Im „Goethe“ ist kein Stein mehr auf dem anderen

Murgtal (stj) – An den beiden Gymnasien im Murgtal wird seit Montag wieder unterrichtet, die Vorbereitungen auf die schriftlichen Abiturprüfungen stehen dabei im Vordergrund.

Hier geht’s lang: Im Goethe-Gymnasium gibt es seit gestern in den Gängen ein Einbahnstraßensystem – damit sich Schüler nicht begegnen. Foto: Joerg Hainer

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Hier geht’s lang: Im Goethe-Gymnasium gibt es seit gestern in den Gängen ein Einbahnstraßensystem – damit sich Schüler nicht begegnen. Foto: Joerg Hainer

Von Stephan Juch, Ulrich Jahn

„Wir haben keinen Stein auf dem anderen gelassen.“ So beschreibt Bernhard Krabbe, was im Gaggenauer Goethe-Gymnasium alles geändert werden musste, damit am gestrigen Montag für die Jahrgangsstufen eins und zwei der Unterricht wieder aufgenommen werden konnte. Zunächst werden nur die Schüler unterrichtet, die dieses oder nächstes Jahr ihren Abschluss machen. Selbes gilt für das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Gernsbach. Die BT-Redaktion hat sich in den zwei Gymnasien des Murgtals umgehört, wie der gestrige Re-Start vonstatten gegangen ist.

Vieles ist neu. Unter anderem gibt es laut dem stellvertretenden Leiter des Goethe-Gymnasiums eine Einbahnregelung in den Schulgebäuden, damit sich die Schüler auf den Gängen nicht begegnen. Auch die Stundenpläne mussten alle neu erstellt werden, informiert Krabbe.

Von den mehr als 900 Schülern erhalten aktuell etwa 200 Unterricht. Aufgeteilt sind sie in 47 Kursen. Allerdings sind nicht alle dieser 200 Schüler zeitgleich am „Goethe“ – unter anderem auch deshalb, weil nicht alle Kurse parallel angeboten werden. Von den rund 80 Lehrern des Gymnasiums sind aktuell 47 im Einsatz.

„Die Schüler waren am Morgen sehr diszipliniert“, lobt Krabbe den Nachwuchs. Auch wenn sicher viele froh waren, sich wiederzusehen, habe unter den jungen Leuten keinerlei ausgelassene Stimmung geherrscht. Neu ist auch, dass die Unterrichtsblöcke jeweils 60 Minuten dauern. Alles läuft zeitversetzt.

Bedingt durch die insgesamt 47 Kurse lasse es sich teilweise nicht vermeiden, dass einzelne Schüler bis zu zwei Stunden Pause haben, erklärt Krabbe. Diese verbringen sie dann zu Hause. Ansonsten werden bis auf wenige Ausnahmen in den Hauptfächern alle Kurse vormittags angeboten: „Im Normalfall bis maximal 13 Uhr.“ Andere Fächer müssen nachmittags im Homeschooling „gebüffelt“ werden.

Großgeschrieben wird das Thema Hygiene. Vor und nach dem Unterricht müssen die Schüler ihren Tisch reinigen. Sie sitzen alleine an einem Tisch mit mindestens 1,5 Meter Abstand zum Sitznachbarn. Höchstens die Hälfte der Klasse darf in einem Raum sein. Mit Aushängen und Infos in den Sanitärräumen sowie im gesamten Schulgebäude sowie durch die Lehrer und Betreuer wird über die Hygiene- und Abstandsregelungen informiert. Außerhalb der Klassenzimmer wird das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen. Im Unterricht herrscht keine Maskenpflicht, nur bei der Nutzung der Schulbusse.

Mit einer knapp 15-minütigen Hygiene-Einweisung begann gestern auch der Schultag für die Kursstufen eins und zwei am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Gernsbach. Sie fanden neben den bereits zuvor in den Toiletten zur Verfügung stehenden Desinfektionsmittelspendern zusätzliche zwei Stationen jeweils an allen Eingängen zur Schule vor. „Wir mussten jede Menge umbauen“, berichtet Rektor Stefan Beil von den umfangreichen Vorbereitungen auf den gestrigen Tag X.

So wurden die Gruppenstärken der jeweiligen Kurse so weit wie möglich reduziert, damit die Abstandsregelungen eingehalten werden können. Maximal 14 Tische stehen pro Raum zur Verfügung, „die Klassen mussten wir teilen“. So wird eine Klasse jeweils in zwei nebeneinanderliegenden Räumen unterrichtet; die Lehrkräfte gehen hin und her. Diese Maßnahme ist Lehrern und Schülern allerdings nicht neu, sie wurde schon vor Corona hin und wieder angewendet, wenn etwa Teile der Klasse in Ruhe arbeiten, andere aber pädagogisch vom Lehrer betreut werden mussten.

Neu ist die Anweisung, dass die Schüler nach jedem Raumwechsel die Tische zu desinfizieren haben. Die Lehrer führen entsprechendes Flächendesinfektionsmittel mit sich. Zusätzlich kommt eine externe Reinigungsfirma am Mittag in die Schule, erklärt Rektor Stefan Beil.

Nach jedem Raumwechsel sind die Tische zu desinfizieren

Obwohl aktuell nur die Elf- und Zwölftklässler am ASG Präsenzunterricht haben, sind an diesem 32 von insgesamt 42 Lehrkräften des Gymnasiums beteiligt, betont der Schulleiter. Die Klassen fünf bis zehn haben weiterhin Fernunterricht. Die angehenden Abiturienten der Kursstufe zwei konzentrieren sich jetzt ausschließlich auf die Vorbereitungen für die schriftlichen Abiturprüfungen, die am 18. Mai beginnen. Bis dahin werden entsprechende Übungen gemacht, wichtige Absprachen mit den Pädagogen getätigt und die Aufgaben besprochen, die zuletzt im Fernstudium zu erledigen waren. Wie es mit dem Schulalltag weitergeht, hängt vom Kultusministerium ab.


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