Coronavirus: Bühler Arbeitgeber reagieren

Bühl (marv) – Wie gehen international agierende Firmen mit dem Coronavirus um? Welche Vorbereitungen treffen Bühler Arbeitgeber? Das BT hat sich bei Bosch, Dormakaba, GMT und Schaeffler erkundigt.

Corona-Vorsorge: Am Montag gab es nur eingeschränkt Zugang auf das Werksgelände von Schaeffler in Bühl.  Foto: privat

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Corona-Vorsorge: Am Montag gab es nur eingeschränkt Zugang auf das Werksgelände von Schaeffler in Bühl. Foto: privat

Von Marvin Lauser

Dienstreise- und Einfahrtverbote, verstärkte Einlasskontrollen, Handreichungen zur Hand-, Husten- und Nieshygiene und Homeoffice. Unter anderem mit diesen Vorkehrungen reagieren derzeit viele Firmen weltweit auf das Coronavirus – offiziell Covid-19. Auch an den Bühler Standorten von Bosch, Dormakaba, Schaeffler und der Gummi-Metall-Technik GmbH (GMT) sieht man sich zum Handeln gezwungen.

Bei Dormakaba sind derzeit keine Erkrankungen von Mitarbeitern bekannt (Stand Montag). „Glücklicherweise“, sagt auch Schaeffler-Sprecherin Bettina Lichtenberg, „ist weltweit noch kein Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt“. Dennoch nimmt man die Viruserkrankung sehr ernst, wie Vorsichtsmaßnahmen rund um die beiden Bühler Standorte beweisen, die am Montag umgesetzt worden sind. Jeder, der einen der beiden Schaeffler-Standorte betreten wollte, musste – nach BT-Informationen bei jedem Zutritt – eine Selbstauskunft ausfüllen und unterschreiben. Wer angab, innerhalb der vergangenen 15 Tage in China, Italien, Iran, Japan oder Südkorea gewesen zu sein, dem wurde der Zutritt verwehrt. Für diese Länder gilt auch ein Dienstreiseverbot. Bei betroffenen Mitarbeitern entscheidet dann der Vorgesetzte, ob diese die nächsten 14 Tage im Homeoffice arbeiten sollen oder bezahlt freigestellt werden, heißt es in dem Selbstauskunfts-Formular, das der Redaktion vorliegt.

Um den Zugang besser kontrollieren zu können, wurden am Montag auch einige Drehtüren, durch die die Mitarbeiter sonst aufs Werksgelände gelangen, mit rot-weißem Band abgesperrt. Nach BT-Informationen mussten die Shuttles, mit denen Mitarbeiter für gewöhnlich vom Standort Bußmatten zur Industriestraße und retour fahren können, vor den Werkstoren halten. Auch mit Geschäftsfahrzeugen sei eine direkte Einfahrt ohne vorheriges Ausfüllen der Selbstauskunft am Montag nicht gestattet gewesen.

Krisenstäbe, Hotlines und Ansprechpartner vor Ort

Schaeffler setze einen globalen Krisenstab ein, „außerdem gibt es lokal Ansprechpartner, zum Beispiel den werksärztlichen Dienst“, teilte die Pressesprecherin dem BT schriftlich mit. Das Unternehmen empfiehlt, auf Meetings zu verzichten und stattdessen Videokonferenzen abzuhalten. Laut Lichtenberg gibt es „im Moment noch keine Auswirkungen“ auf die Produktion. „Die internationalen Lieferketten funktionieren.“

Bei Bosch klingen die Auskünfte ähnlich: „Wo möglich, weichen wir auf alternative Lieferwege innerhalb unseres globalen Netzwerks aus“, schreibt Irina Ananyeva, Unternehmenssprecherin von Bosch. Ein Expertenteam beobachte und bewerte die Situation kontinuierlich. Man habe verschiedene Szenarien im Blick, um die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten. Dienstreisen aufs chinesische Festland und in betroffene Gemeinden in Norditalien müssen bis Ende März abgesagt oder verschoben werden. Mitarbeiter, die aus betroffenen Gebieten zurückkehren, sollen 14 Tage im Homeoffice arbeiten und bei Symptomen „sofort einen Arzt anrufen“, teilt Ananyeva weiter mit. Aushänge, Mitteilungen und eine Hotline informieren die Mitarbeiter über die Hygieneregeln der Weltgesundheitsorganisation.

Dieser Hinweis für Schaeffler-Mitarbeiter und Besucher hing am Montag an einem Zugang zum Werk in Bühl. Foto: Margull

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Dieser Hinweis für Schaeffler-Mitarbeiter und Besucher hing am Montag an einem Zugang zum Werk in Bühl. Foto: Margull

Alexandra Engstler, Geschäftsleiterin bei GMT in Bühl, äußert sich ähnlich: „Wir sensibilisieren unsere Mitarbeiter und Kunden für grundlegende Hygienemaßnahmen, die in der Grippezeit selbstverständlich sein sollten“. Man habe zusätzliche Desinfektionsmittelspender im Eingangsbereich aufgestellt, Kundenbesuche würden kritisch betrachtet und Geschäftsreisen größtenteils abgesagt beziehungsweise auf ein Minimum reduziert. GMT registriert aufgrund der Situation in China Probleme: Man habe zum Beispiel Anlieferverzögerungen von Vormaterialien, schreibt Geschäftsleiterin Engstler.

Mitarbeiter bleiben im Ausland

Alexander Wood, Dormakaba-Deutschland-Sprecher, teilte mit, dass Dormakaba eine interne, internationale „Task Force“ gebildet hat, die gegenwärtig täglich eine Sitzung abhält.

Nach dem Ende des chinesischen Neujahrsfestes sind laut Wood „aufgrund lokaler Beschränkungen“ in China noch nicht alle Mitarbeiter wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Außerdem seien Transport und Logistik dort derzeit eingeschränkt, was zu einer „stark rückläufigen inländischen Nachfrage“ führe. „Sollte sich die Situation nicht bald entspannen“, könnte es sich auf die globalen Lieferketten auswirken, so Wood. Sowohl bei Dormakaba als auch Schaeffler haben nach Konzern-Auskunft keine im Ausland arbeitenden Mitarbeiter um eine Rückholung gebeten.

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Erstellt:
4. März 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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