Einsatz für die Seele

Rastatt (red/ema) – Nach rund zweijähriger Aufbauphase kann nun das Einsatz-Nachsorge-Team (ENT) des Kreisfeuerwehrverbands (KFV) Rastatt an den Start gehen.

„Von uns, für uns“: Eine Nachbesprechung des Einsatz-Nachsorge-Teams als Rollenspiel. Foto: KFV

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„Von uns, für uns“: Eine Nachbesprechung des Einsatz-Nachsorge-Teams als Rollenspiel. Foto: KFV

Nach rund zweijähriger Aufbauphase kann nun das Einsatz-Nachsorge-Team (ENT) des Kreisfeuerwehrverbands (KFV) Rastatt an den Start gehen. Ab heute wird das Team allen Feuerwehrangehörigen des Landkreises Rastatt zur Verfügung stehen

Die Aufgabe des Teams ist es, Feuerwehrangehörige nach traumatischen Einsätzen zu betreuen und ihnen Hilfestellung nach einem nicht alltäglichen Einsatz zu geben, sodass diese wieder in das normale Leben mit ihren Familien ohne bleibende psychische Schäden zurückkommen können.

Hierbei werde eng zusammen mit dem Notfallkrisenteam (NKT) und der Notfallseelsorge gearbeitet, informiert der Kreisfeuerwehrverband in einer Pressemitteilung. Man sehe sich „nicht als Konkurrenz“ zu den beiden etablierten Betreuungsgruppierungen, betont Andreas Lehmann, stellvertretender ENT-Sachgebietsleiter beim KFV. Man habe jedoch den Eindruck gewonnen, dass die Hemmschwelle von Einsatzkräften, das offene Gespräch zu suchen, gegenüber eigenen Feuerwehrkameraden nicht so groß sei. Hilfreich, so Lehmann, sei das Gefühl: „Da weiß jemand, wovon er redet.“

Wird das ENT gebraucht, besetzen deren Betreuer die Position als sogenannter „Peer“. Ein „Peer“ habe immer entsprechende Einsatzerfahrung und findet auf dieser gemeinsamen Basis einen besseren Zugang zu den betroffenen Kollegen, erläutert der Kreisfeuerwehrverband. Im Landkreis Rastatt versehen rund 4 700 Frauen und Männer ehrenamtlich ihren Dienst in Freiwilligen-, Betriebs- und Werkfeuerwehren.

Das EN-Team besteht aus 22 Angehörigen aus acht verschiedenen Feuerwehren des Landkreises Rastatt. Dies sind Frauen und Männer, die aktiven Dienst in ihren Feuerwehren leisten und sich zusätzlich für diese Aufgabe einbringen möchten. Dazu befinden sie sich in einer guten Ausbildung und lassen sich von einem erfahrenen Psychotraumatologen, Günter Nuth von der Berufsfeuerwehr Düsseldorf, ausbilden. Die Seminare bilden die Basis für zukünftige Einsätze des ENT.

Geübt wird in Rollenspielen

Beim letzten Zweitagesseminar vermittelte Nuth unter anderem den Umgang mit Suizidanten, Nachbesprechungen (einzeln oder in der Gruppe) sowie die Grenzen der Betreuung. Auch das Überbringen von Todesnachrichten stand auf dem Seminarplan.

Geübt wurde in Rollenspielen. Dabei gab Nuth, der trotz der schweren Themen das Seminar kurzweilig gestaltete, praktische Tipps.

„Von uns, für uns“, meinte Kreisbrandmeister Heiko Schäfer bei einer Stippvisite. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Es ist ein großes Team geworden, das ein gemeinsames Ziel hat, seinen Kameraden zu helfen“, so Schäfer.

Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Jürgen Segewitz ist stolz auf die Truppe, die sich in kürzester Zeit zusammengeschweißt hat. „Alles wird geübt: wie die Technik, die in den Fahrzeugen steckt, das Löschen und das Retten von Menschen. Nun haben wir auch eine Einheit, die unserer Seele guttut“, so Segewitz.

Er empfiehlt den Feuerwehrangehörigen, dieses Team auch in Anspruch zu nehmen, denn Diskretion, Verschwiegenheit und eine gute Beratung werden gewährleistet. Streng nach dem Motto: „Was kann Dir jetzt guttun?“, nach einem belastenden Einsatz.

Belastende Einsätze können normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse auslösen. Das ENT wird dann über den Notruf 112, bei der integrierten Leitstelle Mittelbaden, zu erreichen sein. Ganzjährig und rund um die Ihr.

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Erstellt:
7. Januar 2020, 00:00 Uhr
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