„Schulen müssen regelmäßig gereinigt werden“

Gaggenau (red) – Mit einer Reihe von Forderungen wendet sich der Kreisverband Rastatt/Baden-Baden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft an Schulträger und Kultusverwaltung. Kreisvorsitzender Bernhard Baumstark aus Gaggenau moniert unter anderem eine unzureichende technische Ausstattung der Schulen.

Bin in den Schulen wieder Alltag herrscht, wird es noch Monate dauern. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

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Bin in den Schulen wieder Alltag herrscht, wird es noch Monate dauern. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Von Thomas Senger

Die schrittweise Öffnung von Schulen sei ein weiterer logischer, zentraler Schritt in Richtung „Leben mit dem Virus“. Doch angesichts der vor Ort jeweilig zur Verfügung stehenden Ressourcen müsse dieser unterschiedlich ausfallen.

Lehrermangel: Die Anzahl der einsetzbaren Lehrkräfte sei durch den vorhandenen Lehrkräftemangel, als Ergebnis einer personalsparenden Bildungspolitik, begrenzt. Ein nicht unerheblicher Teil gehöre zur definierten Risikogruppe. „Eine gewisse Anzahl wird sich durch die erhöhte Kontaktfrequenz unweigerlich nach und nach infizieren und damit ausfallen“, so Baumstark. Für die Schulleitungen bedeute dies hohen Planungsaufwand. Das Beteiligungsrecht der Personalvertretungen müsse dabei unbedingt gewährleistet sein. „Das ist derzeit leider nicht immer der Fall“, so der GEW-Kreisvorsitzende.

Hygienische Verhältnisse:

Größtmöglicher Infektionsschutz und bestmögliche Hygiene müssten die Messlatte sein. „Sind diese Standards nicht zu gewährleisten, können Schulen nicht geöffnet werden“, sagt Baumstark. Dabei brauchen die Leitungen der Schulen umfassende Unterstützung durch Träger und Behörden.

Die für den Infektionsschutz notwendigen Sicherheitsabstände auch auf den Schulhöfen müssten gewährleistet werden können. Sollte das Tragen von Mund-Nasen-Schutz verpflichtend werden, müssen hochwertige Masken in ausreichender Zahl zur Verfügung gestellt werden. Offene Fragen beim Schülertransport bedürften der Klärung. Schließlich bestehe im öffentlichen Personennahverkehr eine erhöhte Gefahr von Infektionen.

Zudem werden Flüssigseife, warmes Wasser, Einmalhandtücher und Desinfektionsmittel und bei der Arbeit mit Kranken oder Behinderten Schutzbekleidung benötigt. „Schulen und Kitas müssen regelmäßig grundständig gereinigt und Toiletten teils saniert werden. Gerade bei Reinigungsfrequenzen und der Sanierung sanitärer Anlagen wurde bislang gerne gespart“, gibt Baumstark zu bedenken.

Technische Ausstattung

Auch eine mangelnde technische Ausstattung der Schulen und „das Verschleppen der Investitionen in die digitale Schulentwicklung“ rächten sich derzeit. „Fehlanzeige!“, konstatiert die GEW bei den Themen sichere dienstliche E-Mail-Accounts, dienstliche mobile Endgeräte, flächendeckend funktionierende und praktikable Online-Lernplattformen, sicheres Messenger-Programm für die Kommunikation mit Schülern und Eltern: „Schulen versenden Pakete mit Arbeitsblättern, Lehrkräfte telefonieren sich durch ihre 30er-Klassen, schreiben unzählige Mails und nutzen hierzu ihre private technische Ausstattung.“

Manche Schulen hätten mit großem Engagement relativ gut funktionierende Modelle einer Onlinebetreuung entwickelt, aber „viele strampeln sich mit ebenso großem Engagement halb analog, halb in der digitalen Grauzone ab“.

In vielen Haushalten gebe es nicht genügend PCs, Laptops oder Tablets. Oft seien die Bedingungen aufgrund der sozialen Situation der Eltern zu schlecht, um ein lernfreundliches Klima zu ermöglichen.

Das Coronavirus dürfe aber eine bestehende Ungleichheit bei den Bildungschancen von Schülern nicht noch verschärfen.

Prüfungen:

Es müsse überdacht werden, ob es derzeit sinnvoll sei, Abschlussprüfungen zu erzwingen. „Der Ansatz, erst einmal die Abschlussklassen in die Einrichtungen zu schicken, zeigt, dass Schule immer noch in erster Linie von den Zensuren und Prüfungen her gedacht wird – und nicht von einem umfassenden Bildungsbegriff.“ Schon jetzt setze sich die Abi-Note zu zwei Dritteln aus den Vorleistungen zusammen. Mit Abschlussnoten, die ohne Prüfungen vergeben werden, stünde Deutschland nicht alleine da, verweist Baumstark auf die Niederlande, Großbritannien Spanien und Portugal.

„Entscheidend ist, dass die Schülerinnen und Schüler keine Nachteile haben und die Schulzeit sich nicht verlängert“, betont Baumstark abschließend.


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