Bahntunnel: Wie bei „Warten auf Godot“

Rastatt (sj) – Die Verzögerungen beim Rastatter Bahntunnel geben Rätsel auf. Offenbar hatte die Bahn den Baugrund im Vorfeld nicht ausreichend untersucht.

„Schleierhaftes Agieren“: Die Tunnelbaustelle gibt weiter Rätsel auf. Foto: Stefan Jehle

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„Schleierhaftes Agieren“: Die Tunnelbaustelle gibt weiter Rätsel auf. Foto: Stefan Jehle

Von Stefan Jehle

Es klingt ein wenig wie bei „Warten auf Godot“, dem im Jahr 1953 uraufgeführten Theaterstück des irischen Dramatikers Samuel Beckett. Als ein „ereignisloses Nichtstun“ – gepaart mit „Verantwortungsverweigerung“ und Sich-die-Zeit-Vertreiben „im Ausharren in Nebensächlichkeiten“, so wird das Stück des Literaturnobelpreisträgers, Sinnbild „absurden Theaters“, umschrieben. Auch auf der Baustelle der Rheintalbahn im Rastatter Stadtteil Niederbühl passiert – so gut wie – nichts. Auch sechs Wochen nach Absage des Tunnelvortriebs im November ist kein neuer Zeitplan erkennbar.
Reichlich unvermittelt trudelte Ende November eine karge Mitteilung der Deutschen Bahn in die Redaktionsstuben: „Vorbereitungen für den Vortrieb in der Weströhre gehen weiter“, hieß es dort lapidar. Erst im folgenden kurzen Text wird deutlich, was das bedeutet: kein Neustart des Tunnelvortriebs. Obwohl schon im Februar vorigen Jahres angekündigt war, dass der Tunnelvortrieb in der (unbeschädigten) Weströhre im November weitergehen solle. Der Termin schien fix. Nachfragen unserer Redaktion bei der Deutschen Bahn stießen wiederholt ins Leere – eine genaue Begründung gab es nicht. Auch nicht jetzt nach Jahreswechsel. „Wir bitten um Verständnis, dass wir momentan zum Zeitplan noch keine Angaben machen können“, wiederholte gestern ein DB-Sprecher. Ziemlich exakt drei Jahre und fünf Monate nach der Havarie 2017.

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