Murgtal: Kriminalstatistik erstmals mit Impfpassfälscher

Gaggenau (hu) – Gute Nachrichten für Fahrradbesitzer – schlechte für Nachbarn und Familienmitglieder: Im vergangenen Jahr wurde im Murgtal deutlich weniger geklaut, aber mehr geschlagen und gedroht.

Auch im Murgtal muss die Polizei verdächtige Impfausweise genauer unter die Lupe nehmen. Symbolfoto: Stefan Puchner/dpa

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Auch im Murgtal muss die Polizei verdächtige Impfausweise genauer unter die Lupe nehmen. Symbolfoto: Stefan Puchner/dpa

Von BNN-Redakteurin Swantje Huse

Das Murgtal ist sicher – das ist die Hauptbotschaft, die der Leiter des Gaggenauer Polizeireviers Jens Vogel und sein Stellvertreter Harald Dieterle am Donnerstag in einem Pressegespräch zur Vorstellung der Kriminal- und Verkehrsstatistik verkündet haben. Egal ob Kriminalität oder Verkehr: „Wir haben hier eine sehr hohe Lebensqualität“, betont Vogel, der seit vergangenem Herbst das Gaggenauer Revier leitet. Ganz ohne Ausreißer kommt aber auch das Murgtal nicht aus.

So hat rein statistisch gesehen beinahe jeder volljährige Forbacher im Jahr 2021 eine Straftat begangen: 3.161 Delikte schlagen hier zu Buche, bei 4.599 Einwohnern, von denen 3.707 volljährig sind.

Grund hierfür ist aber kein plötzlicher Hang zur Kriminalität, wie Vogel betont. „Wir haben hier allein 16 Sachbeschädigungen von Jugendlichen. Das bringt die Zahlen im beschaulichen Forbach gleich nach oben.“

Lockdowns sorgen für mehr Körperverletzungen

Doch auch zwei andere Delikte kommen in Forbach – und nicht nur hier – zum Tragen: Urkundenfälschung und Körperverletzung. Zwei typische Corona-Phänomene, erklärt Vogel.

Insgesamt gab es im Zuständigkeitsbereich des Reviers im Vergleich zu 2020 eine Steigerung von 176 auf 2.332 Straftaten. 206 davon betrafen Körperverletzungen, 363 waren Betrugsfälle, meist Urkundenfälschung – ganz konkret: Impfpässe.

Vor allem in Gaggenau, Gernsbach und Weisenbach sind die in der Pandemie so wichtig gewordenen falschen gelben Heftchen aufgetaucht. „Vor der Pandemie ging es in dem Bereich eher darum, dass sich Jugendliche mit gefälschten Ausweisen volljährig gemacht haben“, so Vogel.

Ebenfalls auf die Pandemie mit ihren Lockdowns sei der Anstieg bei den Körperverletzungen, Bedrohungen und Nötigungen zu sehen. Statt Kneipenschlägereien seien es nun überwiegend Taten im häuslichen Bereich oder zwischen Nachbarn, die zum Tragen kämen.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr einen Anstieg um 5,1 Prozent bei den Körperverletzungen auf 206 Fälle und um 65 Prozent auf 104 Fälle bei den Bedrohungen und Nötigungen.

Einen massiven Anstieg gab es dagegen im Bereich der Sexualdelikte – um immerhin 70 Prozent (85 Fälle).

Dies liege aber weniger daran, dass es tatsächlich mehr Vorfälle gegen habe als in den Vorjahren, als an einer Gesetzesnovellierung: „Die Verbreitung von pornografischen Bildern fällt jetzt unter diesen Punkt“, erläutert Revierleiter Vogel. Das Augenmerk der Polizei liege hier auf Messenger-Gruppen, die oftmals zum Versenden solcher Fotos genutzt würden.

