Corona macht Schule „maximal kompliziert“

Rastatt/Iffezheim/Hügelsheim/Durmersheim (sl/sawe) – Die Vorbereitungen auf die teilweisen Wiederöffnungen ab Montag laufen auf Hochtouren. Das Hygiene-ABC gilt als Richtschnur.

Drei Lehrerinnen, Rektorin Gudrun Wilke-Droll (rotes Shirt) und die beiden Hausmeister bereiten die Klassenzimmer in Hügelsheim vor. Foto: Schmidhuber

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Drei Lehrerinnen, Rektorin Gudrun Wilke-Droll (rotes Shirt) und die beiden Hausmeister bereiten die Klassenzimmer in Hügelsheim vor. Foto: Schmidhuber

Bei der schrittweisen Öffnung der Schulen ab kommenden Montag, 4. Mai, steht der Infektionsschutz an oberster Stelle. Die achtseitigen Hygienehinweise des Kultusministeriums werden daher an den Schulen in konkrete Maßnahmen umgesetzt, erklärt der Leiter des Staatlichen Schulamts Rastatt, Wolfgang Held. Zunächst werden jene Schüler zurückkehren, die in diesem oder im nächsten Jahr einen Abschluss anstreben. Ob dieser dann auch gebührend gefeiert werden kann, sei eher unwahrscheinlich.
In den Werkreal-, den Real- und den Gemeinschaftsschulen werden am Montag zunächst die Neunt- und Zehntklässler wieder Präsenzunterricht erhalten, allerdings nicht alle auf einmal. Um den gebotenen Mindestabstand von 1,50 Metern zu gewährleisten, werden die Klassenstufen in kleinere Lerngruppen von zehn bis 15 Schülern eingeteilt. Für die Schulen bedeute das einen erheblichen organisatorischen Aufwand in Sachen Raumplanung und Möblierung. „Manche haben hier ausgeklügelte Konzepte“, macht Held klar, dass das Abstandsgebot natürlich nicht nur im Klassenzimmer gilt, sondern auch auf Fluren und Pausenhöfen und in den Sanitärbereichen. Viele Schulen arbeiten mit separaten Aus- und Eingängen, haben ein „Einbahnstraßensystem“ mit Klebestreifen markiert und geben zeitversetzte Pausen vor. Auch der Schulbeginn ist an vielen Schulen zeitlich gestaffelt.

Eine generelle Maskenpflicht herrscht laut Held an den Schulen indes nicht. Wer sich allerdings mit Maske sicherer fühlt, dürfe sie auch tragen, egal, ob Schüler oder Lehrer. Geboten ist sie allerdings auf dem Schulweg, sofern er in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wird. Auch an den Haltestellen ist die Maske zu tragen.

Lehrkräfte, die über 60 sind, dürfen selbst entscheiden, ob sie Präsenzunterricht erteilen wollen. Schwangere Lehrerinnen und Kollegen mit chronischen Erkrankungen sollen nicht an die Schulen kommen. Dies müsse auch nicht mit einem Attest nachgewiesen werden, „hier geben wir Vertrauensvorschuss“, sagt Held. Wie es im Corona-Jahr mit Abschlussfeiern aussieht, kann der Schulamtschef noch nicht mit Sicherheit sagen, er geht aber davon aus, dass diese eher nicht stattfinden können.

Nur Schüler mit Prüfungen vor der Tür

Ein Sonderfall in Sachen Unterrichtsplanung ist das berufliche Schulwesen, das aufgrund der Vielzahl an Schularten und möglichen Abschlüssen ohnehin schon komplex sei, wie der Leiter der Handelslehranstalt (HLA) Rastatt Bernhard Marzluf unterstreicht: „Aber Corona macht es jetzt maximal kompliziert.“ Daher werden zunächst nur Schüler in die Schule kommen, bei denen Prüfungen unmittelbar bevorstehen. Das sind rund 330. Die Gruppeneinteilung legen die Klassenleiter zusammen mit den Klassensprechern fest. Den Infektionsschutz an der HLA regelt ein minutiös ausgearbeitetes Hygiene-ABC, das sogar Empfehlungen für das Verhalten auf dem Schulweg enthält. Die Tische werden durchnummeriert, maximal elf Schüler werden in einem Raum unterrichtet. Jeder Schüler sitzt jeden Tag am selben Tisch, der täglich desinfiziert wird. Maximal drei Personen dürfen in einen Toilettenraum. Die HLA schreibt zusätzlich das Tragen von sogenannten Alltagsmasken im Schulgebäude vor, allerdings nicht während des Unterrichts, so Schulleiter Marzluf.

Ab dem 4. Mai startet die Abschlussklasse, also die neunte Klasse, mit 27 Schülern in Hügelsheim. Sie wird in drei Gruppen aufgeteilt und zeitversetzt in drei unterschiedlichen Räumen unterrichtet, teilt die Gemeindeverwaltung mit. Somit könne in den Klassenräumen die Abstandsregelung eingehalten werden.

In Iffezheim ist der Unterricht in der Maria-Gress-Schule für alle 9. und 10. Klassen der Werkrealschulen und Realschulen vorgesehen. Das Präsenzangebot beschränkt sich hierbei auf die Prüfungsfächer, um die Einhaltung der Vorgaben (Hygiene- und Abstandsregelungen) zu gewährleisten, teilt Bürgermeister Christian Schmid auf BT-Nachfrage mit.

An der Rastatter Gustav-Heinemann-Schule rechnet Rektor Andreas von der Forst am Montag mit 75 Neuntklässlern, die gruppenweise unter Einhaltung der Hygieneregeln unterrichtet werden. Eine zehnte Klasse gibt es an der Gemeinschaftsschule dieses Schuljahr noch nicht. Für Situationen, in denen Lehrer den Sicherheitsabstand nicht einhalten können, beispielsweise bei Erster Hilfe, gibt es Schutzvisiere aus dem schuleigenen 3-D-Drucker.

„Immer wieder anRegeln erinnern“


Hygieneplan, Leitsystem, neuer Stundenplan, genügend Flüssigseife: Das gilt auch alles am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Durmersheim, wo Direktor Thomas Dornblüth 170 Elft- und Zwölftklässler erwartet. Für sie startet der Präsenzunterricht mit einer ausführlichen Erklärung der Hygienevorgaben, nachdem die Lehrkräfte schon eine Dienstbesprechung in der Sporthalle hatten. „Wir werden uns aber auch später immer wieder gegenseitig an die Regeln erinnern müssen“, gibt sich Dornblüth keinen Illusionen über die Macht der Gewohnheit hin.

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Erstellt:
1. Mai 2020, 11:00 Uhr
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