Lebensraum Baggersee vor der Linse

Bühl (red) – Bühler Unterwasserfotografen des Tauchsportvereins Mittelbaden spüren Kleinstlebewesen nach. Bilder dienen auch der Dokumentation des Klimawandels.

Bitte recht freundlich: Köcherfliegenlarven leben in stehenden und langsam fließenden Gewässern. Foto: Tauchsportverein Mittelbaden

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Bitte recht freundlich: Köcherfliegenlarven leben in stehenden und langsam fließenden Gewässern. Foto: Tauchsportverein Mittelbaden

Seit einem Jahr besteht die Sektion Unterwasserfotografie (UWF) des Tauchsportvereins Mittelbaden (TSVMB), der dieses Hobby einem größeren Kreis bekannt machen möchte. Die Mitglieder der Sektion UWF unter Leitung von Axel Grünewald haben sich dem Lebensraum Baggersee verschrieben.
Um in diesen Makrokosmos einzutauchen, braucht es für die Unterwasserfotografen eine gute Tarierung nah über dem Grund, um Aufwirbelungen zu vermeiden, darüber hinaus ein gutes Auge, eine gute Kamera mit externem Blitz und viel Geduld, heißt es in einer Pressemitteilung. Diesen Makro-Lebensraum, den man mit bloßem Auge kaum wahrnehmen kann, machen die Mitglieder mit ihren Unterwasseraufnahmen für jeden Interessierten sichtbar. Bei fast jedem Tauchgang werden detaillierte Unterwasserbilder aufgenommen. Die Beobachtungen und Daten werden nach dem Tauchgang dokumentiert, bearbeitet und an die Sektionsgruppe Naturwissenschaftliches Tauchen (NAWITA) des TSVMB weitergeleitet, damit diese die Daten mit in ihre Projektarbeiten aufnehmen können. So leisten der TSVMB und dessen Sektionsgruppen ihren Beitrag, um die Auswirkungen des Klimawandels „auf unsere regionale Unterwasser-Flora und -Fauna zu dokumentieren und diese Daten mit allen interessierten Institutionen zu teilen“, so die Mitteilung.

Regelmäßige Treffen der Mitglieder

Die Sektion UWF nennt mehrere Beispiele aus dem Makro-Lebensraum: Süßwasserpolypen werden je nach Art bis zu drei Zentimeter groß. Mit den Fangarmen (Tentakeln), die am oberen Ende um die Mundöffnung herum angeordnet sind, angelt sich der Polyp seine Beute (Wasserflöhe oder anderes Kleingetier), um diese dann in die Mundöffnung zu stopfen.

Die Kugelmilbe wird je nach Art zwischen 0,5 und vier Millimeter groß. Sie ist ein Vertreter der Süßwassermilben und gehört zu den auffälligsten Wassermilben Mitteleuropas. Sie lebt in stehenden Gewässern und jagt vornehmlich nach Wasserflöhen. Die Kugelmilbe ist auffällig rot gefärbt. Ihr Körper ist kugelförmig, das namensgebende Merkmal der Art, und rundum mit feinen Chitindornen besetzt (15 bis 20 Mikrometer). Die Tiere besitzen einen relativ langen Rüssel.

Die Größe der erwachsenen Seegraskäfer beträgt 4,5 bis 6 Millimeter, die Breite jedoch bis zu sieben Millimeter. Es handelt sich um einen seltenen wasserlebenden Käfer aus der Familie der Blattkäfer. Er ernährt sich von Wasserpflanzen wie Laichkraut und Tausendblatt. Das Bundesamt für Naturschutz hat den Seegraskäfer auf seine Liste der gefährdeten Arten gesetzt. In Sachsen-Anhalt ist nach jetzigem Kenntnisstand mit dem Trockenfallen des Salzigen Sees bei Eisleben der Seegraskäfer bereits verschwunden.

Die Köcherfliegenlarve hat eine Länge von etwa drei Zentimetern. Die Larven leben in stehenden und langsam fließenden Gewässern. Köcherfliegen haben eine vollständige Entwicklung mit einem Puppenstadium. Sie sind am nächsten mit den Schmetterlingen verwandt. Bei ihnen sind aber Körper und Flügel behaart, während bei Schmetterlingen die Flügel beschuppt sind. Außerdem haben sie keinen Saugrüssel wie die Schmetterlinge. Die Flügel werden dachartig über dem Körper gefaltet, schreibt der Verein.

Wer Interesse an den Arbeiten der verschiedenen Sektionsgruppen des TSVMB hat oder wer auch mal in die Unterwasserwelt eintauchen möchte, kann sich im Internet informieren. Die Mitglieder des Tauchsportvereins treffen sich jeden Freitag auf dem Vereinsgelände in Vimbuch.

www.tsvmb.de

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Erstellt:
8. Juli 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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