Künstler stellt Nägel mit Köpfen her

Appenweier (red) – Der ehemalige Zahntechniker Hans-Peter Fischer aus Urloffen modelliert seit mehr als 20 Jahren Skulpturen aus Eisen- und Bronzeguss. Wichtige Politiker der deutschen Geschichte hat Fischer beispielsweise schon zu etwa 15 Zentimeter großen Nägeln mit Köpfen gemacht. Er hat aber auch einige menschengroße Stücke im Repertoire.

Fischers Nagelmänner: Der Künstler gestaltet Zimmermannsnägel mit Charakterköpfen.  Foto: Archiv

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Fischers Nagelmänner: Der Künstler gestaltet Zimmermannsnägel mit Charakterköpfen. Foto: Archiv

Von Steffi Rohn

Im Atelier von Hans-Peter Fischer im Klein-Sommerfeld in Urloffen entsteht Außergewöhnliches. Zimmermannsnägel mit Charakterköpfen, lebensgroß modellierte Männerköpfe und tanzende Tangopaare aus Bronze fallen ins Auge. Schwerpunkt seines inzwischen mehr als 20 Jahre langen künstlerischen Schaffens sind Skulpturen in Eisen- und Bronzeguss.

Alles fing mit den rund 15 Zentimeter langen aus Eisen gegossenen Nagelmännern an. Der Künstler erinnert sich noch genau an deren Geburtsstunde. „Vor knapp 30 Jahren habe ich eine wichtige Entscheidung immer wieder vor mir hergeschoben. Ein Freund gab mir damals den Rat, Nägel mit Köpfen zu machen.“ Fischer nahm den Rat ernst und wörtlich: Er kaufte drei Zimmermannsnägel und schlug sie in seinen Nachttisch. „Symbolisch, damit ich mich jeden Morgen daran erinnerte, eine Entscheidung zu treffen“, erklärt er.

Zehn Jahre später nahm die Idee Formen an. Als er auf einer Beerdigung einige eindrucksvolle greise Gesichter entdeckte, ließ sich Fischer inspirieren und setzte den gut gemeinten Rat des Freundes im wahrsten Sinne des Wortes in die Tat um. Das war die Geburtsstunde der „Nägel mit Köpfen“. Viele davon sind seither entstanden.

In seinem Atelier in Urloffen modelliert Hans-Peter Fischer Skulpturen und gestaltet Nägel mit Köpfen.  Archivfoto: Rohn

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In seinem Atelier in Urloffen modelliert Hans-Peter Fischer Skulpturen und gestaltet Nägel mit Köpfen. Archivfoto: Rohn

Fischer nimmt dafür Wachs, das um den Kopf eines 15 Zentimeter langen Nagels gesetzt wird. Daraus modelliert er einen Kopf samt Gesicht und legt eine feuerfeste Masse Schamott darüber. Beim anschließenden Erhitzen fließt das Wachs heraus und die Öffnung wird mit flüssigem Eisen aufgefüllt. Nach dem Erkalten entfernt der Künstler das Schamott. Übrig bleibt die fertige Plastik, die mit Feinwerkzeug den letzten Schliff bekommt.

Die verblüffend echt wirkenden Gesichter sind sicher neben seinem Talent auch Fischers bis 2014 ausgeübtem Beruf des Zahntechnikers geschuldet: modellieren, genau konstruieren. Der Unterschied liegt aber darin, wie er sagt, dass man in der Kunst frei entscheiden kann, wie das Werk aussehen soll.

Jeder so entstandene Kopf ist einzigartig. Fischer stellt sie in Serien von jeweils 26 Stück her. „Alle Figuren bekommen einen eigenen Namen, von A bis Z, der jeweils auf dem Nagelschaft zu finden ist, verrät der Künstler. Die erste Serie bekam deutsche Namen, dann entstanden Franzosen, danach eine Serie von Spaniern.

Bekannte Köpfe und viel Fantasie

Seit mehr als 20 Jahren hat Fischer auf diese Art schon unzählige Köpfe entstehen lassen. Einige sind seiner eigenen Fantasie entsprungen, aber viele Köpfe sind bekannt. Dazu gehört das Werk „Mauerfall 1989“, das durch zwei auseinandergebrochene Steine symbolisiert wird. Im Stein stecken 19 Nägel mit Köpfen der Minister, die zu jener Zeit das Kabinett Helmut Kohls bildeten.

Die meisten Exponate sind klein, im Repertoire findet man aber auch einige menschengroße Stücke, so eine 1,70 Meter große Plastik mit dem Namen „Zwei Nägel mit Köpfen“.

Um Gleichgesinnte zu finden, stöberte Fischer vor einiger Zeit im Internet und fand das einzige Nagelmuseum Deutschlands bei Stuttgart. Nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem Museumsdirektor war klar, dass der Urloffener Nagel-Künstler genau ins Konzept des ungewöhnlichen Museums passt.

Nach Ausstellungen in Paris, Travemünde, Lübeck und Karlsruhe startete Anfang März eine weitere Präsentation des Ortenauers im Nagelmuseum im schwäbischen Löchgau. Die Sonderausstellung „Nägel mit Köpfen“ zeigt 78 Unikate. Wegen der Corona-Krise muss die Ausstellung, die erfolgreich angelaufen war, mit der vorübergehenden Schließung des Museums ruhen, sie wird aber verlängert.

Im November 1998 wurde das in Deutschland einzigartige Museum in Löchgau eröffnet. Grundstock des Museums war die mehr als 4500 Nagelarten umfassende Mustersammlung der Firma Röcker, die von 1876 bis 1974 dort produzierte.

Zur Person: Hans-Peter Fischer

Hans-Peter Fischer ist Jahrgang 1951. Er wurde in Renchen geboren, wuchs in Urloffen auf. Von 1990 bis 2011 wohnte er in Rheinstetten, danach wieder in Urloffen. Fischer ist gelernter Zahntechniker. Seit 2000 ist er freischaffender Künstler mit dem Schwerpunkten auf Skulpturen und Porträtbüsten in Eisen oder Bronzeguss.

Fischers Leidenschaft für den Tango

Der 69-jährige Urloffener Künstler Hans-Peter Fischer hat noch eine weitere große Leidenschaft: den Tango. Vor 15 Jahren fing er buchstäblich Feuer für den argentinischen Tanz. „Dabei stellte ich mich bei einem Schritt etwas ungeschickt an“, erzählt Fischer, „und modellierte deshalb ein Tanzpaar, um es besser umsetzen zu können“.

Er schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Schritt klappt seitdem, und der Künstler erweiterte sein künstlerisches Betätigungsfeld. Inzwischen zählen zahlreiche Tanzpaare, in Bronze gegossen, zu seinem Repertoire. Getanzt wird in unterschiedlichen Größen auf Holz, Stein oder Marmor.

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Erstellt:
20. April 2020, 14:00 Uhr
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