Nicht irgendwelche Postkarten von der Stange

Gernsbach (vgk) – Zahlreiche Kunstfreunde und Familienmitglieder von Hermann Künert kamen zur Vernissage in den KunstRaum. Dort zeigt der schwäbische Künstler Papyrografien und Miniaturen.

Überraschung zum 70. Geburtstag (von links): Sabine Giersiepen und Annegret Kalvelage (Kunst-Raum), Künstler Hermann Künert und Regina Meier. Foto: Gareus-Kugel

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Überraschung zum 70. Geburtstag (von links): Sabine Giersiepen und Annegret Kalvelage (Kunst-Raum), Künstler Hermann Künert und Regina Meier. Foto: Gareus-Kugel

Von Veronika Gareus-Kugel

Der Kunst-Raum von Sabine Giersiepen und Annegret Kalvelage in der Hauptstraße 23 war am Sonntag das Ziel zahlloser Kunstfreunde und Familienmitglieder des schwäbischen Künstlers Hermann Künert. Der kleine Raum inmitten der Altstadt mit seinem charakteristischen Kreuzrippengewölbe platzte fast aus allen Nähten. Zu sehen sind dort noch bis zum 19. Januar Papyrografien und Miniaturen unter dem Motto „Viele Grüße von … – Kunst auf dem Postweg.“

„Platz ist in der kleinsten Hütte, das wird heute hier Wahrheit“, merkte Kalvelage zur Begrüßung an. Zudem legte sie dar, dass es ihr noch nie so viel Spaß bereitet habe, eine Ausstellung aufzubauen. Von dem Zuspruch überwältigt zeigte sich auch Regina Meier, die gemeinsam mit ihrem Mann Werner zu der Schau eingeladen hatte. Denn der Künstler wusste bis vor wenigen Tagen selber noch nicht, dass ihm eine Ausstellung in Gernsbach gewidmet wird. Die Organisation derselben ist ein Geschenk der Familie zu dessen 70. Geburtstag. Bei den meisten Objekten handelt es sich um Postkarten im exakt für den Postweg bestimmten Format, versehen mit Briefmarke und Stempel.

Miniaturen fordern zum Hinsehen auf

Es sind jedoch nicht irgendwelche Postkarten von der Stange, die gezeigt werden, sondern kunstvolle Miniaturen. Sie fordern zum genauen Hinschauen auf. Dabei kann die eine oder andere Besonderheit entdeckt werden, die unter anderem Zeugnis vom Humor des Künstlers ablegt. Sie sind bemalt, beschriftet oder mit dreidimensionalen Elementen verziert. Manche Botschaften sind als Denksportaufgaben verpackt und wollen zuerst entschlüsselt werden. Eine Karte zur Genesung ist mit kleinen Gliedmaßen versehen. Als „Mailart“ bezeichnete Meier diese Arbeiten. Sie führte die Vernissagenbesucher in das künstlerische Schaffen ihres Verwandten ein.

Bei seinen neuesten Arbeiten handelt es sich um sogenannte Papyrografien. Das sind kunstvolle, filigrane kleine Gebilde aus Papierschnipsel, die ihre Wirkung erst entfalten, wenn sie gegen das Licht gehalten werden. Aus mehreren übereinandergelegten Papierschichten lässt der Künstler Landschaften und Stadtansichten entstehen. Eine der Ansichten zeigt unter anderem den Kilimandscharo in Afrika. Dabei verreist Künert nur höchst selten. Die meisten Kunstwerke entspringen seiner Fantasie.

Der Künstler berichtete außerdem, dass die Wurzeln dieser Art von Kunst in Essen liegen, wo er lange Jahre arbeitete und lebte. Der gelernte Grafiker berichtete schmunzelnd, dass immer, wenn er und sein Kollege sowie Freund für die Firma Modelle zu bauen hatten, kleine Dinge darin versteckt wurden. Wieder zurück in seiner Heimatstadt Haiterbach begann das Verschicken der künstlerisch gestalteten Postkarten. Es sei die Lust am Fabulieren, die ihn treibe, andere wiederum schreiben Geschichten, meinte Künert dazu.

Die Öffnungszeiten des Kunst-Raums sind jeweils freitags, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung. Im Herbst werden die Kunstwerke Hermann Künerts im Papiermuseum Düren im Rahmen einer Papyrografie-Ausstellung gezeigt.

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Erstellt:
3. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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