Patientenverfügung in Corona-Zeiten

Bühl (red) – Die Corona-Erkrankung bestimmt momentan alle Bereiche des Lebens. Vieles, was bisher selbstverständlich war, muss hinterfragt und neu geregelt werden. Die neue Krankheit macht unsicher, regt aber auch an, nachzudenken und vielleicht auch anders zu entscheiden. So fasst der Verein Pallium die derzeitige Lage in einer Mitteilung zusammen.

Die Patientenverfügung solle sehr überlegt und differenziert erstellt werden. Symbolfoto: Hildenbrand/dpa

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Die Patientenverfügung solle sehr überlegt und differenziert erstellt werden. Symbolfoto: Hildenbrand/dpa

Im Hospiz-und Palliativbereich, auf den Intensivstationen, aber auch in der häuslichen Situation spiegelt sich das wider in manchmal schweren Entscheidungen, wie und wo, unter welchen Bedingungen diagnostiziert und therapiert werden soll. Neue Gesetzes-Regelungen müssen beachtet werden.

Für den Bereich Vorsorge und Patientenverfügung bei Pallium bedeutet dies, dass zahlreiche Mitglieder ihre bisher erstellte Vorsorgemaßnahme unter dem Gesichtspunkt Corona-Erkrankung hinterfragen und bei Michaela Wagner von Pallium um Rat bitten.

Der Palliativarzt Dr. Bruno Eisemann erklärt, dass die Patienten mit besonders schweren Krankheitsverläufen häufig zur Gruppe der Senioren gehören, die bereits eine Patientenverfügung besitzen.

Manche Besitzer einer Patientenverfügung fragen sich laut Pallium, ob sie im Falle einer Corona-Erkrankung auch die erforderliche Maximalbehandlung erfahren würden, da sie in der Patientenverfügung genau diese abgelehnt haben. Unter anderem zeige dies, wie wichtig einerseits gerade jetzt eine Patientenverfügung ist, aber auch, wie überlegt und differenziert diese erstellt und formuliert sein muss, um sicher gehen zu können, dass sie nach den Vorstellungen des Betroffenen wirksam werden kann. Dazu komme, dass die beste Patientenverfügung nichts taugt, wenn sie im Notfall nicht beachtet wird – weil entweder reflexhaft gehandelt, die Patientenverfügung nicht aufgefunden oder diese einfach nicht berücksichtigt wird.

Handlungsanweisungen genau überdenken

Die Corona-Krankheit löse wie kaum eine andere schnell eine Kaskade von Maßnahmen aus, die einer besonderen Handlungsweise folgen. Dabei könne laut Pallium leicht übersehen werden, welche Handlungen im Einzelfall sinnlos oder schädlich sein können, jedenfalls nicht dazu geeignet seien, die gewünschten Erfolge optimal zu erzielen. Ausreichend viele Beatmungsplätze vorhalten zu können, könne im Falle einer weiteren Zuspitzung der Verläufe bedeutsam sein. Aber es gebe daneben auch andere Entscheidungen zu treffen. „Eine palliativmedizinische Maßnahme anstelle einer maschinellen Beatmung kann unter ethischen und menschlichen Gesichtspunkten die bessere Alternative sein“, so Pallium.

Ein hochbetagter Bewohner eines Pflegeheimes, der wegen verschiedener altersbedingter Diagnosen behandelt wird und der in seiner Patientenverfügung eine intensivmedizinische Therapie, womöglich mit Beatmung, ausgeschlossen hat, würde im Fall einer Corona Erkrankung wahrscheinlich in seiner vertrauten Umgebung bleiben wollen, heißt es weiter. Er wolle lieber palliativmedizinisch versorgt werden und nicht notfallmäßig in eine Corona-Abteilung eingewiesen werden, schreibt Pallium. Zu einer optimalen Patientenverfügung gehöre eine persönliche, medizinisch-fachkundige Beratung, heißt es in der Mitteilung weiter. Denn im Anwendungsfall komme es immer zu schwierigen Entscheidungen, die für den Patienten getroffen werden müssen.

Der Verein Pallium bietet mit seinem Vorsorgekonzept „Patientenverfügung/Antea Care“ fachkompetente individuelle Beratung bei der Erstellung einer Patientenverfügung. „Im Anwendungsfall kann Pallium von den Angehörigen beziehungsweise vom Willensvertreter hinzugezogen werden und unterstützt bei der Entscheidungsfindung durch fachkundige medizin-ethische Beratung. In der Patientenverfügung kann Pallium auch als Willensvertreter eingesetzt werden“, heißt es abschließend.

Kontakt: Michaela Wagner (Fachkraft für das Vorsorgekonzept „Patientenverfügung/Antea Care“), (07223)9917500, E-Mail: info@pallium-care.de

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Erstellt:
28. April 2020, 16:30 Uhr
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