Rottweiler-Mischling fällt Nachbarin an

Bühl (bgt) – Um wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht zu landen, muss man nicht notwendigerweise selbst handgreiflich geworden sein. Auch ein Hund kann seinen Herrn dorthin bringen.

Eine Wiederholung des Vorfalls ist laut Verteidiger ausgeschlossen. Symbolfoto: Zucchi/dpa

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Eine Wiederholung des Vorfalls ist laut Verteidiger ausgeschlossen. Symbolfoto: Zucchi/dpa

Dann nämlich, wenn er grundlos und spontan Passanten anfällt. So geschehen bei einem Arbeiter aus Bühl. Er hält sich in seiner kinderreichen Familie einen Rottweiler-Mischling, der – so seine Schilderung gegenüber Richterin Jantzen am Amtsgericht in Bühl – eigentlich sehr umgänglich und verträglich ist. Im eigenen Haus „spielen und kuscheln“ die noch minderjährigen Kinder mit dem Hund ohne Beanstandung. Doch wehe, irgendein Fremder lässt sich blicken und kommt in seine Nähe.

Nun muss sich der bereits einschlägig vorbestrafte Familienvater erneut wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Beim ersten Mal hatte der Mischling nach einer Zeitungsausträgerin geschnappt und eine Passantin angefallen und ihr in den Arm gebissen, die daraufhin ambulant behandelt werden musste. Dieses Mal hatte er die Nachbarin angefallen. Diese hatte gerade ihren Säugling auf dem Arm, als der Hund an ihr hochsprang und sie in den Oberschenkel biss. Auch sie musste wegen Hämatomen und länger anhaltender Schmerzen ärztlich behandelt werden. Der ansonsten so „liebe Hund, der keinem etwas tut“, war jedes Mal durch die von den Kindern offen gelassene Haustür entwichen und auf die Straße gelangt. „Ruckzuck war er weg“, kommentiert der Angeklagte das Geschehen. Dass ihm die ganze Sache unangenehm ist, ist ihm deutlich anzumerken und er entschuldigt sich für seinen Mischling, für den er freilich die Verantwortung trägt.

Inzwischen, so klärt er die Richterin auf, hat er einen Riegel am Gartentor angebracht, und sein Hund bekomme beim Gassigehen einen Maulkorb und werde stets an der Leine geführt. Auch beim Hundetrainer werde versucht, dem Rottweiler-Mischling sein aggressives Verhalten abzugewöhnen. Das freilich scheint gar nicht so einfach. Der als Zeuge geladene Polizeibeamte von der Hundestaffel, der mit der Anzeige der Geschädigten befasst war, erklärt: „Wenn Hunde ein gewisses Alter haben, dann sind ihre Verhaltensmuster nur schwer zu ändern.“ Kontrollierbar seien sie dann nur mit Leinenhaltung.

Verteidiger Sven Wilhelm regt an, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, und bringt einen Betrag von 2000 Euro ins Spiel. Immerhin sei von seinem Mandanten mittlerweile das Gartentor gesichert worden und ein Hundetrainer verpflichtet. Eine Wiederholung hält er somit für ausgeschlossen. Die Richterin könnte sich damit arrangieren, doch der Staatsanwalt stellt sich quer. „Von einer einschlägigen Vorstrafe auf eine Einstellung zurückzugehen, da habe ich meine Schwierigkeiten.“ Im Übrigen sei die Geschädigte selbst noch nicht gehört worden. Für sie steht schlicht und einfach kein Dolmetscher zur Verfügung. Ein weiterer Verhandlungstermin ist somit unerlässlich.

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Erstellt:
20. Mai 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
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