Maiwaldhof fokussiert sich auf artgerechte Haltung

Renchen (red) – Conny und Gerd Keck haben im vergangenen Jahr den Maiwaldhof gegründet. Auf Rechener Gemarkung halten sie auf einem großen Freigelände Schweine, Hühner, Japanwachteln. Verfüttert wird Futter aus der Region.

Wenn „Chefin“ Conny Keck das frische Futter bringt, gibt es für die Schweine im großzügigen Freigelände auf dem Maiwaldhof 12 kein Halten mehr. Foto: Budai

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Wenn „Chefin“ Conny Keck das frische Futter bringt, gibt es für die Schweine im großzügigen Freigelände auf dem Maiwaldhof 12 kein Halten mehr. Foto: Budai

Von Josef Budai

Das Frühjahr ist „Löwenzahnzeit“, so auch im Maiwaldgebiet zwischen Memprechtshofen und dem L87-Kreisel. Auch rund um den Maiwaldhof mit der Hausnummer 12, direkt beim Kreisel, leuchten überall die gelben Löwenzahnblüten im frischen, grünen Gras. Den Löwenzahn hat auch Gerd Keck genau im Blick, denn für seine zahlreichen Stallhasen ist das Grünzeug eine Delikatesse.

Mitte vergangenen Jahres hat die Familie Keck den Maiwaldhof auf Renchener Gemarkung und die dazu gehörenden Hektar Land erworben und ab Oktober die Bewirtschaftung mit umfangreicher Tierhaltung wieder aktiviert. Die frühere Besitzerin war vor einiger Zeit verstorben, sodass der Hof seither brach lag. Für Gerd Keck, der eigentlich als Unternehmer eine Firma für Präzisionsteile in Freistett führt, eine besondere Herausforderung.

Weitgehend unabhängig

„Am Anfang gab es schon den Gedanken, einen sogenannten Selbstversorgerhof daraus zu machen, also ein Stück weit autark und unabhängiger vom allgemeinen Konsumverhalten zu werden“, beschreibt Gerd Keck die ersten Überlegungen innerhalb seiner Familie. „Denn die heutige Gesellschaft lebt eigentlich im Überfluss, Fleisch und andere tierische Produkte beziehungsweise Erzeugnisse werden massenhaft produziert. Und in Zeiten von Dumping-Preisen und Massentierhaltungen steht der Verlierer eindeutig fest, die Tiere“, erklärt der Unternehmer. Und er weiß auch, wovon er spricht. Denn etwas „Stallgeruch“ hat Gerd Keck aus seiner Jugendzeit mitgebracht, als die Eltern in der Freistetter Krämerstraße einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb führten und Sprössling Gerd für einige Stallhasen selbst verantwortlich war. Und das Ausmisten gehörte ebenfalls mit dazu. Auf dem Land war früher der Nebenerwerb aus der Landwirtschaft vielerorts üblich.

„Die heutige Wegwerfgesellschaft hat uns zum Nachdenken gebracht“, erklären Gerd Keck und seine Ehefrau Conny, die das Projekt „Maiwald 12“ voll unterstützt und mitträgt. „Um so eine Idee in der Praxis umzusetzen, muss der Partner voll dahinter stehen, sonst funktioniert es nicht“, so Gerd Keck und erntet das zustimmende Nicken seiner Ehefrau. Der ist die Landwirtschaft auch nicht fremd, denn die Eltern betrieben früher Obstanbau und so sind beide bodenständig und „geerdet“. Und wie man Gerd Keck kennt, nebenbei leidenschaftlicher Vollblut-Hobby-Blasmusiker und Vorsitzender beim Musikverein, wird nichts dem Zufall überlassen und mit viel Akribie in die Tat umgesetzt.

Artgerechte Tierhaltung

Der Leitgedanke, nachhaltig, weitgehend unabhängig und vor allem artgerecht Nutztiere zu halten und später auch als Lebensmittel zu nutzen, kann nur mit einer klaren Zielsetzung erfolgen. „Von der Region für die Region und Qualität vor Quantität, sowie die erforderliche Transparenz – das ist unsere Zielvorgabe, die auch unbedingt eingehalten werden muss“, erklärt Gerd Keck. „In der Praxis bedeutet das artgerechte Nutztierhaltung, das Tierwohl hat absolut höchste Priorität, keine Gentechnik im Futter, großzügige Freigehege für die Tiere und naturnahe Aufzucht, mit Futter aus der Region und ohne jegliche Masthilfsstoffe“, ergänzt Gerd Keck und fügt hinzu: „Der Besuch auf dem Maiwaldhof 12 soll später ein Erlebnis für Groß und Klein werden und eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbarn streben wir auch an.“

Im großen Freigelände fühlen sich aktuell etliche Iberische und Schwäbisch-Hällische Schweine, beides alte Rassen und bekannt für höchste Fleischqualität, sichtlich „sauwohl“. Kein Wunder, denn zum selbstgemixten Futter, immer frisch zubereitet aus gekochten Kartoffeln und Getreideschrot, gibt es auch Eicheln als Beifutter und in der Erde gewühlt wird ebenfalls „saumäßig“. Und wenn Conny Keck mit dem Futtereimer zum Freigehege kommt, gibt es für die Tiere kein Halten mehr.

„Das besondere Fleisch der Schweine wird derzeit über einen regionalen Metzger aus Linx vermarktet, unsere frischen Eier bieten wir direkt in Selbstbedienung an einem Stand auf dem Hof an und der Rest geht an einen hiesigen Nudelproduzenten“, so Gerd Keck. In Zukunft könnten sich diese „Absatzwege“ noch erweitern, denn das Konzept „Maiwald 12“ steht erst am Anfang.

Geplant ist daher nicht nur ein kleiner Hof mit artgerechter Nutztierhaltung, sondern auch ein Gastronomiebetrieb mit angegliederter Brauerei, Bäckerei und einigem mehr. Die entsprechenden, umfangreichen Bauanträge laufen schon. „Wir sind hoch motiviert, das Projekt umzusetzen und sind uns bewusst, dass noch viel Arbeit auf uns wartet“, sagen Conny und Gerd Keck übereinstimmend.

Verschiedene Tiere auf dem Hof

Ihre Freiheit als glückliche Hühner voll genießen kann auch die große Schar brauner Legehennen, die sich auf der grünen Wiese nach Herzenslust tummelt und das frische Grün, Würmer und Schnecken nicht verschmäht. Zur gefiederten Fraktion in der Freilaufhaltung gehören zudem auch französische Bresse-Hühner, die eine exzellente Fleischqualität aufweisen, sowie eine größere Schar Japanwachteln, ebenfalls in großzügigen Gehegen. Über diesen Luxus dürfen sich auch die Stallhasen und ihr Nachwuchs freuen, denn sie werden nicht wie üblich in kleineren Boxen gehalten, sondern dürfen sich in komfortablen Freilaufgehegen austoben.

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Erstellt:
21. April 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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