„Steigen werden die Umsätze bestimmt nicht“

Bühl (galu) – „Eine der bedeutendsten Tiefbaumaßnahmen der letzten Jahre“ hat am gestrigen Montag in Bühl begonnen. Zumindest die Stadtverwaltung misst der Sanierung der Rheinstraße diese Bedeutung zu. Geplant sind eine neue Fahrbahndecke und ein Kreisverkehr an der Kreuzung zur Steinstraße. Bedeutend ist das Bauprojekt auch für die ansässigen Einzelhändler, jedoch nicht unbedingt im positiven Sinne.

An der Kreuzung Rheinstraße/Steinstraße stehen bereits die Absperrungen für den ersten Bauabschnitt. Fotos: L. Gangl

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An der Kreuzung Rheinstraße/Steinstraße stehen bereits die Absperrungen für den ersten Bauabschnitt. Fotos: L. Gangl

Von Lukas Gangl

In zwei Abschnitten soll die Maßnahme ablaufen: Zunächst ist seit gestern ein Teilstück der Rheinstraße ab der Kreuzung Obervogt-Haefelin-Straße/Erlenstraße (Feuerstein-Kreuzung) bis zur Einmündung Thomas-Mann-Straße in beiden Richtungen gesperrt. Die Rheinstraße von der Thomas-Mann- bis zur Elisabethenstraße wird in diesem Zeitraum als Sackgasse anfahrbar sein. Die Umleitungen sind von der B3 über den Autobahnzubringer zur Hauptstraße ausgeschildert, schreibt die Stadtverwaltung. Ab 11. Mai bis Mitte Juli werde die Rheinstraße ab dem Kreisverkehr an der Hauptstraße bis zur Feuerstein-Kreuzung dann voll gesperrt – Anwohner können ihre Anwesen zeitweise nicht anfahren beziehungsweise nur in Absprache mit dem Bauunternehmen, heißt es weiter. Im finalen Abschnitt, nach Fertigstellung der Fahrbahn, voraussichtlich ab Ende Juni/Anfang Juli, ist die Kreuzung Rheinstraße/Steinstraße für den Bau des Kreisverkehrs voraussichtlich bis Ende November weiter gesperrt. Der Verkehr aus Richtung Innenstadt kann dann allerdings wieder Richtung Vimbuch/B3 an der Baustelle vorbeigeführt werden. Nur noch auf dem Weg in die Innenstadt müssen die Verkehrsteilnehmer die Umleitungsstrecke nutzen, heißt es abschließend aus dem Rathaus.

Kein leichtes Los für die Einzelhändler vor Ort. Die Corona-Krise hat Deutschland weiterhin fest im Griff, viele Geschäftsleute kämpfen bereits mit massiven Umsatzeinbrüchen – eine Baustelle vor der Ladentüre kann da keiner gebrauchen. „Man kann natürlich nicht auf jeden Rücksicht nehmen“, meint Manfred Naß. Der Geschäftsführer der Elektrohaus Kimmig GmbH ist trotz aller Widrigkeiten positiv gestimmt: „Ich habe bereits gute Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Wichtig ist, dass der Betrieb und vor allem die Anlieferung in Absprache mit dem Bauunternehmen reibungslos ablauft, dann ist das alles kein Problem.“

Ebenfalls unproblematisch wird es für Jürgen Leutner. „Steigen werden die Umsätze bestimmt nicht, aber 70 Prozent meiner Stammkunden kommen mittlerweile sowieso über unsere zweite Zufahrt in der Heinrich-Heine-Straße“, meint der Inhaber von Leutner Kreativ – Garten – Zoo. Lediglich für Neukunden würde es schwierig werden, deshalb plant er, die zweite Einfahrt in den sozialen Medien zu bewerben.

Anders geht es Julia Götz. Die Inhaberin des kleinen Ladens Törtchenglück ist nicht glücklich mit den Baumaßnahmen. „Die Auftragslage ist aufgrund von Corona ohnehin schon dünn. Und die Baustelle wird dem Geschäft sicherlich noch zusätzlich schaden.“ Ihr Hauptgeschäft sind insbesondere Hochzeiten. „Immerhin gibt es mehrere Abschnitte, sodass mein Laden am Muttertag noch gut zu erreichen ist“, sagt Götz. Sie hätte sich eine bessere Kommunikation zwischen Verwaltung und Einzelhändlern gewünscht, beispielsweise in Form eines Vorabgesprächs mit allen Betroffenen, insbesondere um eventuelle Probleme mit dem Lieferverkehr zu klären.

Stefan Prelisauer wird die Auswirkungen der Baumaßnahmen deutlich spüren.

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Stefan Prelisauer wird die Auswirkungen der Baumaßnahmen deutlich spüren.

Eine klare Meinung hat auch Stefan Prelisauer: „Der Kreisel ist nicht nötig. Größere Rückstaus gab es hier nie, solange keine Baustelle da war.“ Gerade der unsichere Lieferverkehr bereitet ihm Sorgen: „Im schlimmsten Fall muss ich mich mit meinen Lieferanten ein paar Straßen weiter treffen und alles selbst zurück schleppen. Das wäre absolut nicht tragbar. Dabei gibt es sicherlich auch Straßen in Bühl, die in schlechterem Zustand sind“, so der Inhaber von Blumen Prelisauer. Insbesondere der Zeitpunkt sei denkbar ungünstig. „Warum jetzt?“, fragt er sich. Die Zeiten seien aktuell sowieso schon unsicher, das Geld könne man sicherlich auch anderweitig investieren. Zumal auch eine Fertigstellung der Maßnahme im Zeitplan aufgrund von Corona nicht gewährleistet sei.

„Zusätzlich zu Corona noch sechs bis acht Wochen Baustelle, das ist eine Katastrophe. Mein Laden lebt vom Durchgangsverkehr. Aber immerhin am Muttertag sind wir noch gut mit dem Auto erreichbar, das ist der umsatzstärkste Tag im ganzen Jahr für Floristikgeschäfte“, meint der Blumenhändler. Die Kombination der Umstände würde ihn „mindestens 50 Prozent“ seines Umsatzes kosten. Insbesondere sei das ganze Bauvorhaben „unsinnig, wenn zusätzlich noch immer die Gartenstraße gesperrt ist“. Das erschwere den Stadtverkehr selbst für den ortskundigsten Bühler zusätzlich.

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Erstellt:
27. April 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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