Nicht motzen, sondern handeln

Gaggenau (er) – „Über herumliegenden Müll zu motzen, das ist uns zu wenig. Mit unserem Projekt möchten wir zeigen, dass jeder etwas für eine saubere Umwelt tun kann. Jeder kann seinen persönlichen Beitrag dazu leisten, dass Wege und Plätze sauber bleiben“, sagt Jan Zeller entschieden.

•Engagierte Müllsammler: Romina Rieger, Kai Fischer, Janic Wolff und Jan Zeller (von links). Foto: Rohwer

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•Engagierte Müllsammler: Romina Rieger, Kai Fischer, Janic Wolff und Jan Zeller (von links). Foto: Rohwer

Von Elke Rohwer

Es war ein in einer Gaggenauer Facebookgruppe gepostetes Bild von zwei herumliegenden Bierflaschen an einer Feuerstelle und die damit verbundenen Kommentare, die den Maschinenbaustudenten wütend machten und dazu veranlassten, selbst Initiative zu ergreifen. Er startete das Projekt „Keep Gaggenau Clean“ (Halte Gaggenau sauber), kurz KGC. „Jeder kann dazu beitragen, dass unsere Heimat sauber bleibt. Statt sich nur über Müll in der Natur aufzuregen, kann man ihn doch auch einsammeln und korrekt entsorgen!“ Um dem Unternehmen eine Plattform zu bieten und Reaktionen interessierter Bürger zu kanalisieren, wurden auf Instagram (instagram.com/ kgc_76571) und Facebook (KeepGaggenauClean) Seiten eingerichtet. „Auf dieser Plattform können Bürger Kontakt zu uns aufnehmen und uns zum Beispiel auch auf vermüllte Plätze hinweisen.“ Am 12. April erfolgte der erste Post, der auf große, durchweg positive Resonanz stieß. Mittlerweile hat sich eine Whatsapp-Gruppe von 35 bis 40 Menschen etabliert, die das Projekt unterstützen und bereit sind, sich aktiv einzubringen.

„Mit der Bürgerinitiative möchten wir keinen kurzfristigen medialen Hype auslösen, der bald wieder vergeht, sondern eine langsam wachsende Bürgerbewegung vorantreiben, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz als Ziele verfolgt“, betont der 23-Jährige.

Säuberung des Murgufers steht im Fokus

Im Fokus des Projekts steht vor allem die Säuberung des Murgufers zwischen Bad Rotenfels und Gernsbach. So fand die erste Aktion am 16. April zwischen dem Parkhotel in Gaggenau und dem Glasersteg statt. Seither gab es weitere Einsätze am Ottenauer Sauberg, am Helmsteg hinter der Realschule Dachgrub und dem Areal zwischen dem Glasersteg und dem Ortseingang von Bad Rotenfels Richtung Rastatt. In Richtung Gernsbach waren die Umweltschützer bereits zwischen Gaggenau und Ottenau sowie zwischen Ottenau und Hörden aktiv. Nach den mehrstündigen Einsätzen wird der angesammelte Müll durch die Stadt Gaggenau entsorgt, die die Initiative unterstützt.

Der jüngste Einsatz fand am vergangenen Sonntag zwischen Hörden und Gernsbach statt. Ausgestattet mit Handschuhen und Müllsäcken nahmen sich Jan Zeller und Janic Wolff den Rad- und Fußgängerweg vor, der hinter dem Clubhaus des FV Hörden in Richtung Gernsbach verläuft, natürlich mit coronabedingt ausreichend Abstand. Romina Rieger und Kai Fischer waren zeitgleich am Murgufer im Einsatz. Die Ausbeute nach wenigen Gehminuten war beträchtlich.

Neben ausgedienten Sandalen, illegal entsorgten Spanplatten, Tetrapacks, Schnullern und Verpackungsmüll fand die Gruppe große Mengen an Kronkorken, Scherben und Zigarettenfiltern. Bei den letzten Einsätzen förderten sie haufenweise Flachmänner, gebrauchte Hundekotbeutel, Metallschrott, sogenannte Wegwerfhandys, Farbeimer und sogar einen Trolley zutage. „Seit der Corona-Problematik finden wir auch große Mengen an Desinfektionstüchern und Einweghandschuhen“, bestätigt Jan Zeller.

Die Gruppe hat sich vorgenommen, künftig besonders Jugendliche für das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Denkbar wären auch Kooperationen mit Schulen im Rahmen von Projekttagen. Bei der jüngeren Generation scheint das Projekt auf wachsendes Interesse zu stoßen: Zeller zufolge stammen etwa 30 Prozent der Kommentare in den Neuen Medien von Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, weitere 40 Prozent sind zwischen 18 und 25 Jahren.

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Erstellt:
6. Mai 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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