„U 30“ macht einen guten Schnitt

Von Elke Rohwer

Gaggenau (er) – In vielen Familien haben sich die Großväter jahrelang um den Schnitt der Obstbäume gekümmert. Der Obst- und Gartenbauverein Bad Rotenfels hat deshalb einen Kurs für Junge organisiert.

„U 30“ macht einen guten Schnitt

Nach einer theoretischen Einführung in die Grundlagen des Obstbaumschnitts wenden die Teilnehmer am Samstag das Gelernte in der Praxis an. Foto: Rohwer

„In vielen Familien haben sich die Großväter jahrelang um den Schnitt der Obstbäume gekümmert. Leider haben sie das damit verbundene Wissen und die Erfahrungen oft nicht an ihre Kinder, die heute 50- bis 60-Jährigen, weitergegeben. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die junge Generation sich aktiv einbringt und lernt, wie Obstbäume geschnitten werden“, sagt Jürgen Maier-Born. Er ist Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Bad Rotenfels. Vor diesem Hintergrund richtete der OGV erstmals einen zweitägigen Schnittkurs aus, der sich gezielt an die Generation der unter 30-Jährigen richtete.

16 Teilnehmer zwischen 16 und 30 Jahren lernten am Mittwoch im Vereinsheim des OGV zunächst die Grundlagen kennen. „Bevor die Schneide angesetzt wird, geht es darum, die Regeln des Gehölzes zu verinnerlichen. Wie reagiert ein Baum, wenn ich einen Schnitt durchführe? Welche Schnittmethoden stehen mir bei den gängigen Obstbaumarten zur Verfügung? Und welches Ziel verfolge ich mit dem Schnitt?“, führte Hannelore Dütsch-Weiß aus. Die Kreisfachberaterin von der Beratungsstelle Obst- und Gartenbau des Landratsamts Rastatt leitete den Kurs. „Die in der Theorie erworbenen Grundlagen geben Orientierung, wenn es darum geht zu entscheiden, welcher Ast weg soll – und vor allem: warum.“ Darüber hinaus standen Arbeitsschutz und das richtige Stellen einer Leiter auf dem Programm.

Im Sommer wird sich zeigen, was richtig war

Den ganzen Samstag über hatten die Teilnehmer dann Gelegenheit, das Gelernte umsetzen. In Gruppen nahmen sie sich jeweils einen Baum vor, während Jürgen Maier-Born und Hannelore Dütsch-Weiß Hilfestellung gaben. „Einerseits wollen wir mit dem Schnitt dafür sorgen, dass der Baum sich schön entwickelt und einen ordentlichen Fruchtertrag hat, andererseits kann man einen Baum, der lange nicht geschnitten wurde, nicht mit einer einzigen Maßnahme in die Idealform bringen. Das wäre zu extrem. In diesem Fall beschränken wir uns auf die wichtigsten Eingriffe“, erklärte die Kursleiterin, während sie zwei Teilnehmer beim Schneiden beobachtete. Mithilfe eines abgeschnittenen Wassertriebs wies sie immer wieder auf Stellen hin, wo noch Schneidebedarf bestand. „Das Schneiden selbst überlasse ich den Teilnehmern, so lernen sie es am besten.“

Sauberes Arbeiten besonders wichtig

An einem Baum diskutierten zwei junge Männer darüber, ob ein Ast nun bleiben soll oder nicht. „Gibt es einen guten Grund, diesen Ast zu entfernen? Wenn nicht, dann bleibt er stehen. Im kommenden Jahr wird man sehen, was die Pflegemaßnahme in Bezug auf die Baumentwicklung bewirkt hat“, sagte Dütsch-Weiß. Besonderen Wert legte die Gartenbau-Ingenieurin auch auf sauberes Arbeiten. Dazu gehört auch, dass Äste so nah am Stamm wie möglich abgeschnitten werden, damit keine Überstände stehen bleiben.

„Es macht großen Spaß zu beobachten, wie die Teilnehmer sicherer werden in ihrem Tun. Wenn es eine Gruppe wäre mit Jungen und Alten, würden die Jungen sich nicht richtig trauen loszulegen. Deshalb finde ich diese Aktion gut“, bilanzierte Dütsch-Weiß. „Es freut mich sehr, wenn junge Leute das Schneiden und Ernten von Sträuchern und Obstbäumen zu schätzen wissen. Es ist ein schönes Hobby an der frischen Luft, abseits der Alltagshektik. Und mit der Zeit bekommen sie ein Gefühl dafür, wie der Baum reagiert. Das Spannende ist, dass die Antwort des Baumes zeitversetzt erfolgt, nämlich erst im kommenden Sommer.“

Am Ende des Tages waren die Teilnehmer müde, aber zufrieden. Auch Moritz Merkel aus Bad Rotenfels machte sich mit einem guten Gefühl auf den Heimweg: „Der Kurs ist eine super Sache. Ich habe viel für mich mitgenommen. Noch habe ich keine eigenen Bäume, aber irgendwann kommt das Thema auf mich zu. Ich freue mich schon auf unser Treffen im Sommer, dann werden wir sehen, was unsere Aktion bewirkt hat.“