Vier Fragen an: Simon Gerstner

Baden-Baden (stn) – Jedes Jahr kommt es an Badeseen zu mitunter tödlichen Unfällen. Simon Gerstner, Rettungsschwimmer der DLRG-Ortsgruppe Baden-Baden, ist zur Stelle, wenn Badegäste in Not geraten.

Simon Gerstner ist Rettungsschwimmer und bereits seit 20 Jahren Mitglied bei der DLRG. Foto: Chiara Henkel

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Simon Gerstner ist Rettungsschwimmer und bereits seit 20 Jahren Mitglied bei der DLRG. Foto: Chiara Henkel

Von Nora Strupp

Simon Gerstner ist seit 20 Jahren Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und seit achteinhalb Jahren Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Baden-Baden. Er hat eine Rettungsschwimm- und Sanitätsausbildung sowie eine Fachausbildung Wasserrettungsdienst absolviert. Seit 13 Jahren macht er regelmäßig Wachdienst am Badestrand in Sandweier und achtet darauf, dass den Badegästen dort nichts passiert. Derzeit hält sich der 29-Jährige in Sankt Peter-Ording auf, wo er gemeinsam mit anderen Rettungsschwimmern zwei Wochen lang Wachdienst an der Nordseeküste macht. Mit BT-Volontärin Nora Strupp hat er über die Gefahren an Badeseen und Flüssen gesprochen und erklärt, wie man sich vor dem Ertrinken schützen kann und wie man sich im Notfall richtig verhält.

BT: Herr Gerstner, wie häufig muss die DLRG-Ortsgruppe Baden-Baden zu Badeunfällen ausrücken?
Simon Gerstner: Also ausrücken in dem Sinne tun wir erst mal gar nicht. In den Sommermonaten machen wir an Sonn- und Feiertagen Wachdienst am Badestrand Sandweier. Dort unterstützen wir die Bademeister. Badeunfälle hatten wir am Badestrand Sandweier bisher glücklicherweise keine. Bei unseren Einsätzen behandeln wir meist Wespenstiche oder kleine Wunden, wenn sich jemand geschnitten hat. Oder helfen, wenn jemand zu lange in der Sonne lag und zu wenig getrunken hat. Es gibt allerdings auch den Wasserrettungsdienst, bei dem die DLRG aktiv ist. Der hat dann die Melder am Gürtel. Hierfür gibt es Fortbildungen und Ausbildungen, an denen auch einige unserer Mitglieder der Ortsgruppe Baden-Baden gerade teilnehmen.

BT: Weshalb passieren überhaupt Badeunfälle? Wo liegen die Gefahren in Badeseen oder Flüssen?
Gerstner: Oft überschätzen sich die Badegäste. Sie schwimmen zu weit raus und schaffen es dann nicht zurück ans Ufer. Oder sie rennen überhitzt ins Wasser und der Körper erleidet einen Kälteschock, wenn der See zu kühl ist. Das kann sehr gefährlich werden. Auch zu viel Alkohol spielt eine Rolle.

Einsatz an der Küste: Derzeit befindet sich Simon Gerstner für den Wachdienst in St. Peter-Ording. Foto: Anna Blaser

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Einsatz an der Küste: Derzeit befindet sich Simon Gerstner für den Wachdienst in St. Peter-Ording. Foto: Anna Blaser

BT: Welche Ratschläge, Tipps und Empfehlungen haben Sie für Badegäste? Wie kann man sich vor dem Ertrinken schützen?
Gerstner: Man sollte auf keinen Fall die abgesteckte Badezone verlassen. Außerdem sollte man ausreichend trinken und sich am besten nicht immer nur in der Sonne aufhalten, sondern auch mal in den Schatten gehen. Und man sollte nicht einfach so ins Wasser rennen, sondern sich erst einmal an die Wassertemperatur gewöhnen. Auch alkoholisiert ins Wasser zu gehen, ist keine gute Idee.

BT: Woran erkenne ich einen Ertrinkenden und wie verhalte ich mich im Notfall?
Gerstner: Man stellt sich immer vor, dass jemand, der ertrinkt, winkt und schreit. Tatsächlich passiert das Ertrinken aber still und leise. Ertrinkende versuchen, sich über Wasser zu halten oder an Land zu kommen, aber die Kraft ist nicht mehr da. Ertrinkende haben also keine Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen. Badeunfälle können vermieden werden, indem man präventiv vorgeht, indem man aufmerksam ist und schnell agiert. Vieles geht einfach nur übers Beobachten, indem man zum Beispiel schaut, wie jemand zum Wasser geht, ob er unsicher läuft oder wankt. Kommt es zu einem Notfall, sollte man die Aufgaben unter den vielen anwesenden Leuten verteilen. Ein paar können dann ins Wasser gehen, um der betroffenen Person zu helfen, eine Person an Land alarmiert den Notarzt und ein anderer geht zum Eingang, um die eintreffenden Rettungskräfte einzuweisen und ihnen die Einsatzstelle zu zeigen. Auf keinen Fall sollte man hingegen einfach nur herumstehen, gaffen und Fotos machen.

Im Notfall muss es schnell gehen: Über einen Melder werden die DLRG-Rettungsschwimmer alarmiert, wenn Badegäste in Not geraten. Foto: Anna Blaser

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Im Notfall muss es schnell gehen: Über einen Melder werden die DLRG-Rettungsschwimmer alarmiert, wenn Badegäste in Not geraten. Foto: Anna Blaser

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
16. August 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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