Blöken, Muhen und Meckern im Höhengebiet

Schwarzwaldhochstraße (red) – Ziegen, Rinder und Schafe in einer gemischten Herde sorgen dieser Tage am Hundseck-Skihang für ein echtes Schwarzwald-Feeling.

Eine Station der Ziegen, Schafe und Zwergrinder, deren Besitzer aus Lauf stammen, ist der ehemalige Skihang auf Hundseck.  Foto: Gemeinde Ottersweier

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Eine Station der Ziegen, Schafe und Zwergrinder, deren Besitzer aus Lauf stammen, ist der ehemalige Skihang auf Hundseck. Foto: Gemeinde Ottersweier

Den Wanderer erwartet im Höhengebiet von jeher eine wunderschöne Schwarzwaldidylle. Seit Tagen hat der ehemalige Hundseck-Skihang zusätzlichen Bilderbuchcharakter: Das Blöken von Schafen und das Meckern von Ziegen erklingt weithin durch das Tal, sie bieten zugleich einen possierlichen Anblick. Freilich ist der Hintergrund ihres Aufenthaltes nicht der einer touristischen Attraktion; die Tiere sorgen vielmehr für die Offenhaltung der Landschaft. Während Landwirtin Marianne Burger aus Lauf - ihrer Familie gehört die Herde - Elektrozäune errichtet, um die Tiere von einer abgegrasten Fläche zu einer „frischen“ zu treiben, erzählt sie von den Aufgaben und Herausforderungen, die mit der Beweidung verbunden sind.

„Wir haben hier etwa 350 Tiere“, sagt sie unter Verweis auf die „Mischherde“, der neben Schafen und Ziegen auch Zwergrinder angehören. „Da ihr Fressverhalten sehr unterschiedlich ist, sorgen sie schon nach wenigen Tagen für ‚saubere‘ Weiden.“ So fräßen Schafe und Rinder vorwiegend das Gras ab, und zwar bis tief an den Boden, während Ziegen eher an höherem Bewuchs wie Hecken interessiert seien. Nach etwa zwei Wochen in einem Gebiet wechselten die Tiere in ein anderes, in steter „Rundreise“. „Wir lassen sie neben dem Skihang auch auf der Hornisgrinde, am Hochkopf und im Laufbachtal grasen.“ Die zu beweidenden Flächen sind vertraglich mit dem Landeserhaltungsverband Rastatt festgelegt, der Pflegeauftrag reicht über die Tierhaltung hinaus. „Wir entfernen zum Beispiel Vogelbeeren, die die Tiere nicht antasten, maschinell mit der Motorsense.“

1,06 Meter hoher Elektrozaun gegen den Wolf

Auf die sukzessive Rückkehr von Wölfen in den Schwarzwald angesprochen, räumt Burger die verständliche Wut von Landwirten ein, deren Regionen besonders von Rudeln besiedelt seien, die Lüneburger Heide etwa. „Wir hingegen sind bisher von Rissen verschont geblieben, obwohl wir sicher sind: Der Wolf hat vor unserer Herde längst gestanden“, sagt sie. Seine Zurückhaltung begründet sie mit den Zäunen - mit insgesamt 1,06 Metern höher als üblich, elektrifiziert und mit blauen, für Wölfe abschreckenden Wimpeln ausgestattet. „Vermutlich hat er sich die Nase verbrannt“, scherzt sie. Sie hoffe jedenfalls, dass der Lerneffekt für das Tier hoch sei und er gar nicht erst auf die Idee verfalle, die Hürde zu überspringen. „Mehr Sorgen als der Wolf bereiten mir aber ehrlich gesagt frei laufende Hunde, die die Herden hetzen, und Zweibeiner“, sagt sie. „Der Wanderboom, durch Corona noch verstärkt, ist ja an sich etwas Schönes, doch leider nimmt der Müll sogar im Schutzgebiet ständig zu. Wenn unsere Tiere das fressen, verenden sie.“ Ein weiteres Phänomen, das bei Schafen zum Tod führen könne, sei es, wenn sie sich auf den Rücken legten und aufgrund eines Blähbauches nicht mehr aufstehen könnten. „Am Hang rollen sie weiter, aber in der Fläche passiert das gerade trächtigen, gut genährten Tieren.“ Darauf habe sie auch die Anlieger hingewiesen. „Ein Nachbar hat schon ein solches Schaf gerettet“, lobt sie. „Ich oder meine Eltern sind aber auch mehrere Stunden am Tag bei der Herde, um nach dem Rechten zu sehen.“ Auf ihre Zwergrinder ist Marianne Burger übrigens besonders stolz. „Mein Mann hält Wasserbüffel“, sagt sie zum Vergleich. „Ich finde, die Zwergrinder sind nicht nur schöne und freundliche Tiere, sondern auch angenehm klein. Damenrinder, sozusagen!“

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Erstellt:
3. August 2020, 13:49 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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