Keine Mittel für Kraftwerk im Etat

Gaggenau (uj) – Die geplante Anlage zur Stromerzeugung an den Murgkaskaden in Gaggenau befindet sich in der Warteschleife. Im Doppelhaushalt sind keine Gelder enthalten. Dennoch laufen die Planungen.

Im linken Bereich der Murgkaskaden soll das neue Wasserkraftwerk entstehen. Foto: Bracht

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Im linken Bereich der Murgkaskaden soll das neue Wasserkraftwerk entstehen. Foto: Bracht

Von Ulrich Jahn

Gaggenau – „Die erste Idee hatte ich im Jahr 1999“, erinnert sich Stadtwerke-Chef Paul Schreiner. Die Murg als Energielieferant nutzen, dieser Ansatz wird bis heute verfolgt. Die Stadtwerke betreiben unter anderem ein Wasserkraftwerk in Hörden. Nur bei einem zweiten in Höhe der Murgkaskaden mitten in Gaggenau geht es noch nicht so recht voran. Und es wird dauern, bis mit dem Bau eines Kraftwerks dort begonnen werden könnte.

Einige Jahre waren im Gaggenauer Etat Gelder für ein solches Kraftwerk enthalten. Dieser Posten ist jetzt aus dem Zahlenwerk herausgenommen worden. Im Doppelhaushalt 2019/20 fehlt das Geld. Vermutungen, das Projekt sei gestorben, dementiert Schreiner umgehend. „Wenn die Genehmigung für das Kraftwerk kommt, erfolgt die Ausschreibung. Von der Stadt gibt es die Zusage, dass dann auch die Mittel bereitgestellt werden.“ Von heute auf morgen geht so was nicht. Selbst bei schnellem Verlauf könnte wohl erst im Jahr 2021 mit dem Bau des Kraftwerks begonnen werden. Nachvollziehbar also, dass für die Jahre 2019 und 2020 keine Gelder dafür bereitgestellt werden.

Bereits vor über zehn Jahren, im November 2009, hatte der Gemeinderat grünes Licht gegeben und die Planungen der Stadtwerke gebilligt, bei der „Bananenbrücke“ ein Kraftwerk zu bauen. Seinerzeit rechnete Schreiner mit einer wasserrechtlichen Genehmigung Anfang 2011. Es handelt sich nicht um ein herkömmliches Kraftwerk, sondern um ein damals neues und patentiertes Verfahren, das laut Stadtwerke-Chef keine Schäden für die Natur verursacht. Ein bewegliches Kraftwerk, das mit einem überfluteten Krafthaus ausgestattet ist.

Ein solches gibt es unter anderem in Gengenbach. Dorthin waren im Jahr 2011 Mitglieder des Gaggenauer Werksausschusses sowie die Verwaltungsspitze gereist, um sich ein Bild von Technik, Leistung und Optik zu machen. Der damalige Optimismus, relativ zeitnah eine wasserrechtliche Genehmigung zu bekommen, bewahrheitete sich nicht. Man hoffte, Ende 2012 oder Anfang 2013 mit dem Bau beginnen zu können. Die Baukosten für das Murgsee-Kraftwerk waren damals auf zwei Millionen Euro geschätzt worden.

Verschärfte Umweltauflagen

„Ich habe mir den Gesamtablauf etwas euphorischer vorgestellt“, sagte Schreiner 2015. Doch die Kaskaden kurz vor der Flürscheimbrücke bröckeln weiter. Sie sollen im Zuge der Arbeiten zum Bau des Kraftwerks saniert werden. Die Umweltauflagen haben sich im Laufe der Jahre immer mehr verschärft. Ein Trend, der sich nach den Beobachtungen und den Erfahrungen von Schreiner bis heute fortsetzt. Er sei immer wieder überrascht, wenn eine weitere Vogelart entdeckt und berücksichtigt werden müsse.

Zwar ist Schreiner nach wie vor optimistisch, das Projekt voranzubringen. Aber dass es so lange dauern würde, hätte er nicht gedacht. Er hofft, in den nächsten Monaten weitere Schritte voranzukommen und diverse umweltrechtliche Dinge klären zu können. Das aktualisierte Umweltgutachten liegt inzwischen den Stadtwerken Gaggenau vor und wird dort geprüft. Laut Schreiner müssen nach Rücksprache mit dem beauftragten Ingenieur noch einige Details geändert werden. Voraussichtlich Mitte Januar werde das Gutachten den zuständigen Behörden vorgelegt.

Die Gaggenauer SPD hatte sich im Rahmen ihrer Klausurtagung mit dem Wasserkraftwerk befasst. Die Sozialdemokraten wollten das Thema weiter vorantreiben. Zuletzt hatte sich der Gaggenauer Gemeinderat in öffentlicher Sitzung im Juli 2018 mit der Wasserkraftanlage am Murgsee mit Fischauf- und Fischabstiegsmöglichkeit befasst. Konkret ging es um eine geplante FFH-Verordnung (Flora-Fauna-Habitat) des Regierungspräsidiums. Laut Stadt widerspricht die Übernahme des gesamten Murgbereichs samt der Uferbereiche in die FFH-Verordnung der derzeitigen und den geplanten Nutzungen.

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Erstellt:
4. Januar 2020, 00:00 Uhr
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