Koch: „Wir brauchen Schutzmasken“

Gaggenau (red) – Für Peter Koch, den Leiter der Gaggenauer Altenhilfe, ist die Situation in der Pflegebranche alarmierend. Er ruft deshalb Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen auf: „Stellen Sie der Pflege Ihre Bestände an Schutzausrüstung zur Verfügung!“

Peter Koch (rechts) freut sich über Gesichtsmasken, die er von Markus Klöpfer von der Möbelwerkstatt Heck aus Bad Rotenfels erhalten hat. Foto: G. Modlich/Denkwirkstatt

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Peter Koch (rechts) freut sich über Gesichtsmasken, die er von Markus Klöpfer von der Möbelwerkstatt Heck aus Bad Rotenfels erhalten hat. Foto: G. Modlich/Denkwirkstatt

Von Thomas Senger

Koch konnte nun einige Dutzend Schutzmasken der Kategorie FFP 2, Schutzanzüge sowie Handschuhe bei der Möbelwerkstätte Heck abholen, berichtet die Gaggenauer Altenhilfe. „Wir finden, das ist eine tolle Geste und würden uns natürlich sehr freuen, wenn weitere Firmen der Region prüfen würden, ob sie etwas von ihrem Schutzequipment entbehren können“, wird der Heimleiter in einer Mitteilung der Altenhilfe zitiert.

Koch weiter: „Die Lage ist wirklich katastrophal. Am Freitag traf beispielsweise die langerwartete erste Tranche des Bundes an Schutzausrüstung für das Land Baden-Württemberg ein: 300 000 Schutzmasken und 300 000 Schutzhandschuhe. Das klingt erst mal viel, doch werden diese auf etliche klinische, medizinische, ambulante und stationäre Einrichtungen aufgeteilt. In konkreten Zahlen bedeutet das: Der Gaggenauer Altenhilfe wurden nur 20 Masken zur Verfügung gestellt, bei rund 600 versorgten Bewohnern und Klienten täglich. Das ist leider nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Brandbrief an die Politik

In einem Telefonat hatte Koch dem Inhaber der Möbelwerkstätte Heck GmbH in Bad Rotenfels, Markus Klöpfer, erzählt, wie er händeringend versucht, Schutzmasken für seine Angestellten zu beschaffen. Die Situation in der Pflege sei dramatisch, schließlich betreue man die Hochrisikogruppe, die eine Erkrankung am Coronavirus schnell das Leben kosten könne. Schon seit Wochen schlage er Alarm an verschiedenen Stellen in Landkreis, Land und Bund, auch habe er im Namen des Pflegebündnisses Mittelbaden einen Brandbrief an die Politik geschrieben.

Markus Klöpfer hatte in seinem Lager Restbestände an Schutzausrüstung aus der Lackiererei und Schreinerei. Umgehend bot er diese der Gaggenauer Altenhilfe an. „In der Pflege wird die Schutzausrüstung jetzt am dringendsten gebraucht. Das hat oberste Priorität, dass die Bewohner wie auch die Pflegerinnen und Pfleger, die ihr Bestes in dieser schwierigen Lage geben, gesund bleiben. Da ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, zu helfen – zumal, wenn es wie in diesem Fall so einfach ist.“

Koch verweist auf die generell schwierige Lage: „Von unseren Partnereinrichtungen des Pflegebündnisses Mittelbaden wissen wir, dass es sogar stationäre Einrichtungen gibt, die zum aktuellen Zeitpunkt über keine einzige FFP2-Maske verfügen und dass etliche ambulante Dienste im Landkreis ohne jegliche Schutzausrüstung unterwegs sind und somit ein potenzielles Verbreitungsrisiko darstellen.“ Deprimierend finde er auch die Befürchtung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, dass der Weltmarkt für Schutzkleidung in wenigen Wochen gänzlich zusammenbreche. Dessen Forderung, dass sich Deutschland bei der Schutzkleidung vom Weltmarkt unabhängig machen müsse, stimme er voll und ganz zu – und fügt hinzu: „Doch bis die dafür nötigen Strukturen aufgebaut sind, das wird noch lange dauern.“


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