Lockdown kommt für Kulturgemeinde zur Unzeit

Gernsbach (vgk) – Den 65. Geburtstag der Kulturgemeinde Gernsbach haben sich deren Mitglieder gewiss anders vorgestellt. Für sie kam der Lockdown zur Unzeit.

Quatuor Modigliani gastiert am 11. Oktober in Gernsbach. Foto: Luc Braquet

Quatuor Modigliani gastiert am 11. Oktober in Gernsbach. Foto: Luc Braquet

Von Veronika Gareus-Kugel

Fast keine der geplanten Veranstaltungen hat die Kulturgemeinde Gernsbach im ersten Halbjahr durchführen können. Man habe lange überlegt, ob man sich an die Gestaltung eines Winterhalbjahresprogramms wagen sollte, gestand Prof. Dr. Hans-Christoph Graf von Nayhauss (Literatur). Seit Mittwoch liegen die druckfrischen Flyer jedoch aus.

Schon bald am 11. Oktober laden Quatuor Modigliani um 11 Uhr zur Matinee in die Stadthalle ein. Das noch junge Ensemble hat sich weltweit als eines der meistgefragten Quartette seiner Generation etabliert. Die Musiker spielen auf vier außergewöhnlichen italienischen Instrumenten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In der Stadthalle werden das „Rosamunde Quartett“ von Franz Schubert und das Streichquartett von Maurice Ravel zu hören sein, stellte Wolfgang Tzschaschel (Konzerte) das Ensemble vor.

Nachholtermin mit Quatuor Voce

Nachgeholt wird am 15. November um 18 Uhr in der Stadthalle das Konzert mit dem französischen Streichquartett Quatuor Voce. Die vier Musiker, die sich 2004 zusammengetan haben, sind ausgesprochen experimentierfreudig im Umgang mit Kompositionen. Sie begleiteten schon Stummfilme oder arbeiteten mit Vogelstimmen-Imitatoren zusammen. In Gernsbach lassen sie Musik aus drei Jahrhunderten erklingen. Angekündigt ist unter anderem das monumentale Streichquartett Nr. 15 von Franz Schubert, das Streichquartett Nr. 2 von Benjamin Britten und Werke von Henry Purcell.

Das zu Ende gehende Jahr lässt die Kulturgemeinde am 20. Dezember mit europäischer Weihnachtsmusik und dem Vokalensemble Rastatt ausklingen. Konzertbeginn ist um 18 Uhr. Mittlerweile zählt dieses gemeinsam mit ihrem künstlerischen Leiter und Dirigenten Holger Speck zur internationalen Spitzenklasse. Der Ruf des Ensembles beruht auf stilgetreuen Interpretationen ebenso wie auf leidenschaftliches und emotionales Musizieren. In Gernsbach gastiert es in solistischer Besetzung mit zauberhafter Musik für Vokalisten, Harfe und Orgel aus verschiedenen europäischen Ländern. Im Mittelpunkt des Konzerts wird die berühmte „Ceremony of Carol“ des Engländers Britten für Frauenstimme und Harfe stehen. An der Orgel begleitet Torsten Übelhör, den Harfenpart übernimmt Cynthia Opermann, Soloharfenistin der Baden-Badener Philharmonie.

Ebenfalls ein Nachholtermin ist die Lesung mit Karl-Heinz Ott. 1957 in Ehingen geboren, studierte Ott Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. Er war unter anderem Leiter der Schauspielkunst an der württembergischen Landesbühne in Esslingen und Chefdramaturg an der Oper am Theater Basel. Seit 1996 ist er freischaffender Schriftsteller. Ott wird aus seinem Essayband „Hölderlins Geister“ lesen. Hölderlin erblickte ebenso wie Ludwig van Beethoven vor 250 Jahren das Licht der Welt. Durch seine Wirkungsgeschichte spuken Götter, Nazis, Marxisten und Revolutionäre. Der Schriftsteller löst die Paradoxie auf, indem er Hölderlins Bildungsentwicklung im Kreise von Hegel und Schelling, mit denen der Dichter im Tübinger Stift in einer Art Wohngemeinschaft lebte, in den Blick nimmt.

Graf von Nayhauss liest aus „Wege mit Kafka“

„Wege mit Kafka – Wege und Weglosigkeiten der Literaturwissenschaften“ heißt das neue Buch von Graf von Nayhauss. Der Vorsitzende lädt am 22. November selbst zur Lesung ein. Als Hochschullehrer versucht er, auf „Wegen der Literaturwissenschaft“ der interpretatorischen Ausweglosigkeit Kafkas gerecht zu werden. In seinen Aufsätzen zeigt sich der Wandel literaturwissenschaftlicher Methoden von der Werkimmanenz bis zum Abschied vom Bemühen um eine Text-Aussage in seiner Biografik. Beide Lesungen beginnen um 18 Uhr. Veranstaltungsort ist die Stadthalle.

Karten sind an der Abendkasse zu bekommen. Außerdem weist die Kulturgemeinde darauf hin, die Möglichkeit zu nutzen, Konzerttickets zum ermäßigten Preis beim Kulturamt/Tourist-Info der Stadt zu kaufen. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich. Aufgrund der Corona-Pandemie und aus organisatorischen Gründen wird es, anders als sonst üblich, keine Karten bei der Sparkasse Rastatt-Gernsbach zu kaufen geben. Gleichwohl unterstützt die Bank auch in diesem Jahr die Kulturgemeinde wieder als Sponsor.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.