Erster Gottesdienst mit neuem Kantor

Gaggenau (red) – Er ist der Nachfolger von Walter Bradneck. Sukwon Lee aus Südkorea ist neuer Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau. Im November 2019 hatte sich der 47-Jährige musikalisch in der Benzstadt vorgestellt.

Der neue Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau, Sukwon Lee, gestaltet am Sonntag seinen ersten Gottesdienst. Foto: Rohwer

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Der neue Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau, Sukwon Lee, gestaltet am Sonntag seinen ersten Gottesdienst. Foto: Rohwer

Von Elke Rohwer

Am kommenden Sonntag wird Sukwon Lee in der Markuskirche seinen ersten Gottesdienst musikalisch gestalten. Im Gespräch mit ihm wird deutlich, wie sehr sich der 47-Jährige auf die bevorstehenden Aufgaben freut und mit wie viel Elan er sich in den verschiedenen Bereichen engagieren möchte.
Noch sind nicht alle Umzugskartons ausgepackt in seiner neuen Baden-Badener Wohnung, die er zusammen mit seiner Frau vor wenigen Tagen bezogen hat. Bis April 2020 war Sukwon Lee in Sigmaringen tätig, wo er fast zwölf Jahre lang als Kantor gewirkt hat.

Der Kirchenmusiker wurde in Seoul, Südkorea, geboren. Nach dem Gymnasium studierte er dort acht Semester Musik-Komposition und schloss das Hochschulstudium als Diplom-Musiker für Musikkomposition ab. Mit 25 Jahren kam er nach Deutschland, wo er bis 2007 an der Musikhochschule in Trossingen Kirchenmusik und Klavier studierte. Anschließend absolvierte er ein Praktikum beim Kirchenkreiskantor für Stuttgart, Professor Jörg-Hannes Hahn. Danach führte ihn sein Weg 2008 nach Sigmaringen.

Als Sukwon Lee von der Ausschreibung der Gaggenauer Kantorenstelle in einer Fachzeitschrift erfuhr, bewarb er sich und wurde schließlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das war im Oktober 2019. Im November folgte die musikalische Vorstellung. Dabei stand das Orgelspiel im Vordergrund. Lee überzeugte den Prüfungsausschuss davon, dass er, ausgehend von einer einfachen Choral-Melodie, durch Improvisation eine große, freie Orgelfantasie zu entwickeln in der Lage ist. Eine weitere Aufgabe bestand unter anderem im Spielen von Chorälen ad hoc unter Berücksichtigung verschiedener Begleitsätze.

Die Darstellung eines 25-minütigen Orgelprogramms gehörte ebenso zu den gestellten Aufgaben wie das Einüben eines Kirchenliedes mit der Gemeinde im fünfstimmigen Kanon. „Das hat gut geklappt und allen Beteiligten Spaß gemacht“, sagt Lee rückblickend. Anschließend stand eine halbstündige Probe mit dem Posaunenchor auf dem Programm sowie eine 50-minütige Chorprobe, bevor sich der ausgebildete Kantor den Fragen der Gemeinde stellte. Bis nachts um halb zwei Uhr morgens tagte der Prüfungsausschuss im Anschluss. Am Ende sprachen sich die Mitglieder klar für Sukwon Lee aus.

Umfangreicher Aufgabenkatalog

Künftig wird der neue Kantor die Gottesdienste in der Markuskirche und in der Radfahrerkirche begleiten. Außerdem übernimmt er die Leitung des Kirchenchors, der „Half past six singers“ sowie des Posaunenchors Gaggenau. Auf lange Sicht wird er als Kantor auch für die evangelischen Kirchengemeinden in Gernsbach und Rastatt zuständig sein, wenn der derzeitige Kantor Friedemann Schaber in Ruhestand geht.

Sukwon Lee freut sich sehr über den herzlichen Empfang und die offene Art, mit der er in seiner neuen, badischen Wirkungsstätte willkommen geheißen wurde. Besonders freut er sich über den freundschaftlichen Kontakt und den regen Austausch mit seinem Vorgänger Walter Bradneck, der ihm unterstützend zur Seite steht. Aufgeregt sei er schon ein bisschen, wenn er an den Gottesdienst am Sonntag denkt, so Lee. „Doch es überwiegt die Freude auf die spirituellen Momente, auf die Einheit zwischen dem gesprochenen Wort der Liturgie und der musikalischen Umrahmung.“

Beim Gottesdienst am Sonntag sowie während der Corona-Phase gelten besondere Regeln. So wird der Gottesdienst verkürzt auf maximal 30 Minuten. Die Gemeinde singt nicht, stattdessen werden die Choräle entweder instrumental zu Gehör gebracht oder vom Kantor solistisch gestaltet. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist begrenzt. Insgesamt maximal 32 Besucher finden in der Markuskirche (vor dem Hintergrund der Abstandsregeln) Platz auf den Kirchenbänken links und rechts des Mittelgangs. Etwa 15 weitere Personen können im Altarbereich sitzen. Die Teilnahme am Gottesdienst ist nur mit einer Schutzmaske über Mund und Nase gestattet. Ordner werden den Einlass regeln.

Um den Gemeindemitgliedern die Corona-Zeit zu verschönern, hält Kantor Sukwon Lee darüber hinaus eine Konzertreihe mit kurzen Musikbeiträgen für denkbar. Ob und unter welchen Sicherheitsbedingungen diese umgesetzt werden könnte, bleibt abzuwarten.

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Erstellt:
7. Mai 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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