ferkel wiegen mittlerweile je 200 Kilo und stehen zum Verkauf an. Für jede Sau ist mit rund 300 Euro zu rechnen. „Unser ,Landprojekt’ läuft richtig gut“, sagt Nowack.

Der Besuch aus Durmersheim hat Geld für weitere fünf Ziegen an Schwester Piji übergeben. „Leider konnten wir wegen Corona-Gefahr diesmal nicht selbst auf den Markt“, bedauert Nowack, die sonst meist selber die Tiere kauft. Für weitere 200 Euro wird zudem ein großer Kühlschrank zur Aufbewahrung der Medikamente für die Krankenstation angeschafft. Zu sehen, dass unsterile Spritzen dort mehrfach verwendet werden, ließ in Alexandra Nowack die Idee für die nächste Hilfsaktion reifen.

Weiter flog das Ehepaar nach Agartala, Hauptstadt von Tripura, nur zwei Kilometer von der Grenze zu Bangladesch entfernt. Dort unterstützt der Verein ein Boardinghouse mit fast 100 Kindern.

„Auf jedem Flughafen, auf welchem wir landeten, wurden wir auf Corona getestet, und so hatten wir dann doch tatsächlich am Ende sechs Tests durchgemacht“, schreibt die Durmersheimerin.

Fünf Kinder in einem Monat abgegeben

Im Boardinghouse erlebten sie mit, dass morgens ein Mädchen von seiner Mutter einfach abgegeben wurde. Kein Name, kein Geburtsdatum – nur mit den Kleidern, die sie trug. „Bis ich einen Paten gefunden habe, wird Ria, so nennen wir sie nun, von meinem Mann und mir finanziert“, berichtet Alexandra Nowack. Insgesamt wurden in dem Haus im vergangenen Monat fünf Kinder einfach abgegeben. Der Durmersheimer Verein sucht nun Paten für diese Kinder. Eine Patenschaft kostet 120 Euro jährlich.

Besonders beeindruckt hat die Durmersheimerin auch die Begegnung mit einem Straßenkind in Kalkutta; „Vor der Behausung aus verschiedenen schmutzigen und zerlumpten Tüchern direkt an der Straße gebaut, steht ein sehr kleiner Junge. Höchstens drei Jahre, eher jünger. Er hat nur ein zerrissenes rotes T-Shirt an. Wie wir Deutschen so schön sagen, steht er vor Dreck und aus der Nase läuft der Eiter. Ich habe mir gerade ein paar Bananen zur Wegzehrung bei einer alten Dame am Straßenrand gekauft. Der Junge sieht mich hungrig an. Er ist ganz alleine und weit und breit ist niemand zu sehen. Auch er ist ausgesetzt. Ich gebe ihm drei Bananen ab. Und nun – er wohnt in dem Land in welchem die Bananen, Orangen, Ananas, Mangos, Papayas wild wachsen, kann er diese Banane nicht öffnen. Mir kommen die Tränen, ich öffne ihm die Banane und ganz leise sagt er „thank you“. Nowack hat sich vorgenommen, mit dem Verein auch dieses Kind zu unterstützen. Doch das sei nicht so einfach. „Die indischen Gesetze sagen, dass – auch wenn wir wissen, dass diese Kinder ausgesetzt sind – sie erst von der Polizei geholt werden müssen, und dann über das Jugendamt zu den Fatima Schwestern gebracht werden können“, berichtet sie.

Außerdem sucht Alexandra Nowack nach einer Möglichkeit, wie der Verein kostenlos warme Kleidung nach Indien fliegen lassen kann, „da die Winter in Northeast meist kälter sind als bei uns und den Menschen warme Kleider fehlen“. Wer dazu eine Idee hat, kann sich gerne bei ihr melden, (0178) 8111957.

Von Kalkutta flog das Paar schließlich nach Delhi, „wo wir auch noch einmal auf Corona getestet wurden“, und dann weiter nach Frankfurt. „Hier konnten wir das Flugzeug und den Flughafen ohne jegliche Kontrolle verlassen“, merkt die Durmersheimerin verwundert an.

www.indischer-regenbogen.de

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Erstellt:
14. April 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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