Lieferfahrten statt Zweikämpfe

Ottersweier (mf) – Statt mit Ball am Fuß, in Trikot und Stollenschuhen trifft man die Kicker des Fußballvereins Ottersweier (FVO) derzeit eher mit Gummihandschuhen, Mundschutz und Pizzakartons an. An den Wochenenden helfen sie der Familie Angellotti aus, die die Badner-Stub beim Stadion betreibt.

Vier der zwölf Pizzaboten, die an den Wochenenden Dienst machen (von links): Christian Leier, Aaron Hörth, Julian Hauer und Florian Metzinger. Foto: Fuß

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Vier der zwölf Pizzaboten, die an den Wochenenden Dienst machen (von links): Christian Leier, Aaron Hörth, Julian Hauer und Florian Metzinger. Foto: Fuß

Von Martina Fuß

Besondere Zeiten bringen besondere Aufgaben mit sich. Kein Problem für Sportler, die es gewohnt sind, sich jedes Wochenende aufs Neue einer Herausforderung zu stellen, noch dazu wenn sie in einer Liga spielen, in der der Verein noch nie zuvor vertreten war.

Der Fußballverein Ottersweier ist diese Saison erstmals in der Landesliga unterwegs und hatte zuletzt hart um den Verbleib in der Klasse gekämpft. Die Fußballschuhe bleiben derzeit coronabedingt zwar ungeschnürt. Einen herausfordernden Einsatz am Fußballplatz gibt es dennoch.

Die Spieler der ersten und zweiten Mannschaft fahren an den Wochenenden Pizza und Pasta aus. Sie haben sich bereitgestellt, die Wirtsfamilie Angellotti, die die Badner-Stub beim Stadion betreibt, mit einem Lieferdienst zu unterstützen. Und das nicht nur als Fahrdienst, sondern auch als Organisationsteam, denn da gilt es einiges zu regeln und zu beachten. Jeweils vier Spieler sind jeden Freitag, Samstag und Sonntag im Einsatz, einer nimmt die Bestellungen telefonisch oder per Mail entgegen, die anderen fahren die Gerichte aus. Lieferbezirk: Von Sasbach über Lauf bis nach Bühl mit Neusatz, Kappel und Rittersbach. Ottersweier und Unzhurst sind natürlich die Haupteinsatzgebiete.

„Sind froh über die Wirtsfamilie und wollen, dass sie bleiben“

„Wir Seniorenspieler hatten uns überlegt, wie wir Gutes tun können. Alle haben mehr Zeit, es gibt keine Trainingseinheiten und kein Spiel. Also hatten wir zunächst ganz pauschal unsere Hilfe in den sozialen Medien und im Mitteilungsblatt angeboten. Dieses Angebot war aber viel zu pauschal, was dazu führte, dass nur ein paar wenige, kleine Anfragen eingingen“, erklärt Mit-Ideengeber Fabian Diemer. „Das war wenig erfüllend“. Also überlegte er zusammen mit den Spielern Christian Armbruster und Tobias Gerber und dem Trainerkollegen der zweiten Mannschaft, Oliver Niehaus, wo Hilfe wirklich dringend gebraucht würde. „Da sind wir schnell auf unsere Vereinsgaststätte gekommen. Wir sind froh über unsere Wirtsfamilie und wollen, dass sie bleiben.“

Aber wie kann man da unterstützen? So viel Pizza können auch zwei Seniorenmannschaften mitsamt Familien nicht aufessen, dass es zum Überstehen der Corona-Krise reicht. Da reifte die Idee des Lieferservices, ein Geschäftsmodell mit dem weder die Angellottis, geschweige denn die FVO-Fußballer Erfahrung hatten. Mit einer ordentlichen Portion Mut und Zutrauen machten sich die Spieler ans Werk. FVO-Geschäftsführung und FVO-Vorstand nahmen mit der Betreiberfamilie Kontakt auf und schon bald gab es grünes Licht.

„Zusammenhalten und das Beste draus machen“

Jetzt war organisatorisches Geschick gefragt, ein Arbeitsplan mit Schichtdienst musste her. Die durchgehende Beachtung hygienischer Standards hatte dabei oberste Priorität und musste natürlich auch organisiert werden. Die „Pizzaboten“ tragen Handschuhe und Mundschutz und haben genügend Desinfektionsmittel im Einsatz. Mit der Küche haben sie keinerlei physischen Kontakt. Mittels Lieferboxen, die Edeka zur Verfügung gestellt hat, kommen die bestellten Gerichte aus der Küche und werden dann ausgefahren. „Jedes Wochenende sind nun zwölf Spieler der ersten und zweiten Mannschaft im Einsatz“, berichten die beiden Trainer und ziehen nach den ersten beiden Wochenenden ein positives Fazit: Die Resonanz ist super – auch wenn es ab und zu mal ein bisschen hakt, bis sich eine gewisse Professionalität einstellt.

Was eine Fußball-Mannschaft stark macht, gilt für die Spieler ganz besonders auch in Zeiten der Krise: „Da muss man füreinander da sein, zusammenhalten und das Beste daraus machen“, so die Idee der FVO-Spieler.

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Erstellt:
20. April 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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