Ein Segen für die Dörfer

Murgtal (stj) – Die Nahversorgung boomt in Zeiten der Corona-Krise: So verzeichnen die Murgtäler Dorfläden in Bermersbach, Reichental und Loffenau allesamt spürbar wachsende Kundschaft.

Bieten in Bermersbach Dinge des täglichen Bedarfs – und vieles mehr: Stefanie Kalmbacher (links) und Regina Wunsch im Dorfladen im alten Rathaus des Forbacher Bergdorfs. Foto: Foto: Juch

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Bieten in Bermersbach Dinge des täglichen Bedarfs – und vieles mehr: Stefanie Kalmbacher (links) und Regina Wunsch im Dorfladen im alten Rathaus des Forbacher Bergdorfs. Foto: Foto: Juch

Von Stephan Juch

„Das Ettlinger Tor von Bermersbach“, schmunzelt eine Stammkundin vor dem Eingang des Dorfladens im Forbacher Bergdorf. Der ist geschmückt mit einer großen Auswahl an Blumen- und Floristikartikeln. Das verrät schon vor der Tür: „Hier gibt es Dinge des täglichen Bedarfs – und weit darüber hinaus!“ Gerade in diesen außergewöhnlichen Zeiten wissen das die Bürger zu schätzen. Das Team um Stefanie Kalmbacher hat sich bestens und vorbildlich der Krisensituation angenommen und gibt alles, um die Rundumversorgung im Dorf aufrechtzuerhalten.

Dazu gehören die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen im Laden, der sich im alten Bermersbacher Rathaus befindet. Die Kasse ist von der Backwaren-Theke an die Seite gerückt, Desinfektionsmittel steht bereit und es dürfen nicht mehr als zwei Kunden gleichzeitig zum Einkauf in den Laden. Das ist nicht immer einfach, weil die Leute ja auch zum Quatschen kommen. „Aber die meisten halten sich dran“, stellt eine Dame fest, die sich mit Brot fürs Wochenende eindeckt. Die Backwaren kommen vom Forbacher Café Henriette und von der Bäckerei Rundblick in Schönmünzach nach Bermersbach, die frischen Wurstwaren liefert Steffen Geiser aus Gernsbach.

„Man merkt schon, dass die Leute jetzt daheim vespern“, stellt Stefanie Kalmbacher fest. Sie betreibt den schmucken Dorfladen inzwischen seit sechs Jahren. In Corona-Zeiten registriert sie mehr Kundschaft als zuvor, auch aus dem Kernort kaufen sie bei ihr ein. Sechs Angestellte in Teilzeit arbeiten im Bermersbacher Dorfladen, der damit der größte Arbeitgeber im Bergdorf ist, lachen Kalmbacher und ihre Mitarbeiterin Regina Wunsch. Der Dorfladen ist für sie weit mehr als nur eine Arbeit, er ist eine Herzensangelegenheit. Das Dorfladenteam bietet mit weiteren ehrenamtlichen Helfern auch einen kostenlosen Einkaufsservice für die älteren Menschen im Ort an. Und wenn abends noch ein Brot übrig ist, wird es über die eigens eingerichtete „Brot muss weg“-Whatsapp-Gruppe noch an den Kunden gebracht. „Es gibt nichts, was sie nicht versuchen zu erfüllen; das Miteinander und die Kommunikation kommen nie zu kurz“, lobt die Kundschaft.

Der Dorfladen in Bermersbach hat dienstags bis samstags von 6.30 bis 11 Uhr geöffnet. Neben Lebensmitteln sowie den Blumen und Pflanzen der gelernten Floristin Kalmbacher bietet er eine Post- und eine Sparkassenagentur, Zeitschriften, Spielwaren und Schulbedarf. Sogar T-Shirts mit der Aufschrift „Original Bermersbacher“ sind dort erhältlich. „Alles was man braucht“, freuen sich die Bergdörfler, deren Dankbarkeit sich auch an die Gemeinde Forbach richtet, die günstige Konditionen für die Räumlichkeiten ermöglicht. Dass sich dieses Entgegenkommen auszahlt, zeigen die Gespräche mit der Kundschaft, die den Mix aus Ehrenamt und Arbeit von Stefanie Kalmbacher und ihrem Team sehr zu schätzen weiß.

Höhere Umsätze auch in Reichental

Genauso stellt sich die Gemütslage in Reichental dar. Im Gernsbacher Fachwerkdorf gibt es den Dorfladen erst seit September 2019. Aber er hat sich längst etabliert, wie Ortsvorsteher Guido Wieland im BT-Gespräch zufrieden feststellt. Auch dort verzeichnet man in Corona-Zeiten höhere Umsätze. „Die Akzeptanz ist gestiegen“, betont Wieland – gerade jetzt seien „die kurzen Wege“ von großem Vorteil. Auch er verweist auf entsprechende Sicherheitsvorkehrungen, die man getroffen habe. So hat man am vergangenen Donnerstag einen Spuckschutz an der Ladentheke angebracht, Desinfektionsmittel steht am Eingang des früheren Sparkassengebäudes bereit, nicht mehr als drei Kunden dürfen gleichzeitig in den Laden. „Die Reichentäler machen das vorbildlich, sie halten Abstand“, lobt der Ortsvorsteher.

Auch in Reichental bietet der Dorfladen einen kostenlosen Lieferservice im Ort an, erinnert Wieland. Das war schon vor der Krise so, wurde aber spärlich angenommen. „Klar, die Leute wollen sich ja auch treffen“, schlussfolgert der Ortsvorsteher. Jetzt ist das aber nicht mehr angesagt, weshalb man über die Sozialstation Gernsbach noch einmal Flyer im Ort verteilt hat, um auf den Lieferservice hinzuweisen.

Pforzheimer auf der Suche nach dem „weißen Gold“

Mancher Loffenauer lernt in Krisenzeiten seinen Nahversorger auf einmal zu schätzen. Gewiss, viele kauften schon vor der Corona-Krise gerne bei „Gießlers Landmarkt“ ein, um die Anlaufstelle mit Postfiliale im Ort zu erhalten. Aber Betreiber Jochen Gießler fürchtet auch die zunehmende Konkurrenz in Gernsbach, sollten dort die geplanten neuen und größeren Märkte gebaut werden – der Loffenauer Gemeinderat hat deshalb seine Bedenken angemeldet. Einstweilen muss „Gießlers Landmarkt“ jedoch keine Umsatzeinbußen fürchten, im Gegenteil: Plötzlich pilgert neue, ortsfremde Kundschaft in den familiengeführten Laden! Nicht nur aus Gernsbach oder Bad Herrenalb kam sie angefahren. Auf der Suche nach dem „weißen Gold“ durfte Jochen Gießler sogar Käufer aus Pforzheim begrüßen – auch sie erhielten in Loffenau noch verfügbares Klopapier.


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