Datenschutz in Corona-Zeiten

Von BT-Redakteur Stephan Juch

Gernsbach (stj) – Früher wäre es undenkbar gewesen, dass ein Chef öffentlich kundtut, welche Krankheit einen Kollegen zu einer Auszeit zwingt. In Corona-Zeiten hat sich das geändert.

Datenschutz in Corona-Zeiten

Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen dürfen Chefs öffentlich sagen, dass Mitarbeiter an Corona erkrankt sind. Foto: Hans Punz

Dass die oder der „positiv“ sei, hört man mittlerweile ständig. Trotzdem sorgte die Information, mit der Bürgermeister Julian Christ bei seiner Eröffnungsrede zur 33. Gernsbacher Puppentheaterwoche eine Kollegin entschuldigte, am Rande der Veranstaltung für Gesprächsstoff. „Darf der das?“, fragten sich einige Besucher, nachdem Christ erklärte, die Mitarbeiterin, die bei der Organisation des Festivals eine tragende Rolle spielt, habe das Virus erwischt. Antwort: Ja, er darf.

Zwar sagen Krankmeldungen oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) etwas über den Gesundheitszustand einer Person aus und gehören deshalb der Kategorie der besonderen personenbezogenen Daten an – und dazu zählen alle Angaben, die erkennen lassen, in welchem gesundheitlichen Zustand sich eine Person befindet. Dies bedeutet, dass allein schon die Mitteilung über die Erkrankung von Angestellten als problematisch anzusehen ist. Im Krankheitsfall kann dem Datenschutz bei Krankmeldungen von Kollegen aber Genüge getan werden, wenn die betroffene Person einwilligt, dass Andere über ihren Gesundheitszustand informiert werden.

Betroffene erteilt ihr Einverständnis

Genau das war bei der Eröffnung der Puppentheaterwoche der Fall, wie die Stadt Gernsbach auf Anfrage dieser Zeitung erklärt: „Sensible persönliche Informationen, zu denen auch die Gesundheitsdaten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehören, werden gemäß des Datenschutzes nicht weitergegeben. Nach der Premiere der Puppentheaterwoche am Samstag galt die Erkrankung der Kulturamtsleitung als offizielle Entschuldigung für die Abwesenheit bei einem Event dieser Größe.“ Für die Erwähnung der Erkrankung habe die Betroffene ihr Einverständnis erteilt, betont die Pressestelle der Stadt Gernsbach.