Turbulente Spargelsaison 2020

Lichtenau (iru) – Lichtenauer Landwirt und Spargelbauer Roland Fraß zieht trotz aller Widrigkeiten positive Bilanz

Ein Erntehelfer bei der Spargelernte auf einem Feld des Lichtenauer Landwirts Roland Fraß.  Foto: Ruschmann

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Ein Erntehelfer bei der Spargelernte auf einem Feld des Lichtenauer Landwirts Roland Fraß. Foto: Ruschmann

„Das mach‘ ich nicht jedes Jahr mit“, fasst Roland Fraß aus Lichtenau seine Gemütslage über die in gut zwei Wochen zu Ende gehende Erntesaison zusammen. Vor allem die coronabedingten Unsicherheiten wegen der ungewissen Zahl von Erntehelfern und mögliche Absatzeinbußen zu Beginn der Spargelzeit sowie den immensen Mehraufwand zur Einhaltung der landesweiten Hygienevorgaben machten dem Vollerwerbslandwirt in den vergangenen Wochen das Leben schwer. Auf der Ertragsseite beim Spargel zieht er aber eine positive Bilanz.

Die Witterungsbedingungen spielten den Spargelbauern über weite Strecken der Saison in die Hände. Frühsommerliche Temperaturen bereits im April ließen die weißen Stangen ungebremst sprießen. Die Anlagen „honorierten“ das gute Wetter mit hohen Erträgen und einer ausgesprochen guten Qualität. Weil die Anlagen mit den frühen Sorten länger Spargel produzierten als gewohnt, bei den späten das Wachstum zudem früher einsetzte als erwartet, hatten die Erntehelfer auf den Feldern bei Lichtenau während der sich mehrere Tage überschneidenden Übergangsphase buchstäblich alle Hände voll zu tun, um alle Anlagen gleichzeitig zu bewirtschaften.

Die in der Landwirtschaft allgemein beklagte Trockenheit spielte im Spargelanbau nur eine untergeordnete Rolle. „Während der Ernte braucht der Spargel eigentlich kein zusätzliches Wasser in Form von Regen oder künstlicher Bewässerung“, erklärt Fraß. Die Knolle versorge sich aus tieferen Schichten mit dem kostbaren Nass. Doch gerade in diesen Regionen, etwa 30 bis 90 Zentimeter unter der Oberfläche, sei es insgesamt zu trocken gewesen, was durchaus als Besonderheit der aktuellen Saison zu sehen ist, ergänzt er. Sichtbar wird die fehlende Feuchtigkeit im Unterboden an gelegentlich auftretenden leichten Verfärbungen an den Spargelstangen, mit denen jedoch kein Qualitätsverlust einhergeht. Diese optischen Beeinträchtigungen sind nicht zu verwechseln mit dem bekannten Spargelrost, der von einem Pilz während einer Blattnässeperiode ausgelöst wird.

Als „ausgesprochen turbulent“ erlebte Roland Fraß das Ringen um eine ausreichende Anzahl von ausländischen Erntehelfern zu Beginn der Saison. Zu den bundesweit eingeführten Obergrenzen, was die absolute Zahl an vorwiegend osteuropäischen Hilfskräften betraf, gesellten sich oft noch individuelle Erschwernisse bei deren Rekrutierung. Weil die Einreise auf dem Landweg wegen Grenzschließungen nicht möglich war, blieb nur noch der Luftweg.

Eher Reisemanager als Landwirt

„Viele hatten Flugangst und wollten deshalb nicht kommen“, blickt der in dieser Zeit eher als Reisemanager tätige Landwirt auf die zeitweise recht verworrene Situation um die dringend benötigten Erntehelfer zurück. Die Dramatik jener Zeit wird am Beispiel von vier rumänischen Arbeitskräften deutlich, die beim letzten möglichen Flug zur Boardingzeit noch nicht auf der Passagierliste standen und nur deshalb den Sprung in den Flieger noch schafften, weil dieser Verspätung hatte.

Ein positives Resümee zieht Fraß mit Blick auf die Resonanz inländischer Interessenten für den Einsatz als Erntehelfer. „Wir hatten etwa 100 Bewerbungen“, fasst er die für ihn doch überraschende Nachfrage zusammen. Die in seinem Betrieb eingesetzten Helfer sind ausschließlich bei der Erdbeerernte tätig. „Das ist nicht ganz so anstrengend“, schmunzelt er.

Die Spargelsaison 2020 wird aller Voraussicht nach als die aufwendigste und ereignisreichste in die Annalen des Lichtenauer Landwirtschaftsbetriebs eingehen. Die andauernden Unsicherheiten beim Personal und die damit einhergehenden Voraussetzungen für die Ernte auf der einen Seite, aber auch die teils wegbrechenden Absatzmöglichkeiten, beispielsweise durch die Gastronomie auf der anderen Seite, seien eine gewaltige Herausforderung gewesen.

Am 23. Juni wird Schluss sein mit der diesjährigen Spargelernte bei Roland Fraß. „Eine etwas weniger aufregende Spargelzeit im nächsten Jahr wäre schön“, sagt er augenzwinkernd.

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Erstellt:
7. Juni 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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