In anderen Bereichen habe die Pandemie – aber auch die Präsenz der Polizei – zu sinkenden Fallzahlen geführt, vor allem bei den Einbrüchen in Wohnungen, Firmen und Büroräume. Und das bei steigender Aufklärungsquote: Sie lag im vergangenen Jahr bei 63,4 Prozent. „Damit liegen wir in einem sehr guten Bereich“, freut sich Vogel. „Wenige Straftaten bei hoher Aufklärungsquote.“

Weniger Verletzte im Straßenverkehr

Ähnlich positiv fällt das Fazit des stellvertretenden Revierleiters Harald Dieterle zur Verkehrsunfallstatistik aus: Die Gesamtzahl der Unfälle hat sich kaum verändert (von 1.151 im Jahr 2020 auf 1.150 im Jahr 2021). Dabei gab es „deutlich weniger“ Verletzte (167/147) und Sachschäden (526/486). Nach zwei tödlichen Unfällen im Jahr 2020 gab es 2021 keine Todesopfer. „Da sind wir froh“, so Dieterle.

Anders als etwa im Revierbereich Rastatt, wo es vermehrt zu Fahrradunfällen kommt, ist dies im Murgtal kein Trend. „Erstaunlicherweise“, so Dieterle.

In den vergangenen Jahren seien die Unfallzahlen angesichts der immer häufiger anzutreffenden E-Bikes ständig gestiegen, 2021 dann aber deutlich gesunken. 35 Mal waren Radler an Unfällen beteiligt (2020: 54), 14 Mal Pedelec-Fahrer (17). Möglicherweise habe dies damit zu tun, das E-Bikes nur mit langen Wartezeiten zu bekommen seien, mutmaßt die Polizei.

Auch die Unfallschwerpunkte haben sich entsprechend entspannt. „Wir hatten beispielsweise keinen Unfall auf dem Murgradweg, im Jahr vorher aber noch einige.“ Im Blick hat die Polizei aber nach wie vor neun sogenannte Häufungsstellen, an denen es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Unfällen gekommen ist.

Die B462 bleibt im Fokus der Polizei

Immer wieder dabei: Die Bundesstraße 462. Angefangen bei der Einmündung der K3737 von Bischweier kommend auf die B462, die Anschlussstellen Gaggenau-Mitte auf die B462 und ihre Einmündung auf die Berliner Straße, die wegen der schwierigen Überschaubarkeit mit einem Verkehrsspiegel gesichert ist, sowie die Doppelkurve „Neudorf“ bei Weisenbach und die große Kurve von Forbach in Richtung Freudenstadt.

An vielen dieser Stellen sind die Unfallzahlen gesunken, auch dank Tempolimits und anderer Maßnahmen. Auch auf der L83 zwischen Raumünzach und Schwarzenbachtalsperre.

„Das war eine der gefährlichsten Strecken in Baden-Württemberg“, so Dieterle. Das sei jetzt zwar nicht mehr so, aber Unfälle, vor allem mit Motorrädern gebe es nach wie vor. „Und jeder Unfall ist einer zu viel.“

Zum Thema: Zahlen im Überblick

Zuständigkeit: Das Revier Gaggenau ist zuständig für Kuppenheim, Muggensturm, Bischweier, Gaggenau, Gernsbach, Loffenau, Weisenbach und Forbach. Es unterhält Polizeiposten in Kuppenheim und Gernsbach.

Straftaten: In Baden-Württemberg ging die Anzahl der Straftaten von 2020 auf 2021 um 9,7 Prozent zurück, im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg stiegen sie dagegen um 3,0 Prozent an (+ 1.174 Fälle). Im Landkreis stieg die Quote noch deutlicher, nämlich um 43,6 Prozent (+ 4.175 Fälle). Im Revier Gaggenau fiel die Steigerung mit 8,2 Prozent (+ 176 Fälle) noch moderat aus.

Verkehrsunfälle: Mit 1.150 Unfällen gab es einen Unfall weniger als im Jahr 2020. 2019 waren es noch 1.378 Unfälle gewesen. Die Hauptunfallursachen haben sich allerdings verändert. So spielt die Geschwindigkeit deutlich seltener eine Rolle, auch Unfälle beim Überholen sind weniger geworden. Dafür passieren mehr Unfälle beim Abbiegen und Rangieren, bei Vorfahrtsregelungen und weil der Fahrer nicht verkehrstüchtig, also beispielsweise betrunken oder berauscht, ist.

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Erstellt:
31. März 2022, 16:42 Uhr
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