Langes Warten auf iPads und Laptops

Murgtal (ham) – Trotz der noch nicht gelieferten Endgeräte für den digitalen Unterricht sehen sich die Murgtäler Schulen bei einem etwaigen zweiten Lockdown besser gewappnet.

Die meisten Schüler im Murgtal müssen noch eine Weile warten, bis sie ihre Mathe-Aufgaben auf dem iPad erledigen können. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Die meisten Schüler im Murgtal müssen noch eine Weile warten, bis sie ihre Mathe-Aufgaben auf dem iPad erledigen können. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Von Hartmut Metz

Kommt ein zweiter Lockdown an den Schulen? Und sind diesmal die weiterführenden Schulen im Murgtal besser gewappnet? Das zumindest. Digitaler Unterricht ist künftig leichter möglich. Doch an Endgeräten mangelt es weiterhin. Nur die Johann-Belzer-Schule in Weisenbach bekommt sie bald geliefert. „Ich bin glücklich, dass wir so früh dran sind“, frohlockt deshalb Rektor Oliver Hintzen.

Die kleine Grund- und Werkrealschule könnte die iPads sogar schon in Händen halten – doch Hintzen wartet jetzt lieber noch rund zwei Wochen, „weil wir dann gleich die brandneuen Apple-Geräte bekommen statt des alten Modells“. Die 22 iPads bestellte Hintzen dank guter persönlicher Kontakte zu einem Distributor bereits Mitte August. 19 weitere Geräte, unter anderem für die zwölf Lehrer, hat die Gemeinde zudem für die Schule geordert. Aber selbst wenn diese rasch kämen, gibt sich Hintzen keiner Illusion hin: „Bis die große Lösung im Computer-Raum läuft, dauert es bis zu den Sommerferien.“ Die Hardware sei die eine Sache, die Einrichtung mit einem neuen Server oder WLAN die andere. Deshalb werde es auch mit einem Einsatz „in diesem Jahr nichts mehr“.

Dies sehen auch die fünf Kollegen von Hintzen so, die noch weit länger als der Weisenbacher Schulleiter auf die Endgeräte warten. In Gernsbach schloss sich die Kommune einer Sammelbestellung des Kreismedienzentrums an. „Bis die gesamten 3.000 iPads kommen, dauert es bis Weihnachten“, glaubt Marcus Mössner von der Realschule in Gernsbach. Am Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) wartet Stefan Beil ebenfalls auf seine georderten 60 mobilen Endgeräte. Diese „sollen gewährleisten, dass auch diejenigen, die zuhause nicht die entsprechende technische Ausstattung zur Verfügung haben, vollumfänglich am Fernunterricht teilhaben können“.

Beide Gernsbacher Einrichtungen setzen bis dahin auf das in Baden-Württemberg weitverbreitete „Moodle“. Nutzer greifen dabei zum Beispiel mit dem Smartphone auf die hinterlegten Materialien zu. An der Realschule soll das auch den Fünftklässlern bis zu den anstehenden Herbstferien ermöglicht werden, kündigt Mössner an. „Videokonferenzen mit mehr als fünf Teilnehmern liefen aber bis dato nicht“, berichtet er und befürchtet diesbezüglich vor allem „große Probleme beim Datenschutz“. Im Falle eines Lockdowns hält der neue Realschul-Rektor ein „gestuftes Unterrichtskonzept im Wechsel“ für die Schüler für sinnvoller, weil sozial Schwache daheim noch weiter abgehängt würden.

„Moodle“ dient als Rettungsanker

Am ASG haben alle Lehrkräfte ihre Klassen bei „Moodle“ angelegt, „sodass wir sie umgehend mit Aufgaben und Material unterschiedlichster Art versorgen können“, erzählt Beil. Überprüfungen von Schülerbeiträgen, Rückgabe von Korrekturen und individuelle Leistungstests seien so auch möglich. Bei seinem Videokonferenzsystem „Big Blue Button“, das in „Moodle“ integriert ist, sieht der Schulleiter keine Datenschutzprobleme. Eltern hält das Gymnasium zudem über einen Messenger, per persönlicher E-Mail und auf der Homepage auf dem Laufenden. „Nach den Herbstferien planen wir den Einsatz des digitalen Klassenbuchs, das einerseits die Dokumentation des Unterrichts auch ohne Präsenz in der Schule absichert, andererseits auch die Dokumentation von Inhalten und Hausaufgaben für Eltern zugänglich machen kann“, führt Beil als letzte Maßnahme aus.

Bernhard Krabbe vertraut am Goethe-Gymnasium Gaggenau (GGG) ebenfalls auf die Lernplattform „Moodle“. Diesbezüglich bereiten sich die Lehrer „seit Schuljahresbeginn gemeinsam mit den Schülern auf eine mögliche Fernlernunterrichtsphase vor. Jedes Fach ist in jeder Klasse auf ,Moodle‘ eingerichtet“. Damit die Zöglinge nicht ins kalte Wasser geworfen werden, geben die Lehrer bereits „sporadisch in allen Fächern Übungsaufgaben oder Hausaufgaben über diese Plattform auf, damit die Schüler den Umgang trainieren“. Das GGG wartet auf 96 Endgeräte, die vor allem „im Rahmen des Programms zur Ausstattung Bedürftiger mit digitalen Endgeräten“ verliehen werden sollen. „Nach der Krise wollen wir sie in die Ausstattung der Schule gemäß Medienentwicklungsplan implementieren“, blickt Krabbe sehr weit voraus.

Die Merkurschule hat 70 iPads beantragt. „Wann die kommen, ist noch offen“, berichtet Barbara Fischer. Wie an der Gaggenauer Realschule wird eine „sichere Cloud für die Kommunikation außerhalb genutzt“. Die Eltern der Grundschüler involviert Fischer ebenso, „damit sie besser verstehen, auf welches Material zurückgegriffen wird“. Zusätzlich informiert die Merkurschule die Schüler ab Klasse fünf und deren Eltern per E-Mail.

Die Realschule in Gaggenau wartet auf 80 iPads. „Bei 600 Schülern ist das aber nicht so arg viel“, weiß Axel Zerrer. Dabei gehe es vor allem darum, Schüler ohne Laptop und Internet-Zugang zu versorgen, um sie nicht weiter abzuhängen. Manches sei zwar „noch nicht so, wie wir es uns wünschen, aber die Ausstattung ist besser als in der ersten Corona-Phase“, konstatiert der Schulleiter zumindest. „Die Cloud ist gut, um den Großteil des Materials auszutauschen.“ Trotzdem hofft Zerrer darauf, eine zweite Schließung zu vermeiden, denn: „Homeschooling kann Präsenzunterricht nicht ersetzen.“


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