Das BT trauert um Harald Besinger

Rastatt (mb) – Das Badische Tagblatt trauert um seinen früheren Chefredakteur und jahrzehntelangen Leiter der Lokalredaktion Rastatt: Harald Besinger ist am 26. Februar nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Ingrid, den gemeinsamen Sohn Lars und dessen Mann Sascha sowie die Enkel Sophie und Marc.

Harald Besinger. Foto: pr

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Harald Besinger. Foto: pr

Harald Besinger war mit Leib und Seele Journalist. Er empfand seinen Beruf als Berufung und übte ihn mit Herzblut aus. Im Jahr 1971 erschien im Badischen Tagblatt erstmals ein Bericht mit dem Autorenkürzel „bs“, das für die Leser gleichsam zu einem Qualitätssiegel wurde, das für unabhängigen, kritischen und meinungsfreudigen Journalismus stand. Nach dem Volontariat wurde Besinger 1973 als Redakteur in der damaligen BT-Lokalredaktion Kehl übernommen. Zwei Jahre später wechselte er in seine Heimatstadt Rastatt, wo er 30 Jahre lang die Lokalredaktion leitete. Von 1989 bis 2000 war er zudem Mitglied der BT-Chefredaktion.

Sein journalistisches Selbstverständnis formulierte Besinger 2005, als er nach 33 Jahren und fünf Monaten in Diensten des Badischen Tagblatts in die Freistellungsphase der Altersteilzeit eintrat und sich mit einem Beitrag von seinen Lesern verabschiedete: „Die Arbeit beim BT war für mich mehr als nur ein Job. Wer die Gewissheit hat, eine Dienstleistung für die Menschen zu erbringen, die ihm diese Arbeit ermöglichen – die Leser –, der ist immer im Dienst, am frühen Morgen, in der Nacht, auch am Wochenende. Denn das, worüber zu berichten ist, spielt sich nicht nur innerhalb tariflicher Arbeitszeiten ab“, schrieb Besinger damals. Es sei ihm stets ein Anliegen gewesen, „die Entwicklung meiner Heimatstadt Rastatt und ihrer Umgebung zu begleiten, als kritischer Beobachter und als Anwalt der Leser“.

Spitze Feder statt verbaler Knüppel

Besinger schaute den Entscheidern in der Kommunalpolitik mit wachem Blick auf die Finger. Und wenn er etwas anzumerken hatte, was häufig der Fall war, meldete er sich als Kommentator zu Wort, der seine Meinung unverblümt zum Ausdruck brachte, dabei aber nie populistisch oder verletzend wurde. Besinger griff lieber zur spitzen Feder als zum verbalen Knüppel. „Florett statt Schwert“, war einer der Ratschläge, die er jungen Journalisten, die bei ihm in die Lehre gehen durften, mit auf den Weg gab. Oder: „Kein Artikel fängt mit einer Zeitangabe an.“ Oder: „Es gibt keine Generalversammlung, denn es versammeln sich keine Generäle – es heißt Jahreshauptversammlung.“

Der journalistische Nachwuchs lag Besinger am Herzen. Er war wohlwollender Förderer und strenger Kritiker zugleich. Die „Besinger-Schule“, von der in der BT-Redaktion bis heute die Rede ist, brachte zahlreiche erfolgreiche Journalisten hervor. Sie haben Harald Besinger viel zu verdanken, und die meisten von ihnen werden sich – wie auch ich – ihr Leben lang an ihn erinnern. Michael Brenner

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Erstellt:
3. März 2020, 05:30 Uhr
Lesedauer:
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