Giersteinhütte in Bermersbach: „Einmalige Chance“

Forbach (stj/stn) – Gut 130 Interessierte strömten am Mittwochabend in die Bermersbacher Festhalle, um der Projektvorstellung „Giersteinhütte“ beizuwohnen.

Außenansicht: Im Blockhaus-Stil soll die Giersteinhütte in Bermersbach gebaut werden. Foto: Teinachtal-Touristik

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Außenansicht: Im Blockhaus-Stil soll die Giersteinhütte in Bermersbach gebaut werden. Foto: Teinachtal-Touristik

Von den BT-Redakteuren Stephan Juch und Nora Strupp

Und das, was sie dort zu sehen und zu hören bekamen, stieß auf uneingeschränktes Wohlwollen. Man kann sogar von Begeisterung sprechen, die das Projekt-Team Jan Schillinger, Alexander Kowalski, Hans-Jörg Wiederrecht, Johannes Kowalski, Markus Hürst und Patrick Barth mit der Aussicht entfacht hat, ein solches gastronomisches Aushängeschild ins Forbacher Bergdorf zu holen.

Jan Schillinger erläuterte zunächst, was bisher geschah, seitdem die Idee 2019 aufgekommen war. Er blickte zurück auf die einst stolzen Lokalitäten im Ort wie die Badner Höhe, das Café Fritz oder den „Sternen“. Sie haben sich nach und nach verabschiedet, „geblieben ist uns nur die schöne Aussicht“. Die locke im Zusammenspiel mit attraktiven Wegen wie dem Glücksweg oder dem Ziegenpfad zwar immer noch viele Gäste nach Bermersbach, „aber wir können nichts abgreifen, weil wir nichts haben“, machte Schillinger deutlich. So entstünden Kosten ohne echten Nutzen.

Das dürfte sich mit der Giersteinhütte ändern, denn: „Gastronomie wertet Vorhandenes auf.“ Und das nicht nur in Bermersbach selbst, sondern in Forbach und im ganzen Murgtal, ist sich das Projekt-Team sicher. Mit der Hütte böte der Ort wieder eine Möglichkeit für Stammtische, Familienfeiern, Klassen- und Vereinstreffen. Wertsteigerung für umliegende Übernachtungsherbergen, wirtschaftlicher Zugewinn, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, steigender Bekanntheitsgrad: Die Vorteile einer solchen Einrichtung gingen weit über das Touristische hinaus, betonte Schillinger. Der Sprecher der Projekt-Gruppe verhehlte bei seinen Ausführungen nicht, dass es auch Probleme geben könnte, etwa durch zusätzlichen Verkehr oder Lärm. Auch dafür werde man Vorsorge treffen, etwa mit der sonnigen Hanglage der Hütte vom Dorf abgewandt und der Einhaltung von Ruhezeiten. Parkmöglichkeiten sollen nach Möglichkeit außerhalb des Orts angeboten werden, schließlich handele es sich um eine Wanderhütte, die durch attraktive Rundwege zu Fuß angesteuert werden soll. Die Lage beim Pavillon an den Giersteinen sei dafür ideal.

Eröffnung der Hütte schon im Mai 2023 denkbar?

Das sieht auch Projekt-Partner Wolfgang Scheidtweiler so. Mit seiner sympathischen, humorvollen und offenen Art hatte der 75-jährige Unternehmer sich und die Pläne für die Giersteinhütte am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt. Darüber hinaus fand er lobende Worte für die „Truppe von hochengagierten, jungen Leuten“, die auf ihn zugekommen war. Der aus der Eifel stammende Bierbrauer, Diplom-Braumeister und Diplom-Ingenieur betonte, dass er bei dem Projekt vor allem auf die Beteiligung der Bürgerschaft setze. Mit einem Schmunzeln gab er sogar schon einen möglichen Zeitplan für den Bau der Hütte an: „Wenn man die Weißtannenstämme bei abnehmendem Mond im November fällt“, sei eine Eröffnung der Hütte im Mai 2023 denkbar.

Mit dem lockeren Spruch schlug er den Bogen zu einem anderen Projekt, das er 2015 zur Vollendung gebracht hatte: die Schlossberghütte des Hotels Therme Bad Teinach im Blockhaus-Stil. Es ist nur eins von vielen, das seine Handschrift trägt: Die Engagements von Scheidtweiler umfassen neben den Brauereien Franz in Rastatt und Hatz-Moninger in Karlsruhe unter anderem das Parkhotel sowie das Gasometer in Pforzheim.

Innenansicht: Bis zu 120 Gäste sollen auf zwei Ebenen Platz finden. Foto: Teinachtal-Touristik

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Innenansicht: Bis zu 120 Gäste sollen auf zwei Ebenen Platz finden. Foto: Teinachtal-Touristik

Die Gemeinderäte ließen schnell durchblicken, dass sie der Hütte in Bermersbach mehr als positiv gegenüberstehen: „Hier kann sich was für Forbach entwickeln, das wir uns schon immer gewünscht haben“, konstatierte Werner Schoch (CDU). Für ihn sei das Vorhaben „ein Paradebeispiel für Bürgerengagement“. Auch Margrit Haller-Reif (Grüne) lobte es als „wirklich spannendes und willkommenes Projekt“, wenngleich sie mit der Realisierung auch „große Probleme“ bei der Infrastruktur kommen sehe. Scheidtweiler beschwichtigte und verwies darauf, dass es bei der Hütte in Bad Teinach keinen Parkplatz, sondern einen Shuttleservice gebe: „Die Leute sollen den Ausblick und die Ruhe genießen und keine Blechlawine um sich haben.“

Worte, die man in Bermersbach gerne hört, weshalb es am Mittwoch in der Festhalle und auch im Ortschaftsrat keinen einzigen Hauch von Kritik gab. Jan Schillinger und seine Mitstreiter werteten das als Auftrag, „jetzt mit Druck dran zu bleiben“, die notwendigen Genehmigungen einzuholen und bald möglichst zu starten. Auch vonseiten des Landratsamts Rastatt als Genehmigungsbehörde habe man schon positive Signale vernommen. Es handele sich „um eine einmalige Chance“, wie Schillinger betonte. Für diese dankte Ortsvorsteher Eberhard Barth dem ganzen Team und betonte: „Das, was ihr an Vorarbeit geleistet habt, ist mit Geld nicht zu bezahlen!“

„Das brauchen wir unbedingt“: Ein Kommentar von Stephan Juch

Noch nie war die Chance, einen solchen Gästemagneten ins Murgtal zu holen, größer. Ortschafts- und Gemeinderat stehen geschlossen dahinter, aus der direkt betroffenen Bürgerschaft ist bislang kein Gemecker zu vernehmen; hinzu kommen ein stimmiges Konzept, starkes bürgerschaftliches Engagement und ein Unternehmer, der auch als Wohltäter einen großen Namen hat. „Das brauchen wir hier, das brauchen wir unbedingt“, frohlockte die frühere Ortsvorsteherin Claudia Wunsch und sprach damit nicht nur ihrem Nachfolger Eberhard Barth aus der Seele, sondern sicher sehr, sehr vielen Murgtälern.


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