Schweißtreibende „Freiluft-Konzerte“

Loffenau/Gernsbach (stj) – In Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband des Landkreises Rastatt sind im Murgtal zwei weitere Pflegeaktionen durch Vereine erfolgreich abgeschlossen worden.

Abtransport mit schwerem Gerät: Die Lautenbacher Musikanten sind im Gewann Kalkgruben im Einsatz. Foto: Musikverein Lautenbach

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Abtransport mit schwerem Gerät: Die Lautenbacher Musikanten sind im Gewann Kalkgruben im Einsatz. Foto: Musikverein Lautenbach

Von Stephan Juch

Die freie Landschaft rund um Loffenau ist mit den vielen Obstbäumen noch in einem vergleichsweise guten und gepflegten Zustand. Aber auch dort gibt es Bereiche, die nicht mehr gepflegt werden und dadurch mit der Zeit zuwachsen. Ein Problem, das im ganzen Murgtal besteht. Der Landschaftserhaltungsverband (LEV) versucht dem unter anderem mit einem Vereinsprojekt entgegenzuwirken, das durch die Corona-Krise dieses Jahr stärkeren Zulauf bekommen hat. Zuletzt fanden weitere Aktionen in Loffenau und Lautenbach statt.

Der Musikverein Loffenau hatte bereits Anfang Januar 2020 Kontakt mit dem LEV im Landratsamt aufgenommen, um eine Pflegeaktion zu planen. Ziel war es, im Hinblick auf das 100-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 2021 zusätzliche Finanzmittel für die Ersatzbeschaffung der Uniform zu erarbeiten. Im Gewann Zimmeräcker unterhalb der Straße nach Lautenbach wurde vom LEV eine zu pflegende Fläche mit insgesamt circa 3.000 m² vorgeschlagen. Dieser Bereich war sehr stark zugewachsen und stellte für die Schafbeweidung in dem Gewann eine Barriere da, erläutert der MV Loffenau in einer Mitteilung. Die Grundstückseigentümer hätten aber teilweise nicht mehr erreicht werden können, ein Teil der Grundstücke gehört der Gemeinde.

Nachdem der Förderantrag gestellt war und der Zuwendungsbescheid nach der Landschaftspflegerichtlinie vorlag, konnte im Oktober mit der Pflegemaßnahme begonnen werden. Mit Motorsägen und Freischneidern ging es den Brombeeren, Sträuchern, Büschen und Bäumen „ans Leder“. Eine besondere Herausforderung für die Zugänglichkeit der Fläche war ein fast komplett eingewachsener Zaun. Nur mit vereinten Kräften und mit Hilfe einer Seilwinde konnte dieser entfernt werden, blicken die Landschaftspfleger des Musikvereins zurück.

Wichtige Einnahme-Quelle für gebeutelte Kassenlage der Vereine

In mehreren Arbeitseinsätzen in wechselnder Besetzung haben sie die Fläche freigeschnitten. Auch einige Jungmusiker haben tatkräftig mitgeholfen. Das anfallende Reisig wurde direkt vor Ort verbrannt.

„Dabei wurde so manchem bewusst, was es heißt, ein paar Stunden am Steilhang zu arbeiten“, bilanziert der MV Loffenau: „Bei schönem Wetter konnten die Arbeiten dann am letzten Samstag im Oktober – gerade noch rechtzeitig vor den strengeren Corona-Einschränkungen – abgeschlossen werden.“ Auch ohne Musikinstrumente sei mit dieser Aktion ein Stück Vereinsleben im Coronajahr möglich. Da dieses Jahr die Erlöse der ausgefallenen Feste in der Vereinskasse fehlen, freut sich der Kassierer über die erarbeiteten Fördermittel, heißt es in der Mitteilung abschließend.

Eine weitere Gemeinschaftsaktion zwischen einem Musikverein und dem LEV gab es in Lautenbach. Nicht das, was die Freunde gepflegter Blasmusik von den Lautenbacher Musikanten normalerweise erfreut, war an drei Tagen im Oktober im Dorf zu hören: Vermehrte Aktivität von Unimog und Traktoren auf den Straßen im Oberdorf, das kreischende Geräusch von Kettensägen und Motorsensen war an diesen Tagen vernehmlich in Lautenbach wahrzunehmen. Die Lautenbacher Musikanten haben an diesen Tagen im Auftrag des LEV das Gewann Kalkgruben gerodet und entbuscht.

Mit großem personellen Einsatz, viel Engagement der Beteiligten, mit viel Motivation, Muskelkraft, Ausdauer und Fachkenntnis, aber auch unter Einsatz von geeigneten Fahrzeugen, Maschinen und Werkzeugen ging es darum, der teils beginnenden, teils fortgeschrittenen Verwilderung des Gewanns Einhalt zu gebieten. Die Vorgaben dafür waren bereits zuvor durch LEV-Geschäftsführerin Diana Fritz und Förster Thomas Schlaich mit dem Projektleiter Niclas Regending (Vorsitzender Musikverein Lautenbach) festgelegt worden. Nicht nur die „Musik“ der Fahr- und Werkzeuge, auch die stetig wachsende Menge von Baumstämmen, von abgetrenntem Ast- und Buschwerk auf dem Parkplatz unterhalb dokumentierte den Fortschritt der Rodungs- und Entbuschungsaktion.

„Diana Fritz und Thomas Schlaich zeigten sich begeistert vom Ergebnis dieses Projekts“, zieht der MVL zufrieden Bilanz: Eine Neuauflage im nächsten Jahr wird gerade zwischen den Helfern und Verantwortlichen von MVL und LEV abgestimmt. „Also doch vom Musik- zum Rodungsverein? Bestimmt nicht“, versichert der Verein in seiner Mitteilung. Aber der Ausfall aller Vereinsfeste 2020 hat Einnahmeausfälle verursacht, die die Aufrechterhaltung von Musikbetrieb und Jugendarbeit des MVL in Frage stellten.

Und deshalb sind die Musiker selbst für den Verein aktiv geworden, um andere Einnahmen zu generieren und damit den Fortbestand des MVL zu ermöglichen. Dafür bedankt sich die Vorstandschaft bei allen Beteiligten.


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