Leidvolle Panik in Silvesternacht

Bühl (naf) – Das Leid, das Tieren in der Silvesternacht oftmals widerfährt, musste nun ein Landwirt in Neusatzeck an seinen eigenen Ziegen erfahren. Panik im Stall führte dazu, dass ein Lamm totgetrampelt und andere Tiere verletzt wurden.

Enkeltochter Lea betreut und streichelt die verletzte Ziege (kniend), die seit Silvester nicht mehr stehen kann. Foto: Margull

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Enkeltochter Lea betreut und streichelt die verletzte Ziege (kniend), die seit Silvester nicht mehr stehen kann. Foto: Margull

Von Nadine Fissl

Böller, Raketen, Feuerwerke und laute Musik: Die Feierstunde an Silvester ist für die einen traditionsreich, für die anderen ohrenbetäubend. Immer wieder Thema sind die unter dem Lärm leidenden Tiere. Dieses Leid musste nun ein Ehepaar auf ihrem Hof in Neusatzeck in der vergangenen Silvesternacht bei ihren eigenen Ziegen erleben. Panik im Stall führte dazu, dass ein Lamm totgetrampelt und andere Tiere verletzt wurden.

„Es ist ein wahnsinniger Verlust, nicht nur finanziell, sondern auch emotional.“ Die Landwirtin Beatrice Kohler ist immer noch schockiert über das Geschehen in der Silvesternacht. Ausgerechnet in dieser habe eine trächtige Ziege ihre zwei Lämmer zur Welt gebracht. Ob die Geburt ebenfalls durch den durch Lärm verursachten Stress hervorgerufen wurde, kann Kohler zwar nicht mit Sicherheit sagen, es wäre aber denkbar.

Ziegen legen sich auf den Boden, wenn sie lammen. Als der Geräuschpegel Panik im Stall ausgelöst hatte, müssen die anderen Tiere unkontrolliert über Neugeborene und Mutter gerannt sein, vermuten die Landwirte. Ein Lamm sei noch in derselben Nacht gestorben, das andere im Verlauf des nächsten Tages. Das Ehepaar habe noch versucht, das zweite Tier mit Biestmilch, der ersten Milch eines Muttertiers, aufzupäppeln – leider vergebens. Die ehemals trächtige Ziege stehe immer noch unter Schock und könne nicht mehr aufstehen.

Die Tiere würden jedes Jahr unter dem gefeierten Jahreswechsel leiden, aber solche Auswirkungen habe es laut Kohler noch nie gegeben. Dabei habe man die Böcke extra noch im Vorhinein weggesperrt, erzählt sie. Mit ihnen zusätzlich im Stall wäre das Ausmaß an Verletzungen sicher noch größer gewesen.

Beliebte Gegend für Neujahrsspektakel

Verantwortlich für das Passierte könne man niemanden direkt machen, so die Landwirtin. Es habe sich keiner auf ihrem Grundstück oder in unmittelbarer Nähe befunden, der Lärm von der nächstliegenden Straße war jedoch ausreichend. Die Gegend sei beliebt, um sich das Neujahrsspektakel der umliegenden Dörfer von der Höhe aus anzuschauen. Auch viele Ortsfremde kämen zur Feuerwerksshow, was das Eindämmen des Lärmpegels fast unmöglich mache. „Wenn es wenigstens nur die Nachbarn wären, könnte man ja darüber reden“, meint Kohler.

So sei es die Aufgabe der Politik, zu handeln und Verbote auszusprechen. Auch wegen der zurückgebliebenen Müllberge, die das Paar jährlich am Neujahrstag von ihren Wiesen einsammeln muss. Einen 240-Liter- Müllsack haben sie in diesem Jahr zu drei Vierteln mit zurückgelassenen Abfällen gefüllt, erzählt Kohler.

Wie die Landwirte in Zukunft mit den Tieren in der lautesten Nacht des Jahres umgehen, das müssen sie noch entscheiden. Nach den jüngsten Ereignissen ist sich Beatrice Kohler fast sicher, dass ein Mitglied der Familie sein nächstes Silvester im Stall verbringen wird.

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Erstellt:
4. Januar 2020, 00:00 Uhr
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