Es fehlt rund eine halbe Million Euro

Loffenau (stj) – Der Waldhaushalt 2020/2021 ist ein wesentlicher Tagesordnungspunkt der nächsten Loffenauer Gemeinderatssitzung.

Die Wälder sind belastet, das merkt auch die Gemeinde Loffenau. Foto: Katharina Vogt/BT-Archiv

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Die Wälder sind belastet, das merkt auch die Gemeinde Loffenau. Foto: Katharina Vogt/BT-Archiv

Von Stephan Juch

Die Reinerlöse aus dem 1.300 Hektar großen Loffenauer Gemeindewald betrugen in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 250.000 Euro per annum. Das ist eine ganz wichtige Einnahmequelle für die Gemeinde. Doch dieses und nächstes Jahr muss man in Loffenau darauf verzichten: Für 2020 kalkuliert man sogar mit einem Minus von 25.000 Euro; 2021 rechnen die Forstexperten mit einem geringfügigen Plus von 35.000 Euro. Damit fehlen in den zwei Jahren insgesamt fast eine halbe Million Euro im Gemeindesäckel.

Das geht aus den Unterlagen für die nächste Gemeinderatssitzung hervor, deren öffentlicher Teil am Dienstag, 3. November, um 19 Uhr in der Gemeindehalle beginnt. Forstbezirksleiter Markus Krebs und Revierförster Günther Taub werden dort Bericht erstatten über den aktuellen Vollzug und die Pläne für das Jahr 2021. 8.000 Festmeter Holz sollen dann eingeschlagen werden, was (abzüglich der dafür erforderlichen Ausgaben sowie der Holzverkaufsgebühr) Einnahmen von rund 164.000 Euro bescheren dürfte. Allerdings stehen dieser Summer weitere forstliche Ausgabenposten gegenüber: Beförsterung / Wirtschaftsverwaltung (102.000 Euro), Kulturen (7.500 Euro), Waldschutz (5.300 Euro), Bestandspflege / Ästung (10.000 Euro), Wegeunterhaltung (40.000 Euro), Erholungsvorsorge (5.000 Euro), Betriebssteuern und Beiträge (26.000 Euro), Liegenschaften (3.000 Euro) sowie Personalkosten / Innere Verrechnung (5.000 Euro). Auf der Einnahmenseite stehen zudem insgesamt weitere rund 74 700 Euro im Plan (unter anderem für die Förderung von Schutzfunktionen, Miete und Jagdpacht).

Es ist allgemein bekannt, dass sich die Waldwirtschaft in einer schwierigen Phase befindet: Die Wälder sind belastet durch den Klimawandel (immer länger anhaltende Trockenheit, höhere Durchschnittstemperaturen, Sturmereignisse) sowie Schädlingsbefall (vor allem die Fichte ist davon betroffen – durch den Borkenkäfer). Zudem sind die Preise auf dem Holzmarkt eingebrochen und in Folge dessen sind die Reinerträge aus der Waldbewirtschaftung stark zurückgegangen. Eine Tatsache, die in der Corona-Krise zusätzlich die Finanzsituation der Kommunen belastet – insbesondere so verhältnismäßig waldreiche wie Loffenau.

Naturnahe Waldwirtschaft

Neben einer aktuell schlechten Ertragsseite muss Loffenau im Gemeindewald auf die neue Verwaltungsvorschrift „Naturnahe Waldwirtschaft“ reagieren. Diese sieht in der Forsteinrichtung vor, ungenutzte Prozessschutzflächen und eine gezielte Totholzanreicherung im Sinne des Alt- und Totholzkonzepts von Forst BW einzurichten. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, durch solche (Teil-)Stilllegungen im Kommunal- und Privatwald Erlöse zu erzielen: durch die Generierung von Ökopunkten durch ein Alt- und Totholzkonzept oder durch den Einstieg in den Vertragsnaturschutz. Die Verwaltung schlägt dem zunächst Gemeinderat letzteres vor; ersteres soll im ersten Halbjahr 2021 wieder im Gemeinderat diskutiert werden.

Mit dem Vertragsnaturschutzprogramm will das Land Baden-Württemberg einen starken naturschutzfachlichen Impuls für den Waldnaturschutz im Kommunal- und Privatwald setzen. „Waldnaturschutz ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die auf Freiwilligkeit und ökonomischen Ausgleich basiert – und auf die Bewahrung einer hohen Arten- und Lebensraumvielfalt im Wald abzielt. Um diese Ziele zu erreichen, kommt den Kommunal-, Privat- und Kirchenwäldern eine entscheidende Rolle zu, weil diese rund zwei Drittel der Waldflächen im Land Baden-Württemberg einnehmen. Das geht aus der Verwaltungsvorschrift „Nachhaltige Waldwirtschaft“ hervor.

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Erstellt:
2. November 2020, 16:05 Uhr
Lesedauer:
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