Corona-Frust nicht versüßen

Rastatt (red) – Die Anzahl der adipösen Kinder, die wegen Fettleibigkeit ärztlich behandelt werden, liegt im Landkreis Rastatt seit einigen Jahren stabil bei 1,6 Prozent.

Die verträgliche Zuckermenge pro Tag ist aufgrund gesüßter Speisen wie Kinderjoghurts rasch überschritten. Foto: AOK

© red

Die verträgliche Zuckermenge pro Tag ist aufgrund gesüßter Speisen wie Kinderjoghurts rasch überschritten. Foto: AOK

Im Stadtkreis Baden-Baden stieg die Rate von 1,8 Prozent im Jahr 2014 auf 2,2 Prozent im Jahr 2018. Die Auswertung der AOK-Statistik zu Adipositas bei versicherten Kindern im Alter bis zu zwölf Jahren bestätigt damit auf regionaler Ebene die bundesweiten Ergebnisse der KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts. Dort war in der zweiten Erhebungswelle zwischen 2014 und 2017 festgehalten worden, dass sich die Übergewichts- und Adipositas-Raten bei Heranwachsenden in Deutschland „auf hohem Niveau stabilisiert haben“.

Einen Grund zur Entwarnung sieht Beate Gut, Ernährungsberaterin bei der AOK Mittlerer Oberrhein, dennoch nicht. „Trotz stagnierender Zahlen bedeutet dies, dass 15,4 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig sind“, entnimmt sie der KiGGS-Erhebung. Die Risiken des oft verharmlosten „Babyspecks“ seien nicht zu unterschätzen. „Starkes Übergewicht im Jugendalter kann zu Bluthochdruck, Diabetes, Leberschäden, Stoffwechselstörungen oder Gelenkproblemen führen“, gibt Gut zu bedenken.

Hinzu kämen massive seelische Probleme, verbunden mit einem höheren Risiko für Mobbing. Seit zehn Jahren berät Gut Zwei- bis 17-Jährige, die an Adipositas leiden. Gerade während der Corona-Krise greifen groß und klein vermehrt zu Süßigkeiten, da viele Menschen die meiste Zeit zu Hause verbringen. Laut Internationalem Süßwarenhandelsverband verzeichneten die Verkäufe von Süßwaren in den vergangenen Wochen ein zweistelliges Plus. „Zum vermehrten Naschen aus Langeweile oder Frust kommen der fehlende Sportunterricht und die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten“, gibt die Ernährungsberaterin zu bedenken. Kinder und Jugendliche mit Gewichtsproblemen benötigten während der Corona-Krise deshalb eine besonders intensive Unterstützung. „Gesunde Ernährung und Freude an Bewegung müssen einem Kind vorgelebt werden.“

Die WHO empfiehlt, die Zufuhr an freiem Zucker auf zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu beschränken, was bei einem Erwachsenen maximal 50 Gramm oder zehn Teelöffeln entspricht. Bei Kindern die Hälfte: 25 Gramm Zucker pro Tag.

Zum Artikel

Erstellt:
11. Mai 2020, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 55sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.