Den Gehörlosen eine Stimme geben

Gernsbach (red) – Der Club Soroptimist International Bad Herrenalb/Gernsbach unterstützt eine junge Frau aus Baden-Baden, die sich für gehörlose Kinder und Jugendliche in Ghana einsetzt.

Alina Mette. Foto: pr

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Alina Mette. Foto: pr

„Ich habe hier in Ghana tagtäglich mit hörgeschädigten oder gehörlosen Menschen zu tun. Sie sind meine Freunde, Kollegen oder gute Bekannte. Mit ihnen kann ich, genauso wie mit allen anderen hörenden Menschen, mich über die Kulturunterschiede zwischen Ghana und Deutschland austauschen, darüber sprechen, was wir letztes Wochenende so erlebt haben, schwärmen, wie gut das Essen schmeckt, oder eben auch mich aufregen über die Leute, die sich zu wenig mit Menschen mit Behinderung beschäftigen und dadurch ein völlig falsches Bild von diesen wunderbaren Menschen haben.“ Diese Zeilen schrieb Alina Mette in ihrem Blog (www.alinainghana.wordpress.com) im vergangenen Jahr. Die Abiturientin hatte sich beim Verein Bezev, Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit Essen, beworben, um im Rahmen des Freiwilligendiensts in einem Projekt in Afrika eingesetzt zu werden. Die Schule für gehörlose Kinder und Jugendliche in Wedru im Süden von Ghana wurde zu ihrem Einsatzort.

Um an einem solchen Projekt teilzunehmen, müssen die Freiwilligen für die Finanzierung selbst sorgen. Der Club Soroptimist International Bad Herrenalb/Gernsbach unterstützte dabei mit 500 Euro. Mit viel Engagement beschäftigte sich Alina Mette intensiv mit der Gebärdensprache, ihren Anfängen und deren Entwicklung und stellte fest, dass es keine einheitliche, weltliche Gebärdensprache gibt beziehungsweise geben kann, da die einzelnen Wörter und Begriffe ja mit ganz unterschiedlichen Buchstaben beginnen. „Die ghanaische Gebärdensprache“, so Mette, „ist zwar an die amerikanische angelehnt, zeigt aber doch deutliche Unterschiede.“

Booklet als Einblick in Sprache der Gehörlosen

Und wiederum habe die deutsche Gebärdensprache kaum Ähnlichkeiten mit der Amerikanischen. „Das Einzige, das so gut wie alle Gebärdensprachen (bis auf Kleinigkeiten) gemeinsam haben, ist das Alphabet.“

In dem Jahr des Freiwilligendiensts gehört es auch zu den Aufgaben, ein selbstständiges Projekt durchzuführen. Da Alina die ghanaische Gebärdensprache inzwischen recht gut beherrschte, entschloss sie sich, ein „Booklet Ghanaian Sign Language – Basics“ zu kreieren.

„Ich habe dieses Booklet geschaffen, um den Hörenden eine Einführung in die Kultur der gehörlosen Menschen zu ermöglichen, denn es gab nur dicke Bücher, die kaum jemand nutzen konnte.“

ARA, eine ghanaische Organisation, die mit vielen deutschen Partnern zusammenarbeitet, sowie Spenden aus Deutschland unterstützten sie bei der Durchführung des Vorhabens, das rund 500 Euro kostete. Die Auflage von 200 Stück wurde vor Ort gedruckt. Alle Schüler und Lehrer erhielten ein Exemplar. Alina hat im Booklet die wichtigsten Zeichen aufgenommen, um so „den Gehörlosen eine Stimme zu geben“.

Für Alina Mette war die Arbeit in Ghana „eine unheimliche Erfahrung, die mich sehr geprägt hat“. Sie studiert jetzt Sozialarbeit in Frankfurt – derzeit natürlich online.

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Erstellt:
29. April 2020, 14:36 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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