Hoffen auf EU-Geld für den Kaltenbronn

Murgtal (BT) – Das Regierungspräsidium hat einen Förderantrag für eine großangelegte Renaturierung der Hochmoore auf dem Kaltenbronn bei der EU gestellt. Der Beginn der Arbeiten wäre frühestens 2023.

Hoffen auf EU-Geld für den Kaltenbronn

Blick über einen Teil des Naturschutzgebiets auf dem Kaltenbronn mit seinen Mooren und Wäldern. Foto: Marian Kratz (Archiv)/RP Karlsruhe

Von einem „neuen Meilenstein für den Moorschutz im Nordschwarzwald“ spricht Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder. Denn zur Renaturierung der Moore im Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn wurde nun ein Antrag im Förderprogramm „LIFE Natur“ bei der EU eingereicht.

Ausgangslage: Auch jetzt im Winter ist der Kaltenbronn ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel. Was für viele Erholungssuchende der Inbegriff einer urtümlichen und natürlichen Moor-Landschaft ist, zeigt für Moorkundler deutliche Hinweise auf ein geschädigtes Ökosystem: Aufgrund eines großen Netzes an Entwässerungsgräben haben die Hochmoore am Kaltenbronn seit Jahrzehnten mit Wassermangel zu kämpfen. Folge: Die einst ausgedehnten, offenen Moorflächen schrumpfen seit langem und werden von Gehölzen überwachsen. Sie sind daher in einem zunehmend ökologisch ungünstigen Zustand, so dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.

Was ist geplant: Ziel des „LIFE Natur“-Antrags ist der Erhalt der ausgedehnten Moore auf dem Kaltenbronn und damit der Schutz der Lebensräume für seine typischen Tier- und Pflanzenarten. Die Renaturierung soll dafür sorgen, dass die andauernde Entwässerung über ein Netz aus kilometerlangen Entwässerungsgräben gestoppt wird.

Darüber hinaus sind in dem Antrag Angebote zur Information für Naturinteressierte und Erholungssuchende vorgesehen. Die Bohlenstege im Wildseemoor und Hohlohsee sollen im Zuge der Arbeiten verlegt werden. Sie sind auch während der Arbeiten vor Ort durchgängig begehbar.

Wie geht es weiter: Eine Entscheidung der EU wird in der Mitte 2022 erwartet. Bei einem positiven Ergebnis kann das Vorhaben weiterentwickelt und ab 2023 umgesetzt werden.

Der Antrag bei der EU sei „nur durch mehrmonatige intensive Zusammenarbeit aller Akteure“ möglich geworden, versichert Sylvia Felder. Den Antrag haben das RP mit der Flächeneigentümerin, der Anstalt des öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW), der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) und dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gestellt. Mit ihnen wird das Renaturierungskonzept entwickelt.

Die Landkreise Calw und Rastatt sowie die umliegenden Kommunen Gernsbach, Bad Wildbad und Enzklösterle bestätigen die große Bedeutung der Moore und unterstützen den Antrag.

Auch Landesumweltministerin Thekla Walker (Grüne) bewerte das Vorhaben positiv, teilt das RP weiter mit: „Intakte Moore sind Arten- und Klimaretter. Vielen seltenen und hochspezialisierten Tieren und Pflanzen bieten sie die passenden Lebensräume und leisten so einen erheblichen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität im Land. Gleichzeitig sind gesunde Moore wichtige CO2-Senker, die wir bei unserem Kampf gegen den Klimawandel dringend benötigen.“

Peter Hauk (CDU), der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, argumentiert: .„Als größter Waldbesitzer in Baden-Württemberg hat ForstBW den Schutz der Moore als eines seiner zentralen Waldnaturschutzziele verankert. Moorschutz dient dem Klimaschutz, da Moore Kohlenstoff langfristig speichern.“ Zum erfolgreichen Moorschutz gehöre auch, Bürgern die Faszination der Moore erlebbar zu machen.

LIFE ist die Abkürzung des französischen Begriffs L’Instrument Financier pour l’Environnement, also ein EU-Förderprogramm für Umweltschutz. Der Bereich „Natur und Biodiversität“ hat Artenvielfalt und Schutz von Lebensräumen zum Ziel. Die EU fördert Maßnahmen bis zu 75 Prozent.

Wassermangel in den Mooren am Kaltenbronn

Seit dem 18. Jahrhundert wurden viele Kilometer lange Gräben angelegt, um die Moore trockenzulegen und für Waldbau nutzbar zu machen. Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte man die forstwirtschaftlich nur mäßigen Erfolge und stellte die Bauarbeiten ein. Die Gräben bestanden fort und führen noch heute – 250 Jahre später – Wasser in die Täler ab.

Den Mooren geht dadurch lebensnotwendiges Wasser verloren. Torfmoose vertrocknen, Moorwachstum bleibt aus. Die Moore verlieren damit ihre wichtigen Funktionen für den Naturhaushalt. Kiefern und Fichten bewachsen zunehmend die einst offenen Moorflächen. Im Wildseemoor sind nur rund sechs Prozent, im Hohlohmoor nur rund 3,5 Prozent der Ursprungsfläche noch mehr oder minder offen: Dichtes Kiefern-Krummholzgebüsch erstreckt sich bereits bis in die Zentren der Moore.

Bedeutung der Moore

Naturnahe Moore sind weit mehr als nur ein Naturgenuss. Sie binden Kohlenstoff und dienen so dem Klimaschutz. Sie bieten Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen, die mit erstaunlichen Überlebensstrategien an die extremen Lebensverhältnisse angepasst sind und nur dort überleben können. Moore saugen außerdem Wasser wie ein Schwamm auf. Diese Speicherfunktion dient dem Hochwasserschutz, da das Wasser nur nach und nach in das Gewässersystem fließt. Moore ermöglichen außerdem über Pollenanalysen Einblicke in vergangene Zeiten.

Das Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn

Es ist landschaftlich sowie für Natur- und Artenschutz eine große Besonderheit. Es steht deshalb in Teilen unter mehrfachem Schutz (Natur- und Waldschutzgebiet, Fauna-Flora-Habitat- (FFH) und Vogelschutzgebiet, Bannwald und Schonwald). Bereits vor etwa 100 Jahren wurden erste Schutzgebiete ausgewiesen. Mit einer neuen Verordnung im Jahr 2000 stellten Natur- und Forstverwaltung die betreffenden Teile des Kaltenbronn unter nationalen Schutz.

Das heute bestehende Natur- und Waldschutzgebiet liegt im Staatswald (ForstBW). Es umfasst Hohlohsee und Wildsee mit umliegenden Moorflächen und Moorwäldern und kombiniert den Schutz der Moore und des Waldes. Als Teil des FFH-Gebiets Kaltenbronner Enzhöhen und des Vogelschutzgebiets Nordschwarzwald gehört es im europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 seit fast 20 Jahren auch zum europäischen Naturerbe.

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