Eine „Pflegehilfe-Station“ auf sieben Quadratmetern

Gaggenau (arus) – Rentner Helmut Lutz beschäftigt sich gerne mit der technischen Optimierung von alltäglichen Gebrauchsgegenständen, die für das „Altwerden“ nützlich sind. Nun hat er die „Lutz Pflegehilfe-Station“ (kurz LPS) entwickelt. Sie soll es vor allem Pflegebedürftigen ermöglichen, ihre Privatsphäre und Selbstständigkeit bestmöglich zu erhalten – und zwar zu Hause.

Am PC entwirft Helmut Lutz die Pläne für sein Konzept. Fotos: Schmeiser

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Am PC entwirft Helmut Lutz die Pläne für sein Konzept. Fotos: Schmeiser

Durch seine frühere Tätigkeit als Maschinen- und Anlageninstandhalter bei Daimler in Gaggenau konnte der heute 79-Jährige das dafür notwendige Know-how sammeln, um sich an ein „hochsoziales Projekt zum Nutzen aller Familien mit einem häuslichen Pflegefall“ heranzuwagen.

Dabei helfe die „LPS“ dem zumeist gleichaltrigen Lebenspartner enorm bei der Betreuung des pflegebedürftigen Partners. Die LPS verfügt neben einer Kreuzschlitten-Fahr-Hebeanlage unter anderem über eine geruchsfreie Toilette mit
automatisierter Körperreinigung und Trocknung: „Dadurch erübrigt sich der sensible Zugriff aller Pflegehelfer in den Intimbereich und es erleichtert auch essenziell die Arbeit von professionellen Pflegediensten inklusive Familie, Freunden und sonstigen Helfern.“

Für Lutz ist der derzeitige Status quo in der Pflege völlig unbefriedigend. „Diese desaströse Situation ruft nach einem Paradigmenwechsel in der Pflege“, gibt er zu bedenken. Dazu biete sich die Neuentwicklung LPS als Leasing-Modell an. Sie könne dazu beitragen, dass für alle an einem Pflegefall beteiligten Betreuer (stationär und ambulant gleichermaßen) die Arbeit erleichtert werde. „Die ‚LPS‘ ist bewusst nicht mit utopischer Technik ausgestattet, sondern leicht bedienbar für jedermann“, betont Lutz. Gleichwohl sei die Technik in der Lage, die Pflegebedingungen revolutionär zu modernisieren – und damit für Familien und Unternehmen die Pflege- und Lohnnebenkosten zu reduzieren: „Damit können Familien mit Pflegefall vor dem finanziellen Ruin bewahrt werden.“

Schematische Zeichnung der „Lutz Pflegehilfe-Station“. Neben dem Bett sind eine geruchsfreie Toilette und eine Duschmöglichkeit untergebracht.

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Schematische Zeichnung der „Lutz Pflegehilfe-Station“. Neben dem Bett sind eine geruchsfreie Toilette und eine Duschmöglichkeit untergebracht.

Lutz nennt weitere Vorteile: Die „LPS“ biete sturzgesicherte Bewegungsmöglichkeiten auf sechs Quadratmetern Fläche, außerdem eine SPS-gesteuerte geruchsfreie Toilettenanlage mit Wasch- und Trocknungsfunktion. Zur Fortbewegung dient eine Kreuzschlitten-Fahr-Hebeanlage, mit der der Pflegebedürftige angehoben wird.

Das Modell biete modernste mobile Kommunikation in Bild und Ton; alle Funktionen seien auch für demente Menschen unfallsicher bedienbar. Lutz’ Ziel ist es, die Pflege sowohl stationär als auch ambulant auf „Industrie 4.0“-Niveau zu modernisieren. „Dadurch wird die Pflegebetreuung in den Pflegeresidenzen ebenso erleichtert wie für Familien, die wegen geringen Einkommens die Pflege ihres Familienmitglieds bevorzugt ambulant zu Hause, im vertrauten und gewohnten Umfeld organisieren.“

Die derzeitige Corona-Krise bestärke ihn in der Überzeugung, „dass die Pflege mit technischer Hilfe wieder zurück in die Geborgenheit der Familie gehört“. Helmut Lutz hofft, dass sich in Baden-Württemberg das Produkt realisieren lässt. „Das setzt den Bau einiger Test-Prototypen mit TÜV-Abnahme voraus.“ Nach erfolgreicher Testphase könnte die Pflegehilfestation dann in Serie gehen.

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Erstellt:
28. April 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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