„Überfälliger Bau“ der Ersatzwasserleitung beginnt

Gaggenau/Gernsbach (stj) – Mit einer Baumaßnahme für circa 1,5 Millionen Euro stellt der Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal eine alternative Versorgung mit Trinkwasser für die Stadt Gernsbach her.

Vertreter der Firma Reif umrahmen den Gaggenauer Stadtwerke-Chef Paul Schreiner (Zweiter von links) und den Gernsbacher Bürgermeister Julian Christ beim offiziellen Spatenstich für den Bau der Ersatzwasserversorgung für Gernsbach auf dem Parkplatz des Kuppelsteinbads in Ottenau. Foto: Juch

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Vertreter der Firma Reif umrahmen den Gaggenauer Stadtwerke-Chef Paul Schreiner (Zweiter von links) und den Gernsbacher Bürgermeister Julian Christ beim offiziellen Spatenstich für den Bau der Ersatzwasserversorgung für Gernsbach auf dem Parkplatz des Kuppelsteinbads in Ottenau. Foto: Juch

Von Stephan Juch

Der Bau einer rund 2,2 Kilometer langen Leitungstrasse vom Ottenauer Schwimmbad bis zum zentralen Gernsbacher Hochbehälter auf dem Galgenbusch hat gestern offiziell begonnen. Mit der voraussichtlich circa 1,5 Millionen Euro teuren Maßnahme stellt der Wasserversorgungsverband (WVV) Vorderes Murgtal eine alternative Versorgung der Papiermacherstadt mit Trinkwasser sicher.

Julian Christ, Bürgermeister und Vorsitzender des WVV, erinnerte beim Spatenstich am Mittwochvormittag auf dem Parkplatz des Kuppelsteinbads in Ottenau an die schlechten Erfahrungen, die man Ende vergangenen Jahres gemacht habe. Als das Umweltbundesamt im Dezember den Grenzwert für sogenannte PFOA – einen Stoff aus der Gruppe der perfluorierten Chemikalien (PFC) – von 0,1 Mikrogramm auf 0,05 Mikrogramm pro Liter gesenkt hatte, stand man plötzlich mit Leitungswasser da, das sogenannte Risikogruppen (Schwangere, stillende Mütter, Säuglinge und Kinder unter drei Jahren) nicht mehr trinken oder zur Zubereitung von Speisen verwenden sollten.

Schon dann hätte man eine Ersatzwasserversorgung, wie sie nun entsteht, dringend gebrauchen können. Deshalb sei der gestrige Tag ein wichtiger Meilenstein für die künftige Versorgungssicherheit mit sauberem Trinkwasser, betonte Christ: „Das ist von zentraler Bedeutung für die Bevölkerung. In Zukunft wird diese Leitung eine alternative Versorgung von Gernsbach mit Trinkwasser gewährleisten.“

2,2 Kilometer lange Trasse vom Kuppelsteinbad bis zum Hochbehälter Galgenbusch

Der Bürgermeister nannte den Bau der Ersatzwasserleitung „überfällig“ und verwies auf viele andere Kommunen, die ihre Redundanzen für etwaige Notfälle längst umgesetzt hätten. Mit der neuen Leitung, die vom Regierungspräsidium Karlsruhe mit etwas mehr als 300 000 Euro bezuschusst wird, werde ein Beschluss umgesetzt, der erst unter Christs Leitung des Verbandes gefasst wurde, erinnerte der Schultes. Vom Anschlusspunkt Ottenau verbindet diese den Hochbehälter Galgenbusch des WVV in Gernsbach mit dem Trinkwassernetz der Stadtwerke Gaggenau. Gleichzeitig baut der WVV vor Ort ein neues Pumpwerk.

„Mit geplanter Fertigstellung der Bauarbeiten im Herbst dieses Jahr kann Gernsbach bei einem Ausfall der Hauptleitung des WVV sicher mit Trinkwasser aus dem Netz der Stadtwerke Gaggenau versorgt werden“, erklärte Paul Schreiner, Werkleiter der Stadtwerke Gaggenau. Die Ersatzleitung sei auch ein weiterer Schritt für die Versorgungssicherheit der Trinkwassernetze im gesamten vorderen Murgtal. Mit Ausnahme des Rastatter Ortsteils Förch sei mit diesem Baustein die Trinkwasserversorgung in allen Kommunen der WVV-Verbandsmitglieder (Gernsbach, Gaggenau, Kuppenheim und Rastatt) über einen zweiten Netzanschluss gesichert. Auch in Förch laufen bereits Überlegungen und Planungen, um die Versorgungssicherheit auf ein zweites Bein zu stellen.

Wie die Vertreter der beauftragten Firma Reif beim gestrigen Spatenstich in Ottenau berichteten, handele es sich beim Bau der Leitung um eine interessante, weil spezielle Aufgabe, die mit dem sogenannten Horizontalspülbohrverfahren realisiert wird. Damit können Rohrleitungen unterirdisch verlegt werden, ohne dazu einen Graben ausheben zu müssen. Das kommt auch dem Straßenverkehr zugute: Der Zubringer zur B 462 sowie die Straße nach Selbach müssen während der Arbeiten lediglich zeitweise halbseitig gesperrt werden. Nicht zur Verfügung steht allerdings der dortige Radweg, der voraussichtlich ab kommenden Montag, 6. April, voll gesperrt werden muss.


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