Mit Flaschenbier durch die Krise

Renchen/Ulm (jo) – Die Corona-Krise drückt auf den Bierdurst. Leidtragende ist auch die Familienbrauerei Bauhöfer in Ulm, die einen erheblichen Absatzrückgang verspürt. „Wir planen jetzt von Woche zu Woche“, erklärt Geschäftsführerin Katharina Scheer.

Die leeren Fässer stapeln sich: Derzeit kann die Brauerei Bauhöfer das Ulmer Bier nur in Flaschen absetzen. Foto: Eiermann

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Die leeren Fässer stapeln sich: Derzeit kann die Brauerei Bauhöfer das Ulmer Bier nur in Flaschen absetzen. Foto: Eiermann

Von Joachim Eiermann

Dabei gelte es, stets ein Auge auf die Politik und die aktuelle Entwicklung zu haben, um schnell und bestmöglich agieren zu können. Die Devise lautet abwarten. Alle 35 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Die 26-Jährige, erst seit Jahresbeginn in Führungsfunktion, ist jetzt als Krisenmanagerin gefordert. Sie wird unterstützt von Familienmitgliedern und Verwandten, die ebenfalls Verantwortung im Unternehmen tragen. Begonnen hat die Misere mit der behördlich angeordneten Schließung der Gaststätten. „Da wussten wir, kein Fassbier mehr verkaufen zu können.“ Der Anteil an der Gesamtproduktion beträgt etwa ein Drittel. Die erste Reaktion war, Kurzarbeit zu beantragen. Seither werde reduziert gearbeitet. Immerhin: Keiner der Beschäftigten muss zu Hause Däumchen drehen oder gar um seinen Job bangen, denn das Hauptgeschäft, der Absatz des Ulmer Biers in Flaschen über den Handel, sei stabil, berichtet Scheer. „Der Betrieb läuft weiter, aber halt mit angezogener Handbremse.“

Die Enkelin des Seniorchefs Eugen Bauhöfer hofft, dass „wir mit einem blauen Auge davonkommen“. Über die Höhe des Absatzrückgangs lasse sich derzeit noch keine verlässliche Aussage treffen, erst gegen Ende der Krise. Sobald die Politik ankündige, dass die Lokale wieder Gäste empfangen können, „haben wir einen Anhaltspunkt“. Der Umsatz leidet, eine Existenzgefährdung des Unternehmens sieht Scheer jedoch nicht. „Uns trifft die Krise zwar, aber wir werden diese Zeit ‚rumkriegen“, ist ihr nicht bange. Weitere sechs bis acht Wochen ließen sich einigermaßen verkraften. Wenn jedoch die Beschränkungen länger als ein halbes Jahr andauern sollten, müssten weitreichendere Überlegungen angestellt werden. Scheer unterstreicht: „Stand jetzt sind wir ein sicherer Arbeitgeber.“

Marken-Relaunch voererst zurückgestellt

Geplante Investitionen, die nicht dringlich seien, würden momentan zurückgestellt. So auch der Marken-Relaunch des „Ulmer Biers“, der die Familientradition und den Namen Bauhöfer stärker in den Vordergrund rücken soll. „Uns ist es jetzt wichtiger, die Arbeitsplätze zu sichern und die Liquidität zu erhalten.“ Aufgeschoben sei nicht aufgehoben: Die Modernisierung der Marke soll möglichst noch im Lauf dieses Jahres gestartet und dann peu à peu umgesetzt werden. Die Brauereichefin hat Soforthilfe beim Land Baden-Württemberg beantragt. Mit der Möglichkeit, die Biersteuer zu stunden, gibt es ein weiteres Hilfsinstrument. Das bereits abgefüllte Fassbier, das seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie mangels Nachfrage auf Lager liegt, verdirbt so schnell nicht. Die Mindesthaltbarkeit beträgt drei Monate.

Es in Flaschen umzufüllen, daran sei nicht gedacht. „Das entspräche nicht unserem Qualitätsanspruch“, so die Firmenchefin. Sie setzt darauf, dass in der Gastronomie die Türen in Kürze wieder aufgehen und die Bestände sich noch absetzen lassen. Eigentlich würde jetzt die Saison der Feste beginnen, die ebenfalls nach frisch gezapftem Bier verlangt. Bis in den Sommer hinein geht jedoch erst mal nichts. Die Hoffnung von Scheer ruht nun auf der Zeit danach. Aber auch in diesem Punkt gilt: „Wir müssen abwarten.“

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Erstellt:
28. April 2020, 15:30 Uhr
Lesedauer:
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