„Zusammenarbeit mit Schulen läuft zumeist reibungslos“

Baden-Baden (hös) - Die Schulschließungen haben gezeigt: Beim Online-Unterricht hapert es teilweise noch. Das BT hat den IT-Experten der Stadt Baden-Baden, Sven Missal, zur Lage vor Ort befragt.

Mit Blick auf die Infrastruktur sieht Sven Missal die Schulen in städtischer Trägerschaft sehr gut aufgestellt. Foto: Stadtverwaltung

Mit Blick auf die Infrastruktur sieht Sven Missal die Schulen in städtischer Trägerschaft sehr gut aufgestellt. Foto: Stadtverwaltung

Missal, der Abteilungsleiter Digitalisierung beim städtischen Fachgebiet Informationstechnik und Digitalisierung ist, bewertet im Interview mit BT-Redakteurin Stephanie Hölzle die aktuelle Situation in Baden-Baden. Er wirft dabei im Rahmen der BT-Serie “Vier Fragen an...“ nicht nur einen Blick in die Schulen selbst, sondern beleuchtet auch, wie sich die Lage innerhalb des zuständigen Verwaltungsbereichs darstellt.

BT: Herr Missal, die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass die Schulen digital gut aufgestellt sind. Wie sieht es denn bei den Bildungseinrichtungen in Baden-Baden aus Ihrer Sicht aus? Und wie gut ist die Stadt in diesem Bereich ausgestattet?

Sven Missal: Seit April hat das Fachgebiet Informationstechnik & Digitalisierung neben dem Verwaltungsbereich auch die Betreuung des pädagogischen Netzes vom Fachgebiet Schule und Sport übernommen. Dies war eine Forderung des Gemeinderats, um künftig besser auf Entwicklungen reagieren zu können und Synergien zu nutzen. Verbunden mit dieser Übernahme wurde eine zweite Stelle für die Schul-IT geschaffen. Diese ist allerdings noch zu besetzen. Derzeit betreuen wir 19 Baden-Badener Schulen von der Grundschule bis zur Berufsschule. Die Anforderungen, Ausstattungen und Unterstützungsleistungen durch den Schulträger reichen dabei je nach Schulart von der reinen Bereitstellung der IT-Infrastruktur bis hin zur administrativen Verwaltung von Geräten für Lehrkräfte und Schüler. Bedingt durch die Corona-Soforthilfemaßnahmen erwarten wir eine nahezu Verdoppelung der IT-Ausstattung, wodurch das Verhältnis Geräte zu Administration in Schieflage gerät.

BT: Mit der Hardware allein ist es ja nicht getan. Unterstützen Sie die Lehrer beim Umgang mit den digitalen Medien?

Missal: In den Schulen kümmern sich in aller Regel sogenannte Netzwerkbetreuer aus den Reihen der Lehrkräfte als erste Ansprechpartner für die Kolleginnen und Kollegen um die Thematik. Zusätzliche Unterstützung bekommen die Schulen durch unsere IT-Spezialisten und durch Dienstleister, die wir beauftragen und mit denen wir regelmäßig die Schulsysteme auf dem aktuellen Stand halten. Seit einigen Monaten ist ein Helpdesk mit einem Ticketsystem eingerichtet, über den die Schulen ihre Support-Anfragen schnell und unkompliziert an uns richten können. Die Zusammenarbeit mit den Netzwerkbetreuern und den Lehrkräften läuft weitestgehend reibungslos. Um eine passende Verwendung der Ausstattung für jede Schule zu gewährleisten, findet eine enge Abstimmung mit den Schulleitungen und den Netzwerkbetreuern statt.

BT: Immer wieder gibt es Berichte, dass die Infrastruktur – Stichwort: schnelle Leitungen, stabiles WLAN – vielerorts nicht ausreicht. Wie ist das bei den Schulen, die die Stadt betreut?

Missal: Die Baden-Badener Schulen sind im Vergleich zu vielen anderen Städten und Gemeinden infrastrukturell bereits sehr gut aufgestellt. Neben zentralen, leistungsfähigen Rechenzentren und vielen standardisierten Verfahren, die von uns betreut werden, sind alle Schulen über Glasfaser an das schnelle Internet angebunden. Ebenso verfügen die Schulen bereits über WLAN. Verbessern lässt sich so etwas natürlich immer. Daher reagieren wir auch auf die Anforderungen der Schulen – wie jüngst, als bei der Robert-Schuman-Schule technische Küchengeräte wegen einer Fernwartung an das WLAN angebunden werden mussten – Stichwort Internet of Things.

BT: In manchen Kommunen gibt es Kooperationen mit Firmen in Bezug auf Hardware bzw. Software-Support für Schulen über Fördervereine oder privates Engagement. Gibt es das auch in Baden-Baden bzw. wäre das aus Ihrer Sicht wünschenswert und praktikabel und wenn ja in welcher Form?

Missal: Die Betreuung von Hard- und Software kann mitunter sehr aufwändig sein. Derzeit müssen neben einer großen Anzahl an Servern rund 1.300 Geräte vor Ort – vom iPad über Drucker bis zum Laptop – mit einem sehr schmalen Personalbudget gepflegt werden. Da wir dies nicht alleine schultern können, sind wir auf die zuverlässige Unterstützung der Netzwerkbetreuer und von ortsansässigen Dienstleistern angewiesen – ein Rezept, das bisher sehr gut aufgegangen ist.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
12. Juli 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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