Von Körperteilen zu Buchcovern

Baden-Baden (naf) – Die Bookface-Challenge geht um die Welt und ist dabei auch hier in Baden-Baden angekommen – nicht nur in der Stadtbibliothek, sondern auch beim BT. Mit einem Selbstversuch hat das BT-Instagramteam ein Foto zur unendlichen Bookface-Sammlung in den Weiten des Internets beigetragen.

Der Freiwillige: BT-Redakteur Marvin Lauser ergänzt mit seinem Körper das Buchcover von Wiley. Foto: Fissl

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Der Freiwillige: BT-Redakteur Marvin Lauser ergänzt mit seinem Körper das Buchcover von Wiley. Foto: Fissl

Von Nadine Fissl

Die Kamera in der Linken, die Rechte ausgestreckt. Sie hält ein Buch vor den Kollegen, der so gekleidet ist, wie die Person auf dem Einband. Das Buch wird immer schwerer. Der Arm beginnt zu zittern. Noch einen Schritt nach hinten, ein paar Zentimeter zur Seite und schon passen die Konturen des Covers perfekt auf die Umrisse des Kollegen. Jetzt bloß nicht mehr bewegen, Kontrollblick auf die Kamera, das Zittern unterdrücken, abdrücken und da ist es: das perfekte Bookface. Der Selbstversuch des BT-Instagram-Teams zeigt, das Unterfangen ist gar nicht so einfach.

Bei der Bookface-Challenge geht es darum, Buchcover mit dem eigenen Körper zu vervollständigen oder zu ergänzen. Bereits vor Jahren ins Leben gerufen, existieren auf Instagram mittlerweile über 86900 Beiträge, die mit dem Hashtag #Bookface versehen wurden. Buchhandlungen, Bibliotheken und auch Privatpersonen sind bereits kreativ geworden und haben die Titelseiten der verschiedensten Druckwerke erweitert. Wer sich die Tausenden Beteiligten genauer anschaut, wird auch Bilder der Stadtbibliothek Baden-Baden entdecken, das jüngste von Dienstag, 12. Mai.

Mit dem Buchcover von „Alles so leicht“ möchte die Stadtbibliothek Baden-Baden Mut in der Krise machen.

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Mit dem Buchcover von „Alles so leicht“ möchte die Stadtbibliothek Baden-Baden Mut in der Krise machen.

Im August 2019 startete die Stadtbibliothek ihren Instagram-Account, der seither überwiegend von Auszubildenden bespielt wird. Bei der Suche nach möglichen Motiven für verschiedene Posts, stoßen sie auf die Bookface-Challenge. „Seither schaut man ganz anders auf die Einbände, wenn man die Bücher einräumt“, erzählt Sylvia Meermann, die das Online-Angebot der Bibliothek betreut. Sie wirkte von Anfang an bei der Idee mit. Das aktuelle Exemplar wurde nicht wegen seines Inhalts ausgewählt – es handelt von einem Leben mit Essstörungen – ,sondern allein wegen des Einbands. Im Gegensatz zum Titel ist es „kein leichtes Buch“, erzählt Meermann. Man wolle den Leuten aber die „Message des Covers“ mitgeben, gerade während der Corona-Krise. Das erklärt auch die Bildunterschrift auf Instagram. Hier ist zu lesen, dass man sich „in dieser Zeit tatsächlich öfters mal wünscht, dass alles doch viel leichter sein könnte“. Ergänzt wurde der gen Himmel gestreckte Unterarm des Covers.

Derweil werden auf den Bucheinbänden fehlende Körperteile, mittlerweile weltweit ersetzt: Ganz egal, ob es nun die Augen einer Teetrinkerin in Paris, der Körper von Frida Kahlo in Amsterdam, die Königin, die in den USA ihre Krone in die Höhe streckt oder die zweite Gesichtshälfte des Jokers in Australien ist.
Das Ganze spielt sich jedoch nicht nur auf Instagram ab. Seiten wie Bookface Magazine teilen ihre Kunstwerke auch auf Facebook. Das Paradoxe daran? Das ist ihr Leitspruch: „More Bookface. Less Facebook“.

Doch zurück zu Instagram: Hier haben mittlerweile die unterschiedlichsten Accounts in den verschiedensten Ländern einen sogenannten „bookfacefriday“ etabliert. Jeden Freitag aufs Neue wird Neugierde auf ein Buch geschaffen – durch die Gestaltung seines Covers. Allein heute sind bis zur Veröffentlichung dieses Artikels acht neue Beiträge mit dem #Bookface auf der Internetplattform zu finden – eins davon ist das Experiment unseres Instagram-Teams. Das ist eigentlich ganz gut gelungen, vor allem wenn man den zitternden Arm bedenkt.

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Erstellt:
1. Juni 2020, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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